04. November 2026 – dpa
Große Reifen für E-Autos sorgen bei Continental für Rückenwind, teurere Rohstoffe bremsen. Nun hat der Hersteller im dritten Quartal mehr verdient - und traut sich auch mehr zu. Was steckt dahinter?
Der Reifenhersteller Continental traut sich nach einem guten dritten Quartal mehr zu - und rechnet mit einer besseren Profitabilität. Conti-Chef Christian Kötz peilt eine um Sondereffekte bereinigte Gewinnmarge vor Zinsen und Steuern von 13,4 bis 14,0 Prozent an, wie der Konzern mitteilte. Das bedeutet: Von 100 Euro Umsatz sollen im laufenden Jahr bis zu 14 Euro als operativer Gewinn übrig bleiben. Bisher hatten die Hannoveraner demnach 12,0 bis 13,5 Prozent auf dem Zettel.
Von Juli bis September steigerte Conti das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern um knapp 7 Prozent auf 514 Millionen Euro. Der Umsatz lag im selben Zeitraum bei 3,45 Milliarden Euro - und damit 11,4 Prozent unter dem Wert des Vorjahres. Der Rückgang resultiert demnach im Wesentlichen aus dem Verkauf eines Geschäftsfelds. Darum bereinigt liege das Minus bei lediglich 0,1 Prozent.
Unter dem Strich machte Conti im dritten Quartal einen Nettogewinn von 349 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor war ein Verlust von 756 Millionen Euro angefallen. Belastet hatten damals unter anderem Sondereffekten im Zuge der Abspaltung der Autozuliefersparte - die nun unter dem Namen Aumovio firmiert - und des Verkaufs eines Teils der Kunststofftechnik.
Conti-Finanzvorstand Roland Welzbacher zufolge ist der Konzern insbesondere in Europa und Asien hochprofitabel: «Mit großen und leistungsfähigen Reifen für SUV und Elektrofahrzeuge treffen wir den Bedarf der Kunden: Diese Reifen sind ein wesentlicher Treiber unseres Geschäfts». Zum positiven Trend hätten auch leicht positive Wechselkurseffekte und geringere Zolleinflüsse beigetragen.
Auf der Gegenseite wirken sich aber zunehmend höhere Rohmaterialpreise auf das Ergebnis aus - und belasten Continental im vierten Quartal den Angaben zufolge noch stärker. Rohöl ist ein wichtiger Produktionsfaktor für Reifen- und Kunststoffhersteller. Der Preis für den Rohstoff war mit dem Ausbruch des Krieges der USA und Israel gegen den Iran deutlich gestiegen.
Der Manager rechnet allein im vierten Quartal mit Rohstoff-Belastungen im mittleren zweistelligen Millionenbereich. Insgesamt werde die Krise 2026 eine niedrige bis mittlere dreistellige Millionensumme gekostet haben, sagte Welzbacher. Der Konzern steuere mit verschiedenen Maßnahmen gegen: Man verhandle mit Lieferanten, optimiere den Rohstoffmix und gebe Kosten an den Markt weiter. «Diese Maßnahmen wirken jetzt, das sieht man im Ergebnis des dritten Quartals», sagte Welzbacher.
Die Conti-Führung peilt im ersten Jahr nach der Aumovio-Abspaltung einen Umsatz von 13,5 bis 13,9 Milliarden Euro an. Herausgerechnet ist dabei auch bereits die Kunststofftechniksparte Contitech, die für 4 Milliarden Euro verkauft wird. Continental wird dann zum reinen Reifenhersteller. Finanzchef Welzbacher erwartet den Vollzug der Transaktion um den Jahreswechsel. Continental habe einen Großteil der nötigen Kartellfreigaben erhalten, man liege im Zeitplan.