05. Juli 2026 – dpa

E-Mobilität

E-Trends: Vom Gefangenenwagen bis zum Stallroboter

Strom statt Sprit, leise statt laut – Elektroantriebe erobern neue Einsatzfelder. Dabei spielen im Nordwesten auch Gefängnisse und Bauernhöfe eine Rolle.

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Zahlreiche Landwirte in Niedersachsen produzieren Sonnenstrom.

Elektrisch betriebene Fahrzeuge sind im Trend, ihre Zahl steigt. In Niedersachsen und Bremen rollen nicht nur E-Autos über die Straßen – auch einige Spezialwagen und Maschinen pusten keine Abgase mehr in die Luft. Zahlen und Fakten zum Stand der E-Mobilität:

Im vergangenen Jahr wurden so viele E-Autos in Niedersachsen und Bremen zugelassen wie nie zuvor. In Niedersachsen waren es 67.874 reine Elektro-Pkw, in Bremen 3.264, wie der Landesverband Erneuerbare Energien Niedersachsen und Bremen mitteilt. Auch bundesweit gab es einen Rekord. «Dieser Trend hält auch 2026 an», sagte Geschäftsführerin Silke Weyberg auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur. Sie verwies darauf, dass im April jeder vierte in Deutschland neu zugelassene Wagen ein reines E-Fahrzeug war.

Die Bedingungen für klimafreundliche E-Mobilität sind demnach in Niedersachsen besonders gut. «Niedersachsen ist bundesweit führend bei der Windenergie und ein starker Solarstandort und bietet somit beste Voraussetzungen», sagte Weyberg. Wie umweltschonend E-Mobilität ist, liegt maßgeblich am Anteil der Erneuerbaren Energien im Netz. «Ein E-Fahrzeug ist nur so sauber, wie der Strom, mit dem es geladen wird», erklärte die Geschäftsführerin. Nachholbedarf sieht sie beim Ausbau der Ladeinfrastruktur. Bei der Ladepunktdichte stehen süddeutsche Bundesländer demnach besser da.

Viele Menschen in Niedersachsen hadern mit einem Wechsel zur Elektromobilität, wie jüngst eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Oldenburger Energieversorgers EWE zeigte. Demnach nutzen nur zwei von zehn befragten Niedersachsen (20 Prozent) bislang E-Autos überwiegend oder gelegentlich in ihrem Alltag. Vor allem beim Ausbau der Ladeinfrastruktur und den Preisen für E-Autos sehen viele Verbraucherinnen und Verbraucher Nachholbedarf.

Das Bundesland Bremen nutzt E-Mobilität in verschiedenen Bereichen – auch bei Spezial- und Behördenflotten. Eine Besonderheit sind elektrische Gefangenentransporter – nach Angaben des Justizressorts sind es die Ersten in Deutschland. «Unsere Justizvollzugsanstalt leistet mit den beiden neuen Fahrzeugen einen Beitrag zum Klimaschutz und bietet gleichzeitig sehr moderne Transportbedingungen für Mitarbeitende und Gefangene», sagte Justizsenatorin Claudia Schilling bei der Vorstellung Ende Mai. Demnach können in vier Einzelkabinen, fünf Zweierkabinen und einer Viererkabine pro Transportfahrzeug bis zu 18 Gefangene transportiert werden. Mehr als 400 Kilometer kann das Fahrzeug ohne Zwischenladung fahren. Der Behörde zufolge werden die knapp zehn Meter langen Fahrzeuge mit ihrem elektrischen Antrieb pro Jahr etwa 36 Tonnen CO2 einsparen. Der Strom für die Wagen kommt aus der Photovoltaikanlage auf dem Dach der Justizvollzugsanstalt, die auch für andere E-Fahrzeuge des Gefängnisses genutzt wird.

Das Angebot an Alternativen zu dieselbetriebenen Maschinen für Landwirte wächst. Inzwischen gibt es elektrisch betriebene Rad- und Teleskoplader, Futterschiebe- und Stallreinigungsroboter, E-Futtermischwagen, Saat-Drohnen und E-Traktoren. Fachleuten zufolge kommt der Elektroantrieb für Arbeiten auf dem Hof sowie bei Traktoren bis etwa 100 PS Leistung vor allem für Betriebe infrage, die Solarstrom produzieren und damit ihre Fahrzeuge und Maschinen laden können.

«In der Innenwirtschaft, insbesondere in Rindviehställen, werden vielfach E-betriebene Futterschiebe- und Stallreinigungsroboter (Spaltenschieber) eingesetzt», berichtete ein Sprecher der Landwirtschaftskammer. Bei mobilen Maschinen wie Hoflader, Radlader und Teleskoplader mit E-Antrieb seien die Betriebe aber noch zurückhaltend. «Größter Hemmschuh sind die hohen Investitionskosten für die E-Lader, die etwa 30-50 Prozent teurer sind als vergleichbare dieselbetriebene Lader», sagte er. «Trotz günstigen eigenen PV-Stroms ist der dieselbetriebene Lader im betriebswirtschaftlichen Vergleich vielfach günstiger.» Eine Anschaffung kommt demnach für viele nur mit Förderung infrage. Dann seien die Kosten zwischen E-Lader und Diesel-Lader in etwa gleich und Landwirte und Landwirtinnen eher bereit in die E-Technik zu investieren. «Für das Jahr 2026 ist der Fördertopf schon ausgeschöpft», berichtete der Sprecher. Zahlen, wie viele Betriebe elektrisch betriebene Maschinen nutzen, liegen demnach nicht vor.

Landwirtschaft und Solarstromerzeugung auf derselben Fläche – das ist die Idee sogenannter Agri‑PV‑Parks. Die größte Anlage dieser Art in Niedersachsen steht dem Landesverband Erneuerbare Energien zufolge in Lemwerder im Landkreis Wesermarsch. Landwirt Henning Kruse kombiniert dort nach eigenen Angaben auf rund 18 Hektar Land Tierfutterproduktion mit der Stromerzeugung aus Solarenergie – mit einer Leistung von rund 14,5 Megawatt.

«Das Besondere – und für unsere Branche vorbildhaft – ist, dass es sich um Deutschlands derzeit größten privat betriebenen Agri-PV-Park handelt», sagte die Geschäftsführerin des Landesverbands Erneuerbare Energien. «Er wurde mit rund 10 Millionen Euro vollständig selbst finanziert, ohne große Investoren und ohne Fördermittel. Zudem ist er die erste zertifizierte Agri-PV-Anlage Deutschlands.»

Photovoltaik-Anlagen gibt es nach Angaben der Landwirtschaftskammer auch auf vielen Dächern landwirtschaftlicher Betriebe - vor allem dort, wo für die Tierhaltung viel Strom benötigt wird.

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