06. Mai 2026 – Frederic Heimann
Stellvertretender Leiter des niedersächsischen Landesgesundheitsamtes, Dr. Johannes Dreesmann, auch zuständig für Infektionsschutz und Infektionsepidemiologie: „Hantaviren, die wir in Deutschland haben, sind nicht so pathogen, also krank machend, wie welche, die anderswo auf der Welt auftreten. Sie werden nicht von Mensch zu Mensch übertragen. Von daher braucht man jetzt nicht die Sorge zu haben, dass jetzt eine neue Pandemie ausbricht oder ähnliches.“
Nachdem das Hantavirus auf einem Kreuzfahrtschiff ausgebrochen ist – und auch ein deutsches Todesopfer gefordert hat, gibt es auch bei uns Sorgen deshalb. Das sei aber eigentlich nicht nötig, sagte uns Infektionsmediziner und Epidemiologe Dr. Johannes Dreesmann.
Bei Hantaviren gebe es unterschiedliche Subtypen: Wenn in Niedersachsen Fälle aufträten, dann handele es sich um den Subtyp Puumala, der nicht von Mensch zu Mensch übertragbar sei.
Übertragung meist durch Nagetiere – Schutz möglich
In Niedersachsen komme das Virus bei Nagetieren vor, die es mit Kot oder Urin ausscheiden. Trockne das dann, werde später als Staub aufgewirbelt und von Menschen eingeatmet, dann könne auch der Mensch eine Infektion bekommen. In Niedersachsen seien nur solche Fälle erfasst – auf dem Kreuzfahrtschiff handle es sich aber wahrscheinlich um einen anderen Subtyp.
Man könne sich vor Infektionen schützen, erklärt Dr. Dreesmann: „Wenn man dafür sorgt, dass man zum Beispiel keine Mäuse in seiner Garage oder seinem Schuppen hat – das wäre das erste. Und wenn man dann zum Beispiel so eine Garage oder einen Schuppen, wo vielleicht auch Mäuse drin gewesen sind, dann mal reinigen sollte, sollte man vermeiden, entsprechende Stäube einzuatmen. Das kann man zum Beispiel dadurch erreichen, dass man dann beispielsweise eine FFP2 Maske trägt – oder das vielleicht auch vorher ein bisschen benetzt, sodass es nicht so staubt.“
Regionale Häufung
Rötelmäuse würden das Virus in Niedersachsen in sich tragen – die würden vor allem in Buchenwäldern leben und sich von Bucheckern ernähren. Wenn Fälle im Land auftreten, dann meist in Waldgebieten. Ganz besonders betroffen sei die Region Um Osnabrück: Der Landkreis Osnabrück, der südliche Teil der Landkreise Emsland und Vechta und die Grafschaft Bentheim,
Es kann schwere Verläufe geben
Erstmal habe der Erreger des Subtyps hier bei uns eine Inkubationszeit von mindestens zwei Wochen, erklärt Dr. Dreesmann weiter. Danach könne es erst zu grippeähnlichen Symptomen kommen, zum Beispiel Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen oder Bauchschmerzen. Im weiteren Verlauf könnten auch Nierenfunktionsstörungen auftreten, in Einzelfällen könne das auch zu einer schweren Erkrankung führen, die dann auch im Krankenhaus behandelt werden müsse – oder könne im ungünstigsten Fall sogar zum Tode führen.
Zahl der Fälle schwankt – abhängig von Bucheckern
Erkrankungen mit dem Hantavirus sind eine meldepflichtige Infektionskrankheit. Die Zahl der Fälle schwankt laut Dr. Dreesmann von Jahr zu Jahr – abhängig vor allem davon, wie viele Früchte, die Buchen abwerfen – die Bucheckern. In Jahren, in denen es viele Früchte gebe, könne es mal bis zu 200 Fälle in einem Jahr geben – der Spitzenwert aus 2019; sonst sei man deutlich drunter: Im letzten Jahr bei 50 Meldefällen in Niedersachsen.
Dieses Jahr zeichne sich wohl wieder ein durchschnittliches Jahr ab, bisher habe man in Niedersachsen gehabt. Hier betont Dr. Dreesmann nochmal die regionale Häufung: Besonders betroffen seien eben die genannten Kreise um Osnabrück.