22. Juli 2026 – dpa
Bei den Sommerlichen Musiktagen in Hitzacker wird viel gewagt und ausprobiert - aber fast alles dreht sich um Joseph Haydn. Wegen seiner Vielfalt nannte Mozart ihn liebevoll «Papa».
Das älteste Kammerfestival Deutschlands geht ins neunte Jahrzehnt. Mit dem Schwerpunkt auf dem österreichischen Komponisten Joseph Haydn (1732 – 1809) soll bei den 81. Sommerlichen Musiktagen Hitzacker von Samstag an neun Tage lang viel gewagt werden. In 23 Konzerten dreht sich alles um das Werk des Künstlers.
«Er hat eine neue Sprache erfunden, er hatte aus meiner Sicht keine Vorbilder», sagt Festival-Intendant und Geiger Oliver Wille, der zusammen mit dem italienischen Cellisten Giovanni Sollima zur Eröffnung am Samstag (16.04 Uhr) im Verdo-Konzertsaal spielt. Angekündigt ist ein Repertoire von traditioneller Musik verschiedener Kulturen über Haydn bis hin zu Jimi Hendrix und eigenen Werken.
«Für uns bedeutet es eine Herausforderung, es ist nicht so leicht, Haydn zu spielen», so Wille. Musikschaffende wie Franz Schubert, Wolfgang Amadeus Mozart und Johannes Brahms hätten sich an Haydn orientiert. Mozart habe ihn liebevoll «Papa» genannt, wegen seiner Vielfalt.
Am 28. Juli um 11.11 Uhr liest die Schauspielerin Katharina Thalbach aus Haydns Briefen, in denen er seine Zeit in London beschreibt und sich auch dem Thema Frauen widmet. Begleitet wird sie von der armenischen Komponistin Marianna Shirinyan. Ein Highlight soll «Haydn jazzt» am 31. Juli (17.05) mit Till Brönner an der Trompete und Frank Chastenier am Klavier werden.
Neben bewährten Formaten werden erstmals zwei Debüt-Marathons (26. Juli und 1. August) veranstaltet, um junge Talente zu entdecken. Beim Abschlusskonzert am 2. August (11.11 Uhr) um das Kuss Quartett von Wille treten Hamburger Balletttänzer auf.
Das Gesamtbudget der neuntägigen Veranstaltung liegt bei rund 443.000 Euro. 18 Prozent kommen aus öffentlichen Töpfen wie dem Land Niedersachsen, 32 Prozent von Stiftungen und Sponsoren, der Rest über Kartenerlöse.
Bei inflationsbedingt steigenden Preisen und nicht zuletzt auch dadurch stagnierenden Konzertbesuchen nehme der Bedarf an Fördermitteln stetig zu, heißt es von den Organisatoren um Gerrit Glaner, Vorstandsvorsitzender des Festival-Trägervereins. Eine Herabsetzung der künstlerischen Qualität komme keinesfalls infrage.
Viele Künstler kommen auch bei geringen Gagen in das Elbestädtchen im Landkreis Lüchow-Dannenberg. Die Ticketpreise liegen zwischen 21 und 54 Euro. Erstmals gibt es ein Kontingent an Sozialtickets. Gemäß dem Motto der Festivalgründer «Keiner bleibt draußen» können Besucher so viel zahlen, wie sie können. 2025 wurden insgesamt fast 8.600 Tickets verkauft, angestrebt werden dieses Jahr 10.000.