06. August 2026 – dpa

Sommerserie Menschen im Hafen

Auf der Jagd nach Zigaretten, teuren Taschen und Walsalami

Kieler Zöllner kontrollieren Kreuzfahrtpassagiere auf Zigaretten, Luxusartikel und sogar Walsalami. Welche Tricks und Ausreden ihnen dabei begegnen.

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Beamten kontrollieren einzelne Passagiere.

Als sich das große Kreuzfahrtschiff noch für das Anlegemanöver in Kieler Hafen in Position manövriert, sind Dennis Dieckmann und Martin Rosburg längst startbereit. Die beiden Zöllner stehen unentdeckt hinter dem Terminal am Ostseekai. Während für 2.500 Passagiere der «AIDAbella» an diesem Sommermorgen ihre Kreuzfahrt endet, beginnt für die beiden Kieler Zöllner erst die Arbeit. Aufmerksam verfolgen sie im Trubel der Abreise, wie Urlaubende ihre Koffer nehmen. «Letztendlich kann man den Schmuggler gar nicht erkennen, das ist unmöglich», sagt Rosburg.

Acht Beamte kontrollieren, ob Crew und Passagiere des aus Großbritannien kommenden Schiffes versuchen, Zollbeschränkungen zu unterlaufen und mehr als eine Stange Zigaretten, mehr als einen Liter Alkohol oder Neuwaren im Wert von mehr als 430 Euro im Gepäck haben. «Wir haben es nicht gewusst, uns wurde gesagt, wir dürften mehr mitbringen», das seien häufig gehörte Ausreden, sagt Rosburg. Der 53-Jährige und seine Kollegen sprechen jeder mindestens 20 Passagiere an. Meist geht es dabei freundlich zu, nur vereinzelt reagieren Menschen genervt.

2025 liefen 187 Kreuzfahrtschiffe den Kieler Hafen an. Dabei wurden 1,11 Millionen Passagiere abgefertigt. «Insbesondere bei allen Kreuzfahrtschiffen mit Drittlandsbezug führt der Zoll Kontrollen durch», sagt Zollsprecherin Gabriele Oder. Das sind alle Staaten, die nicht der EU angehören wie beispielsweise Norwegen. Meist geht es bei Kontrollen zu wie an diesem Morgen am Ostseekai. «Je nach Lage und Erkenntnissen können die Kontrollen aber auch deutlich umfangreicher ausfallen», sagt Oder.

Jeder Zöllner habe eine andere Taktik, sagt Rosburg. Freundlich weist er eine Familie mit Einkaufstaschen und Koffern auf den mobilen Röntgenscanner vor dem Gebäude hin und fragt, ob sie dennoch bei ihrer Aussage blieben, nichts anmelden zu müssen. Der Scanner ist technisch vergleichbar mit einem Gerät am Flughafen, der Beamte am Kontrollbildschirm kann mit dessen Hilfe zwischen der Kleidung Zigaretten, Alkohol oder auch schlimmere Dinge erkennen, auch Schicht für Schicht. Das Gerät ist so groß, dass auch eine Waschmaschine oder eine Couch durchpassten, wie ein Beamter erklärt.

Rosburg tritt freundlich an die Urlauber heran, er kontrolliert seit Jahren immer wieder Kreuzfahrtouristen. «Das Bauchgefühl muss passen», sagt der Norddeutsche. Er stelle taktische Fragen. «Wenn die Leute sich nicht eine komplette Legende aufgebaut haben, verhaspeln sie sich.» Auffällige Tüten mit Aufdrucken teurer Marken wie Rolex oder Louis Vuitton seien ein Anlass zur Kontrolle. Wer im Vuitton-Shop in Norwegen eine Tasche kaufe, liege schnell über der Reisefreimenge. Findet der Zöllner im Koffer noch die Rolex-Verpackung samt Rechnung, hilft es auch nicht, die Uhr bereits am Handgelenk zu tragen.

Kollege Dieckmann kontrolliert eine vierköpfige Familie. In ihren Koffern sind zwei Stangen Zigaretten zu viel. «Wir wollten nur jemandem einen Gefallen tun», sagt der Mann. Dann begleicht er die fälligen Einfuhrabgaben in Höhe von 38 Euro pro Stange. «Okay, das war Lehrgeld.» Der Zöllner stellt einen Zollbeleg aus. Es gebe aber auch Kontrolltage ohne Fund, sagt der 40-Jährige. «Man kann nicht immer Glück haben.»

Alles unter 250 Euro Eurofuhrabgaben rechnen die Zöllner vereinfacht ab. «Was darüber liegt, ist aber ein Strafverfahren. Das sieht dann ein bisschen anders aus», sagt Dieckmann. Oft haben es die Zöllner im Kieler Hafen auch mit Walfleisch zu tun. Im vergangenen Jahr stellte der Zoll in Kiel 33 Walsalamis sicher, ausschließlich bei Kontrollen an Kreuzfahrtschiffen oder Norwegen-Fähren.

Wale und deren Erzeugnisse sind in der Europäischen Union artenschutzrechtlich geschützt, ihre Einfuhr kann teuer werden, für 100 Gramm Walsalami werden 100 Euro Bußgeld fällig. Stellten Kollegen entsprechende Verstöße fest, werde die Ware sichergestellt, sagt Oder. Eingeleitete Verfahren gebe der Zoll an das Bundesamt für Naturschutz als zuständige Behörde ab.

Zöllnerinnen und Zöllner überließen in Kiel im vergangenen Jahr 123.990 Zigaretten den Reisenden. Exakt 42.767 Glimmstängel kassierten sie jedoch ein, wie Oder sagt. «Die dabei festgesetzten Einfuhrabgaben beliefen sich auf insgesamt 65.479,93 Euro, davon 28.813,32 Euro im Bereich der Pauschalversteuerung.» Der größte Teil entfalle auf nachversteuerte Zigaretten, ein Teil aber auf andere Waren, beispielsweise für hochwertige Einkäufe aus dem Duty-Free-Bereich.

Immer wieder greifen Zöllnerinnen und Zöllner auch unerlaubte Waffen wie Einhandklappmesser sowie Betäubungsmittel wie Cannabis oder auch kleinere Mengen Kokain auf. Diese Fälle fielen zahlenmäßig gegenüber den klassischen Reiseverkehrsdelikten auf Kreuzfahrtschiffen aber deutlich weniger ins Gewicht, sagt Oder.

Kontrollen gibt es in Kiel aber nicht nur an den Kreuzfahrt-Terminals. Vom Ostuferhafen beispielsweise startet die Litauen-Fähre mit dem Ziel Klaipeda. Hier machte Rosburg seinen bislang größten Erfolg: Zehn Millionen Zigaretten, transportiert per Lastwagen und gefunden bei einer Routinekontrolle. «Das war mal ein ehrlicher Aufgreifer», sagt der Beamte. Was er damit meint? Der Zoll hatte in dem Fall keinen Tipp bekommen, wie es gelegentlich vorkommt.

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