18. Juni 2026 – dpa

Nato-Manöver

Befehlshaber warnt: Aggressivität in der Ostsee nimmt zu

Russische Kriegsschiffe in der Ostsee sorgen für wachsame Blicke der Marine. Was Vizeadmiral Deertz über die aktuelle Lage und Risiken sagt.

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Vizeadmiral Axel Deertz spricht über die das Verhalten russischer Militäreinheiten im Ostseeraum.

Die Präsenz russischer Kriegsschiffe und die Sicherheit im Ostseeraum stehen weiter im besonderen Fokus der Marine. «Eine Gegend, wo sich die sicherheitspolitische Lage spürbar verdichtet hat, wo ein potenzieller Gegner ziemlich potent unterwegs ist und zunehmend aggressiver auftritt», sagte der Befehlshaber der Flotte, Vizeadmiral Axel Deertz, am Rande einer Konferenz in Kiel. Dort beraten führende Offiziere aus Deutschland, den USA und anderen Nato-Staaten darüber, wie Europas Nordflanke geschützt werden kann.

In den vergangenen Tagen hatten rund 6.000 Soldaten aus 15 Nationen auf 20 Schiffen beim Nato-Manöver Baltops in der Ostsee trainiert. Das 55. Baltops-Manöver wurde erneut von der US Navy angeführt und endete vor Beginn der Kieler Woche (20. bis 28. Juni).

Die Sicherheit der Ostsee sei entscheidend für die Sicherheit Europas und damit auch der Vereinigten Staaten, sagte Vizeadmiral Jeffrey T. Anderson, der Befehlshaber der 6. US-Flotte. Die Seewege durch die Ostsee seien von lebenswichtiger Bedeutung für den Welthandel und den wirtschaftlichen Wohlstand. Bei Baltops trainierten die Soldatinnen und Soldaten nicht für eine mögliche Krise, sondern auch dafür, eine solche zu verhindern.

Deertz verwies auf die Zusammenarbeit nicht nur zwischen den Militärs, sondern auch mit der Küstenwache, der Fischerei oder dem Zoll. Das ergebe ein abgestimmtes Lagebild, auf das schneller reagiert werden könne. Mit Blick auf die Schattenflotte, mit der Russland Sanktionen von westlichen Unterstützern der Ukraine umgehen will, sprach der Befehlshaber von einem «gegenseitigen Hochstacheln». «Es ist durchaus in unserem Interesse, dass sie mit ihren Marineeinheiten mehr auf ihre Handelsschiffe gucken müssen.»

Den Transport durch die Ostsee, den der Westen auch als Seeweg freihalten wolle, brauchten die Russen genauso, um ihre Einkommen zu generieren, sagte Deertz. Mit Blick auf die Festsetzungen von Öltankern, die zur Schattenflotte gezählt werden, sagte der Vizeadmiral: «Es macht auch einen Unterschied, ob wir in der Ostsee vor der russischen Haustür ein Schiff festsetzen oder ob das weit weg im Ärmelkanal funktioniert.»

Graduell nehme die Aggressivität zu, sagte Deertz. «Wir haben aus dem Kalten Krieg Regeln, die wir von beiden Seiten nach wie vor beherzigen. Wir wissen, dass es ja nichts bringt, aufeinander zuzufahren, also halten wir Abstände voneinander.» Ziel sei es, Missverständnisse zu vermeiden. Es sei unredlich zu sagen, dass das Risiko eines militärischen Zwischenfalls bei Null liege. «Es muss sich jetzt keiner Sorgen machen, dass er morgen angegriffen wird. Aber wir müssen die Augen eben aufhalten.»

Schwerpunkt des Großmanövers war die Sicherung des freien Seeverkehrs in der Ostsee. Außerdem ging es nach Marineangaben um robuste Abschreckung. Die Ostsee gilt auch angesichts des andauernden russischen Angriffskrieges auf die Ukraine als strategisch wichtiges Meer. Russland ist als einziger der neun Ostseeanrainerstaaten kein Nato-Mitglied.

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