27. Juli 2026 – dpa

«Turbo-Wanderkaiser»

Harzer Wanderrekord gehört seit Jahren 83-Jährigem

2013, also vor 13 Jahren, wanderte Helmut Engelmann 13 Tage am Stück durch den Harz. Dabei gelang ihm ein bis heute unerreichter Rekord.

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Viele Wanderabzeichen trägt Helmut Engelmann an seinem Hut.

Die meisten brauchen Wochen, Monate oder gar Jahre dafür: der Harzer Wanderkaiser. Die Auszeichnung erhalten Menschen, die vom niedersächsischen Bad Grund bis zur Konradsburg in Sachsen-Anhalt alle 222 Stempelstellen erwandern. Einer jedoch brauchte dafür gerade einmal 13 Tage: Helmut Engelmann. Der 83-Jährige ist seit seinem Erfolg 2013 noch immer der schnellste Wanderkaiser, wie die Harzer Wandernadel bestätigte.

Helmut III. – so sein offizieller Titel als Wanderkaiser – wanderte damals an 13 aufeinanderfolgenden Tagen durchschnittlich 55 Kilometer am Stück. Dazu hatte er sich vorab eine «generalstabsmäßig geplante Route» überlegt, erinnert er sich. Stempelstellen, Übernachtungen, Einkehr – alles fein säuberlich geplant. So gelang es ihm, den Rekord als schnellster Wanderkaiser zu brechen. Zuvor lag die Bestmarke bei 21 Wandertagen, aufgestellt von ihm selbst zwei Jahre zuvor. Von der Harzer Wandernadel hat er offiziell den Titel «Turbo-Wanderkaiser» erhalten.

Woher kam die Motivation für diese Extremwanderungen? Erst nach seinem Ruhestand 2004 wurde Engelmann auf die Wandernadel aufmerksam. Dann hatte es ihn aber schnell gepackt. «Ich war sofort begeistert.» Er wanderte nicht nur, um das Stempelheft zu füllen, sondern ging auch zu Wandernadel-Stammtischen.

Thema dort unter anderem: Ungläubigkeit über Berichte zu manchem schnellen Wanderer. «Also wollte ich selbst mal zeigen, wie schnell es geht», sagt Engelmann, der zudem rechtzeitig zum Jahrestreffen der Wanderkaiser seine Auszeichnung in der Tasche haben wollte.

Als es dann nach seinem ersten Rekord Erzählungen über noch schnellere Wanderer gab, war der Ehrgeiz erneut geweckt und Engelmann plante seine Rekord-Tour. Durch den ersten Rekord war er zu dem Zeitpunkt bereits bekannt im Harz, so dass in Unterkünften auch mal eine Sauna länger geöffnet blieb, um ihn zu unterstützen. Von der Geschäftsstelle der Wandernadel ließ er sich Beginn und Ende der Tour dokumentieren, um jegliche Zweifel am Erfolg auszuschließen.

Die 222 Stempelstellen, die Engelmann erreichen musste, sind über den gesamten Harz verteilt. Sie finden sich an Aussichtspunkten und Sehenswürdigkeiten. Zu Anlässen kommen Sonderstempelstellen hinzu. Wer alle Stempelstellen erwandert und im Stempelheft einträgt, bekomme wie Engelmann den Titel Wanderkaiser oder -kaiserin, heißt es von der Geschäftsstelle der Wandernadel. Mehr als 15.000 Menschen sei das seit dem Start des Angebots vor 20 Jahren gelungen.

Auch für weniger erreichte Stempelstellen gibt es den Angaben nach bereits Auszeichnungen. Seit einigen Jahren gibt es zudem ein extra Abzeichen für mitwandernde Hunde – Anhänger für das Halsband inklusive.

Der Turbo-Wanderkaiser hat auf seinen Wanderungen meist menschliche Begleiter, etwa seine Frau Elke oder seinen Freund Gerald Glöckner. Wie die Engelmanns wohnt Glöckner in der Niederen Börde bei Magdeburg. Kennengelernt haben die beiden Männer sich aber über ihren gemeinsamen Freund, den verstorbenen «Brocken-Benno».

«Brocken-Benno» ist bekannt dafür, dass er tausende Male den höchsten Harz-Berg – den Brocken – bestiegen ist. Die Rekord-Hatz verbindet ihn mit Engelmann. Bloß wo der eine die Höhe des Harzes suchte, verschrieb sich der andere der Weite. Engelmann sagt, für die Routen zu und Nummern der Stempelstellen brauche er schon lange keine Karte mehr.

Eine Zeit lang fuhr er viermal in der Woche in den Harz. 45 Mal hat er bisher alle Stempelstellen abgewandert. Inzwischen ist der ehemalige Fahrlehrer zwar seltener dort. Und auch eine Rekord-Tour hat er nicht mehr unternommen. Dem Harz ist Engelmann, der auch Ehrenbotschafter der Wandernadel ist, aber weiter treu.

Dafür hat Engelmann allein schon zu viel Freude an Begegnungen mit anderen Wanderern. «An mir kommt keiner vorbei, ohne ein paar Worte mit mir zu wechseln», sagte er. Im Gegenzug gibt es Engelmanns eigenen Sonderstempel oder seinen Turbo-Schnaps – eine Sonderabfüllung eines Kräuterschnapses aus einer Harzer Manufaktur.

Doch auch landschaftlich lässt der Harz ihn nicht los. In vielen anderen Regionen in Deutschland und auch darüber hinaus habe er schon die Wanderschuhe geschnürt. Doch keine sei so abwechslungsreich wie der Harz. Das habe ihm nicht zuletzt die Wandernadel gezeigt. «Die hat mich an Orte gebracht, die ich sonst wohl nie gesehen hätte». Bis heute entdecke er immer wieder etwas Neues.

Zu seinem liebsten Stempelstellen zählen die Felsformation Hamburger Wappen und die Sandhöhlen im nordöstlichen Harz, der Dreitälerblick in Thüringen oder die Teiche der Oberharzer Wasserwirtschaft bei Clausthal-Zellerfeld. Da sei für jeden etwas dabei.

In letzter Zeit begegne er dort und im Rest des Harzes auch immer mehr jungen Menschen, berichtet Engelmann. Er hofft, dass noch mehr Menschen in Zukunft wandern. Wem der Harz zu weit sei, der finde auch vor der eigenen Haustür schöne Ecken. Wandern, vor allem mit Freunden in der Gruppe, sei einfach das Größte. Für ihn ist klar: «Wandern bildet, macht oder hält fit und man lernt neue Leute kennen.»

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