28. Juni 2026 – dpa
Gewitter und Starkregen sorgen für zahlreiche Einsätze im Nordwesten Niedersachsens. Und auch die hohen Temperaturen haben Folgen – nicht nur für die Menschen.
Hitzewelle und Gewitter – das Wetter der vergangenen Tage sorgt in Niedersachsen und Bremen für Temperatur-Rekorde, Schäden und auch Tote. Während das Thermometer mancherorts auf über 40 Grad kletterte, ertranken andernorts zwei Menschen. Ein nächtliches Unwetter entwurzelte zudem Bäume – verlief aber meist glimpflich.
Mit 40,2 Grad in Lüchow (Landkreis Lüchow-Dannenberg) hat der Deutsche Wetterdienst (DWD) die bisher höchste Temperatur in Niedersachsen gemessen. Der bisherige Hitzerekord im Land lag zuvor bei 40 Grad Celsius am 20. Juli 2022 in Barsinghausen (Region Hannover). In Bremen sei mit 37,3 Grad die bisher höchste Temperatur für einen Junitag gemessen worden. Das teilte der DWD auf Grundlage vorläufiger Daten mit.
Die hohen Temperaturen lockten viele Menschen an Seen für eine Abkühlung. Für zwei Menschen endeten Badeausflüge aber tödlich. Im Bremer Sodenmattsee ertrank am Samstag ein 22-Jähriger. Der junge Mann war Nichtschwimmer, wie die Polizei mitteilte. Hilfsversuche der Freunde des Mannes blieben erfolglos, da sie selbst in Lebensgefahr gerieten. Sie wurden von zwei weiteren Badegästen gerettet. Feuerwehrtaucher bargen den Ertrunkenen und versuchten vergeblich, ihn zu reanimieren.
Bereits am Freitagabend war ein acht Jahre alter Junge nach etwa zweistündiger Suche tot aus einem Badesee in Isernhagen bei Hannover geborgen worden. Rund 60 Einsatzkräfte waren an der Suche beteiligt, unter anderem mit einem Polizeihubschrauber und einem Sonarboot. Freiwillige Helfer und Einsatzkräfte bildeten eine Menschenkette. Taucher fanden den Jungen schließlich.
Gewitter, Wind und Starkregen führten am Sonntagmorgen zu vermehrten Einsätzen für Polizei und Feuerwehr in Nordwesten des Landes. In den meisten Fällen habe es sich um umgestürzte Bäume und überflutete Straßen gehandelt, teilten die Sprecher mit. Nach einem Blitzeinschlag in einem Wohnhaus in Aurich fing der Dachstuhl Feuer. Wie die Polizei mitteilte, entstand ein Schaden von rund 100.000 Euro. Der Bewohner des Einfamilienhauses konnte das Gebäude unverletzt verlassen.
Wegen der anhaltenden Hitze ist es auch zu Schäden auf Straßen und Autobahnen in Niedersachsen gekommen. Die Autobahn GmbH Nord teilte mit, Autobahnen würden während der Hitzewelle auch am Wochenende zweimal täglich überprüft werden. Wegen eines Hitzeschadens in der Fahrbahn kann auf der A7 im Süden Hamburgs der Hauptfahrstreifen in Richtung Norden in Höhe der Anschlussstelle Hamburg-Marmstorf auf 2,5 Kilometern nicht befahren werden, teilte ein Sprecher der Autobahngesellschaft mit. Die Sperrung werde voraussichtlich bis Montagnachmittag um 15.30 Uhr andauern.
Ebenfalls auf der A7 zwischen den Anschlussstellen Bad Fallingbostel und Dorfmark habe die Hitze den Beton einzelner Fahrbahnplatten so sehr aufgeheizt, dass sie sich ausdehnten, auswölbten und schließlich aufplatzten. Zwei Autos wurden dabei beschädigt, der Fahrstreifen wurde gesperrt. Wie lange die Reparatur andauern sollte, war zunächst nicht bekannt.
Im Bereich Nienburg seien sogenannte Bitumen-Ausblühungen festgestellt worden. Dabei tritt Bitumen aus der Fahrbahn aus – die Straßen «schwitzen». Die Bereiche können dann rutschig und Fahrzeuge verschmutzt werden.
Die extreme Hitze führte auch zu erheblichen Einschränkungen im regionalen Zugverkehr. Mehrere hitzebedingte Störungen an der Schieneninfrastruktur beeinträchtigen den Betrieb der Metronom-Züge, wie das Unternehmen mitteilte. Gleichzeitig erreichten auch die Klimaanlagen in den Fahrzeugen ihre technischen Leistungsgrenzen. Auch die Deutsche Bahn gab eine Reisewarnung angesichts der Wärme heraus. Samstag und Sonntag sollte auf alle nicht dringend notwendigen Reisen im Fern- und Regionalverkehr verzichtet werden.
Gestiegen ist auch die Waldbrandgefahr: Sie hat in Niedersachsen örtlich die höchste Stufe erreicht. Vor allem der Osten um die Lüneburger Heide ist betroffen – doch nicht nur, wie aus Daten des DWD hervorgeht. Menschen sollten daher beim Betreten von Wäldern und anderen Vegetationsflächen umsichtig sein.
Wegen der extremen Hitze ist an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) am Samstagabend die Kältetechnik zeitweise ausgefallen. Das habe zu einer Überlastung der Notklimaversorgung des Rechenzentrums geführt, wie die Einrichtung mitteilte. Die Versorgung der Patienten sei aber zu keinem Zeitpunkt gefährdet gewesen.