02. Oktober 2026 – dpa
Niedersachsen und Bremen gehen im Exzellenzwettbewerb leer aus. Minister Mohrs zieht einen Olympia-Vergleich. Die Hochschulen wollen ihre Pläne dennoch weiterverfolgen.
Niedersachsen und Bremen gehen bei der Auswahl neuer Exzellenzstandorte leer aus. Weder die Leibniz Universität Hannover (LUH) noch die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) oder der gemeinsame Verbund der Universitäten Oldenburg und Bremen erhielten einen Zuschlag. Das teilten der Wissenschaftsrat und die Deutsche Forschungsgemeinschaft nach der Entscheidung der Exzellenzkommission in Bonn mit. Die Hochschulen reagierten enttäuscht, wollen ihre Zukunftspläne aber weiterverfolgen.
«Niedersachsen ist mit dem Ziel in diesen Wettbewerb gegangen, wieder eine Exzellenzuniversität im Land zu haben. Dieses Ziel haben wir nicht erreicht», erklärte Wissenschaftsminister Falko Mohrs (SPD). Die Entscheidung ändere nichts an der wissenschaftlichen Leistungsfähigkeit der Hochschulen. Die Hochschulen verdienten auch künftig die Unterstützung des Landes.
Mohrs verglich das Ergebnis mit einem sportlichen Wettbewerb: «Bei Olympischen Spielen kann man eine bis dahin persönliche Bestleistung zeigen und trotzdem keine Medaille gewinnen. Nicht, weil die Leistung nicht stark war, sondern weil andere in diesem Wettbewerb etwas besser waren.»
Zuletzt hatte Niedersachsen mit der Universität Göttingen von 2007 bis 2012 einen Exzellenzstandort. Nach Angaben des Wissenschaftsministeriums wurde damals im Vorgängerprogramm Exzellenzinitiative das Zukunftskonzept «Göttingen. Tradition – Innovation – Autonomie» gefördert. Es erhielt 2012 keine Weiterförderung. In der seit 2019 laufenden Förderlinie Exzellenzuniversitäten war Niedersachsen bislang nicht vertreten.
Die Universität Bremen gehörte von 2012 bis 2019 zu den Exzellenzuniversitäten. Gefördert wurde ihr Zukunftskonzept «Ambitioniert und agil». Grundlagen waren ein meereswissenschaftlicher Exzellenzcluster und eine sozialwissenschaftliche Graduiertenschule.
«Die Entscheidung enttäuscht uns sehr, ist aber zugleich Ansporn», erklärte LUH-Präsident Volker Epping. Die LUH werde das Gutachten auswerten und ihre Pläne weiterverfolgen. Dafür sei die Universität auf weitere Unterstützung des Landes angewiesen. Geplant seien sechs fachübergreifende Forschungslabore, die Wissenschaft stärker mit gesellschaftlichen Zukunftsfragen verbinden sollten. Vorab hatte die LUH erklärt, ohne Förderung werde die Umsetzung vermutlich kleiner ausfallen und länger dauern.
«Ich bin natürlich enttäuscht», sagte MHH-Präsidentin Denise Hilfiker-Kleiner. Mit der Förderung ließe sich der Umbau deutlich beschleunigen und effizienter umsetzen. Die MHH hält an ihrem Programm «INSPIREfutureHealth» fest. Es soll Forschung, Lehre und Krankenversorgung enger verbinden und setzt auf Vorbeugung, die Vorhersage von Krankheitsrisiken, Präzisionsmedizin und Beteiligung.
Oldenburgs Universitätspräsident Ralph Bruder kündigte an: «Wir werden den eingeschlagenen Weg mit der Northwest Alliance konsequent gemeinsam weitergehen – und dabei sicher auch die nächste Exzellenzrunde nicht aus dem Blick lassen.» Bremens Rektorin Jutta Günther sagte: «An der Vision und den Zielen der Northwest Alliance werden wir festhalten.» Die Kooperation soll gemeinsam mit der Partneruniversität Groningen ausgebaut werden.
Ohne die Förderung werden nach ihren Angaben jedoch Millionenbeträge für neue Professuren in gemeinsamen Forschungsbereichen fehlen. Bremens Wissenschaftssenatorin Henrike Müller betonte, die Zusammenarbeit mit Oldenburg stehe auf einer verlässlichen Grundlage, die über den Wettbewerb hinaus bestehen bleibe.
Ausgewählt als Exzellenzstandorte wurden die Universitäten Freiburg, Jena und Köln sowie die Verbünde der Rhein-Main-Universitäten Darmstadt, Frankfurt und Mainz und der Ruhr-Universität Bochum und der Technischen Universität Dortmund. Damit wurden alle fünf möglichen neuen Plätze unter elf Bewerbungen vergeben. Die Entscheidung verkündeten unter anderem Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) und Mohrs als Vorsitzende und stellvertretender Vorsitzender der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz.
Ab Januar 2027 werden einschließlich der zehn bereits im März bestätigten Standorte insgesamt 15 Exzellenzstandorte gefördert. Dafür stehen jährlich 208 Millionen Euro bereit. Weil alle fünf neuen Plätze besetzt wurden und nahezu alle Standorte die Höchstsummen beantragt hatten, müssen die beantragten jährlichen Fördersummen nach Angaben von Wissenschaftsrat und DFG für die nächsten sieben Jahre um durchschnittlich rund ein Fünftel reduziert werden.
Die bereits bewilligte Förderung der Exzellenzcluster bleibt von der Absage unberührt. Wie das niedersächsische Wissenschaftsministerium vorab erläuterte, werden die sechs niedersächsischen Cluster seit Anfang 2026 für sieben Jahre bis Ende 2032 gefördert.
Anders als die Förderung ganzer Universitäten unterstützen Cluster einzelne Forschungsbereiche. Für eine Bewerbung als Exzellenzuniversität waren mindestens zwei geförderte Cluster nötig, für einen Verbund mindestens drei. Oldenburg und Bremen verfügten zusammen über vier.