21. Juli 2026 – dpa
Erst steigt die Zahl der Drogentoten in Niedersachsen spürbar, dann geht sie leicht zurück. Eine Erklärung für das Phänomen gibt es nicht. Was beim Drogenkonsum als besonders gefährlich gilt.
In Niedersachsen sind im vergangenen Jahr 132 Menschen an den Folgen ihres Drogenkonsums gestorben. Ein Jahr zuvor waren es 133 Opfer, 2023 sogar noch 153, wie das Landeskriminalamt Niedersachsen anlässlich des Gedenktags für Drogentote (21. Juli) mitteilte.
Vor fünf Jahren starben noch deutlich weniger Drogensüchtige: 2021 gab es 86 Todesopfer. Nach Angaben des Landeskriminalamts lag die Zahl der Drogentoten in Niedersachsen bis 2021 etwa auf vergleichbarem Niveau, erst danach stiegen die Zahl deutlich an. Eine Erklärung für den signifikanten Anstieg gebe es nicht, auch nach Rücksprache mit den einzelnen Polizeibehörden, teilte das LKA Niedersachsen mit.
Bei den meisten drogenbedingten Todesfällen in Niedersachsen kam es zu einer sogenannten «polyvalenten Vergiftung», die Betroffenen konsumierten also mehr als eine Substanz.
«Mischkonsum ist hochgefährlich», sagte der Beauftragte der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen, Hendrik Streeck, Anfang Juli. «Vielen jungen Menschen ist dieses Risiko nicht bewusst. Sie konsumieren aus psychischer Belastung, aus Neugier oder Übermut und mischen Substanzen.» Bundesweit starben im vergangenen Jahr 2.150 Menschen an den Folgen von Drogen.
Laut LKA sind zunehmend Kokain, Crack und synthetische Drogen wie etwa Ecstasy oder neue sogenannte psychoaktive Substanzen gefragt. Die Behörde riet bei diesen Substanzen zu besonderer Vorsicht, weil häufig keine Informationen zu Herkunft, Reinheits- oder Wirkstoffgehalt und möglichen Streckmitteln vorlägen. Bundesweit habe sich die Zahl der Todesfälle nach dem Konsum von Kokain oder Crack seit 2021 auf 769 mehr als verdoppelt, sagte Streeck.
Beim Drogenschmuggel oder -handel in Niedersachsen spielten nach LKA-Angaben im vergangenen Jahr Cannabis, Kokain und Amphetamin die größte Rolle. Die Behörde räumte ein: «Es muss trotz einer Vielzahl von Ermittlungserfolgen mit großen Sicherstellungsmengen nach wie vor von einer hohen Drogenverfügbarkeit auch in Niedersachsen ausgegangen werden.» Erst im Februar wurden in Wilhelmshaven mehr als acht Tonnen Kokain mit geschätztem Straßenverkaufswert von rund 500 Millionen Euro sichergestellt.
Niedersachsen wird nach Angaben der Behörde als Transitland betrachtet. Die Drogen gelangten über verschiedenste Routen in das Bundesland - wichtig seien die Nordseeküste, die See- und Binnenhäfen, Autobahnen, das Schienennetz, der Flugverkehr sowie Post- oder Paketversand.
Streeck warnte: «Drogen, gefälschte Medikamente und hochriskante Mischungen sind heute oft nur wenige Klicks entfernt. Der Dealer an der Straßenecke ist längst nicht mehr das einzige Problem.»