21. September 2026 – dpa
Die deutsche Auto-Industrie steckt in der Krise. Nun müssten die Beschäftigten für die Fehler der Manager bezahlen, kritisiert die IG Metall. Sie fordert eine Kehrtwende.
Beschäftigte von Volkswagen und seinen Zulieferern haben in Zwickau lautstark gegen weiteren Jobabbau und eine mögliche Schließung der dortigen Autofabrik demonstriert. Gemeinsam hätten rund 1.500 Menschen gezeigt, dass sie die Kahlschlagspläne des VW-Managements nicht unwidersprochen hinnehmen werden, bilanzierte die IG Metall am Abend.
«Wer Zwickau angreift, bekommt es mit uns allen zu tun», sagte IG Metall-Vorstand Ralf Reinstädtler bei der Kundgebung auf dem Hauptmarkt. «Wir geben keinen Standort, keinen Beschäftigten auf.» Dass die VW-Führung weiterhin laut über massiven Jobabbau und die Schließung ganzer Werke nachdenke, sei eine «Riesen-Sauerei», so die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Elisabeth Kaiser.
Die Kundgebung war Teil eines bundesweiten Aktionstages der IG Metall unter dem Titel «Zukunft statt Kahlschlag - Zusammenhalt ist unsere stärkste Marke». Er richtete sich gegen Jobabbau, mögliche Werkschließungen und Forderungen nach längeren Arbeitszeiten. Allein für die Versammlung am Nachmittag in Zwickau sprach die Gewerkschaft von mehreren Tausend Teilnehmern. In der Region Berlin, Brandenburg und Sachsen habe es in über 50 Betrieben Aktionen gegeben.
IG Metall-Bezirkschef Jan Otto warf den Vorständen der deutschen Auto-Industrie schwere Fehler vor. «Jahrelang haben die Manager die Trends in der E-Mobilität, Digitalisierung und Batterietechnik verschlafen», kritisierte er am Morgen bei einer Kundgebung am VW-Motorenwerk in Chemnitz. Dort hatten sich nach Gewerkschaftsangaben rund 1.000 Beschäftigte von Volkswagen und Zulieferern in der Region versammelt. «Jetzt wollen sie ihre Belegschaften dafür bezahlen lassen. Das lassen wir nicht zu.»
Es seien schon Zehntausende Arbeitsplätze vernichtet worden, betonte Otto. «Wir fordern von Arbeitgebern und Politik eine Kehrtwende für eine Zukunft der Auto-Industrie.» Dazu brauche es Investitionen in die Zukunft, Innovationen und Qualifizierung. «Es muss Schluss sein mit Kahlschlag, Standortschließungen und Verlagerungen.»
Die Ostbeauftragte Kaiser appellierte an die Verantwortung von Unternehmen wie Volkswagen: «Wer in guten Jahren Milliardengewinne schreibt, darf sich in schlechten Jahren nicht wegducken.» An jedem Arbeitsplatz bei VW in Zwickau hingen mindestens fünf weitere bei Zulieferern, erklärte Betriebsrat Mike Rösler. Wenn die Autoproduktion wegbreche, habe das Folgen für die gesamte Region. Auch für Sport, Kultur, Handel und Gastronomie, ergänzte Zwickaus Oberbürgermeisterin Constance Arndt: «Ihr seid der Motor, der hier so viel bewegt.»