23. Oktober 2026 – dpa
Überschüssigen Strom aus Wind- und Solaranlagen speichern und bei Bedarf wieder ins Netz einspeisen: Diese Aufgabe soll ab sofort ein neuer XXL-Batteriespeicher im Landkreis Hildesheim übernehmen.
Einer der bislang größten Batteriespeicher in Deutschland ist in Alfeld im Landkreis Hildesheim an das Hochspannungsnetz gegangen. Die Anlage wurde von Niedersachsens Energieminister Christian Meyer (Grüne) eröffnet. Der Batteriespeicher, untergebracht in vielen weißen Containern, soll überschüssigen Strom, zum Beispiel aus Windenergie, speichern und bei Bedarf wieder ins Netz einspeisen. Solche Speicher können helfen, Netzengpässe zu reduzieren und kostspielige Eingriffe in das Stromsystem verringern.
Die Anlage in Alfeld des Unternehmens Scale Alfeld GmbH hat laut Energieministerium eine Kapazität von rund 282 Megawattstunden und eine Leistung von 137,5 Megawatt. Damit kann demnach rechnerisch der durchschnittliche Strombedarf von rund 300.000 Vier-Personen-Haushalten gedeckt werden. Das sogenannte Großbatterie-Speichersystem (Battery Energy Storage System) zählt den Ministeriums-Angaben zufolge zu den derzeit europaweit größten Einzelanlagen dieser Art. Angeschlossen wurde der Speicher an das Hochspannungsnetz des Netzbetreibers Avacon.
Energieminister Meyer sagte in einer Mitteilung, der Aufbau einer leistungsstarken Batteriespeicherinfrastruktur wie etwa in Alfeld sei eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg der Energiewende. «Moderne und effiziente Batteriespeicher ermöglichen es, große Mengen Strom aus Wind- und Solarenergie zwischenzuspeichern und damit auch dann verfügbar zu machen, wenn die Sonne nicht scheint oder der Wind nicht weht.» Das vermeide auch teure Importe von klimaschädlichem Öl und Gas.
Frank Schwermer, Geschäftsführer der Avacon Netz GmbH, betonte in einer Mitteilung, der Nutzen der Speicher hänge auch von ihrem Standort und ihrer Integration in das Energiesystem ab. «In der zweiten Halbzeit der Energiewende müssen wir Erzeugung, Verbrauch und Netzausbau deutlich besser aufeinander abstimmen. Großbatteriespeicher können dabei zusätzliche Flexibilität bereitstellen», sagte Schwermer. «Für uns kommt es deshalb darauf an, Speicher vorausschauend in die Netzplanung einzubeziehen und technisch tragfähige Lösungen für ihren Anschluss zu entwickeln.»
Vielerorts in Deutschland entstehen zurzeit solche großen Batteriespeicher. Betreiber verdienen Geld, indem sie Strom speichern, wenn er günstig ist und ihn später mit Gewinn verkaufen, wenn die Preise steigen. Sinkende Batteriepreise und der schnelle Ausbau der erneuerbaren Energien haben dazu geführt, dass derzeit immer mehr Großspeicher geplant oder gebaut werden.
In Leuna in Sachsen-Anhalt etwa ging im August ein Großspeicher mit 250 Megawatt Leistung und zunächst 500 Megawattstunden Kapazität in Betrieb. Noch 2026 soll die Kapazität auf 800 Megawattstunden steigen.
In Niedersachsen wird zurzeit an mehreren Orten an Großbatteriespeichern gebaut: In Lingen errichtet der Energiekonzern RWE etwa an seinem Kraftwerksstandort einen Batteriespeicher mit 400 Megawatt Leistung. Weitere Projekte gibt es nach Angaben des Energieministeriums etwa in Mehringen (Landkreis Nienburg/Weser), Wilhelmshaven, Wetzen (Landkreis Lüneburg) und Weener (Landkreis Leer).