20. September 2026 – dpa
Die AfD holt die meisten Stimmen bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern, für eine Alleinregierung reicht es aber nicht. Für die CDU endet der Wahltag in einem Debakel.
Die AfD hat mit 38,2 Prozent der Stimmen die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern gewonnen. Das teilte die Landeswahlleitung mit. Auf Platz zwei folgt die SPD mit 35,5 Prozent. Zudem ziehen die Linke (6,5 Prozent) und die Grünen (5,7 Prozent) in den Landtag ein. Die CDU (4,9 Prozent) sowie das BSW (4,8 Prozent) scheitern knapp. Für die CDU war es das schlechteste Abschneiden der Partei bei einer Landtagswahl in der Geschichte der Bundesrepublik.
Die AfD kommt demnach im neuen Parlament auf 32 Sitze, die SPD auf 29, die Linke wie die Grünen auf je 5 Sitze. Für die Neuauflage der rot-roten Koalition reicht es nicht mehr. Am wahrscheinlichsten ist nun die Bildung einer rot-rot-grünen Koalition. Die Grünen erklärten auch bereits ihre Bereitschaft, sich an einer solchen Regierung zu beteiligen. Die AfD findet keine Partner für eine Regierung - und muss als stärkste Kraft wohl in die Opposition.
Die AfD wäre bei Rot-Rot-Grün die einzige Oppositionspartei im Landtag. Gegenüber der Wahl von vor fünf Jahren konnte die Partei ihr Ergebnis mehr als verdoppelt, damals kam sie auf 16,7 Prozent.
Der Kandidat der AfD für das Amt des Ministerpräsidenten, Leif-Erik Holm, leitete daraus einen Regierungsauftrag für seine Partei ab. Er werde mit den anderen Parteien über die Möglichkeit einer Zusammenarbeit sprechen. Allerdings haben bis auf das BSW bisher alle anderen politischen Kräfte eine Kooperation mit der AfD ausgeschlossen - und das BSW schaffte es am Ende nicht ins Parlament.
Die SPD erlitt leichte Verluste (2021: 39,6 Prozent). Angesichts des Bundestrends zeigte sich die Partei mit dem Ergebnis dennoch zufrieden. «Was für eine Aufholjagd», sagte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig kurz nach Bekanntwerden der ersten Prognosen.
In Umfragen vor der Wahl hatte die SPD lange deutlich unter 30 Prozent gelegen. Die SPD gewann 14 der 36 Wahlkreise. Die Sozialdemokraten punkteten bei den Wählern vor allem in städtischen Gebieten, die AfD in ländlichen.
Die Aufholjagd der SPD ging aber vor allem auf Kosten der kleineren Parteien, allen voran der Union. Erstmals wird die CDU nicht in einem Parlament eines Bundeslands vertreten sein. Empfanden die einst in Schwerin regierenden Christdemokraten schon das Ergebnis von 2021 (13,3 Prozent) als Niederlage, so holten sie diesmal nicht einmal die Hälfte der Anteile und schnitten so schlecht ab wie nie zuvor bei einer Landtagswahl in der Bundesrepublik.
Der Wahlkampf war zuletzt stark polarisiert auf die alleinige Frage, wer gewinnt: SPD oder AfD. Die Rechtsaußenpartei warb auf Plakaten mit Holm als Ministerpräsident - die SPD mit Schwesig als «Die Frau gegen Blau». Zudem belastete der bei vielen unbeliebte Reformkurs der Bundesregierung den Wahlkampf. Schwesig begegnete dem mit scharfer Distanzierung von der Berliner Koalition, der ihre eigene Partei mit angehört.
In Berlin tagen heute die Gremien der Bundesparteien mit den Spitzenkandidaten, um den Wahlausgang zu analysieren. Am Abend kommen die Spitzengremien der Landesparteien zusammen, um über das weitere Vorgehen zu beraten.
Für die Regierungsbildung in Schwerin bleibt nicht viel Zeit. Der neue Landtag muss laut Landesverfassung spätestens am 17. November mit der Mehrheit aller Abgeordneten einen Regierungschef wählen. Gelingt das nicht, kann eine Mehrheit der Abgeordneten bis 1. Dezember die Auflösung des Landtags beschließen und damit eine Neuwahl herbeiführen - oder es wird noch am selben Tag ein Regierungschef mit einfacher Mehrheit gewählt.