09. Oktober 2026 – dpa

Justiz

Ermittlungen gegen SPD-Politiker: Das sagen die Beteiligten

Gegen drei SPD-Politiker laufen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Hannover. Was bislang bekannt ist und wie die Sozialdemokraten reagieren.

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Die Staatsanwaltschaft Hannover hat Ermittlungen gegen mehrere SPD-Politiker bestätigt. (Archivbild)

Gleich drei SPD-Politiker sind inzwischen in das Visier von Ermittlungen in Hannover geraten. Große Schlagzeilen machte kurz vor der Berlin-Wahl der Fall des heutigen Berliner SPD-Fraktionschefs Steffen Krach. Inzwischen ist bekannt, dass auch gegen den am Donnerstag als SPD-Fraktionschef in Niedersachsen zurückgetretenen Stefan Politze sowie den Chef der SPD Hannover, den Bundestagsabgeordneten Adis Ahmetovic, ermittelt wird.

Medienberichten zufolge sollen alle drei Verfahren zu demselben Ermittlungskomplex rund um die Ausschreibung eines Klinikgeländes in Lehrte bei Hannover gehören – offiziell bestätigt ist das nicht. Für alle drei Politiker gilt die Unschuldsvermutung. Ein Überblick über das, was öffentlich bekannt ist.

Am 9. September – elf Tage vor der Berlin-Wahl – bestätigte die Staatsanwaltschaft, dass sie gegen Krach, der als SPD-Spitzenkandidat mitten im Wahlkampf steckte, ermittele. Einen Tag später erklärte sie, warum: wegen eines Anfangsverdachts auf Vorteilsannahme in zwei Fällen sowie in einem weiteren Fall wegen möglicher wettbewerbsbeschränkender Absprachen bei Ausschreibungen in Tateinheit mit einer Verletzung von Geschäftsgeheimnissen und einer Verletzung einer Geheimhaltungspflicht.

Krachs Büroräume in Hannover, wo er bis zu seiner Beurlaubung für den Wahlkampf als Regionspräsident tätig war, seine Wohnung in Berlin und die SPD-Landesparteizentrale in Berlin wurden demnach durchsucht. Auch Krachs Handy wurde sichergestellt.

Am 2. Oktober bestätigte die Staatsanwaltschaft, dass auch gegen den damaligen niedersächsischen SPD-Landtagsfraktionschef Politze ermittelt wird. Worum es geht, ließ die Behörde auf mehrfache Nachfragen hin offen.

Am Donnerstag bestätigte die Staatsanwaltschaft schließlich, dass sie auch gegen den Bundestagsabgeordneten Ahmetovic ermittele. Zu den Vorwürfen machte sie «aus ermittlungstaktischen Gründen» keine Angaben.

Krach weist alle Vorwürfe gegen sich zurück. Er sei sehr zuversichtlich, dass sie sich als unbegründet herausstellen werden, sagte der 47-Jährige am 10. September. Über den Zeitpunkt der Wohnungsdurchsuchung sei er «überrascht» gewesen: «Ich weiß nicht, was sie dort gesucht haben, unter den Betten meiner Kinder oder im Auto.» Beschlagnahmt worden seien neben seinem Handy alte Handys der Familie und ein iPad.

Er erklärte, bei dem Verkauf des Klinikgeländes in Lehrte habe es einen von ihm favorisierten Bieter gegeben. Als Regionspräsident war Krach Aufsichtsratsvorsitzender des Klinikums Region Hannover. Ende Dezember 2025 habe der Unternehmer 9.900 Euro an die Berliner SPD gespendet, darüber sei er am 7. Januar informiert worden, sagte Krach. Am Morgen danach habe er die Rücküberweisung angewiesen. Das Geld sei zurückgezahlt worden.

Weder privat noch als Berliner SPD-Vorsitzender habe er eine Spende dieses Unternehmens angenommen, und er habe sich auch nicht beeinflussen lassen. Den Zuschlag für das Klinikgelände habe ein anderer Bewerber erhalten. Er selbst habe sich bei der Abstimmung enthalten, schilderte Krach.

Politze sagte nach dem Bekanntwerden der Ermittlungen gegen ihn, er habe über die Medien von möglichen Vorwürfen gegen sich erfahren und wisse nicht, worum es dabei gehen solle. «Ich habe nichts zu verbergen und hoffe auf schnelle Aufklärung. Hierzu werde ich gerne beitragen», sagte er am 2. Oktober.

Fünf Tage später hob Niedersachsens Landtag Politzes Immunität auf. Angesichts dieser Entwicklungen trat der 61-Jährige vom SPD-Fraktionsvorsitz zurück: «Auch wenn ich fest von meiner Unschuld überzeugt bin, spüre ich die Belastung für die Partei, die Fraktion und mich», teilte er mit.

Sein Anwalt hat erklärt, dass gegen Politze im Zusammenhang mit den Vorwürfen gegen Krach ermittelt werde. «Die Verbindung zu diesem Ermittlungskomplex ist eindeutig», sagte der Jurist Matthias Waldraff. Sein Mandant könne sich aber nicht vorstellen, «dass Krach sich strafrechtlich relevant verhalten hat, dass er eine Straftat begangen hat». Das sei juristisch von Bedeutung, weil gegen Politze der Verdacht erhoben werde, Beihilfe zu wettbewerbsbeschränkenden Absprachen geleistet zu haben. Dieser Straftatbestand setze voraus, dass es eine Haupttat gibt.

Ohne Haupttat könne dazu auch keine Beihilfe geleistet worden sein, sagte der Anwalt. Das Gleiche gelte für den Verdacht einer Anstiftung zur Vorteilsgewährung. «Er hat auch keinen Geheimnisverrat begangen.»

Hannovers SPD-Chef Ahmetovic ließ am Donnerstag eine Mitteilung seines Anwalts Holger Nitz verbreiten: Darin wird auf die Ermittlungen im Zusammenhang mit dem Klinikgelände in Lehrte verwiesen – ob die Ermittlungen gegen Ahmetovic in Verbindung dazu stehen, geht aus dem Text allerdings nicht klar hervor.

Ahmetovic habe sich nichts vorzuwerfen, heißt es. «Wir gehen davon aus, dass der Sachverhalt aufgeklärt und der Vorwurf gegen Herrn Ahmetovic dann schnell vollständig ausgeräumt wird.» Auf die Kooperationsbereitschaft des Politikers habe sich die Staatsanwaltschaft jedoch bisher nicht eingelassen.

Der Anwalt kritisierte das: «Ohne Kenntnis der Akten und damit den Details, was man ihm eigentlich vorwirft, kann mein Mandant sich nicht gegen den unzutreffenden Vorwurf verteidigen.» Stattdessen seien Aktenbestandteile offenbar an die Öffentlichkeit gelangt. Die Staatsanwaltschaft werde daher aufzuklären haben, «wie dieser Geheimnisverrat geschehen konnte», so das Anwaltsschreiben.

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