Nach Rücktritt
Union entscheidet nächste Woche über Spahn-Nachfolge
Der Kanzler hatte angekündigt, dass die Nachfolge Spahns an der Spitze der Unionsfraktion schnell geklärt werden soll. Jetzt gibt es einen Termin. Die Personalspekulationen laufen auf Hochtouren.

Thorsten Frei, 52, Chef des Bundeskanzleramts (CDU): Er wird in der Union und in den Medien als Top-Favorit genannt. Der Badener war in der vergangenen Legislaturperiode Parlamentarischer Geschäftsführer unter dem damaligen Fraktionschef und Oppositionsführer Merz und könnte damit sofort durchstarten. Er war schon nach der Bundestagswahl als Fraktionschef im Gespräch. Merz holte seinen Vertrauten aber ins Kanzleramt und setzte in der Fraktion auf den unbequemeren Spahn. Dass Frei nun an die alte Wirkungsstätte zurückkehrt, ist aber nicht sicher. Merz machte am Sonntag im ZDF-Sommerinterview eine schnippische Bemerkung auf die Frage nach dem angeblichen «Top-Kandidaten»: Er fragte, wer Frei dazu gemacht habe, und sagte: «Das höre ich jetzt von Ihnen zum ersten Mal.» Frei selbst machte am Nachmittag einen eher zerknirschten Eindruck, als er die CDU-Zentrale wortlos verließ. Carsten Linnemann, 48, CDU-Generalsekretär: In der CDU-Zentrale konnte er sich im Schatten von Parteichef Merz noch nicht so richtig entfalten. Die Fraktionsführung könnte für ihn eine neue Chance bedeuten. Die Frage ist aber, ob Merz ihm das zutraut. Ihm werden deshalb eher Außenseiterchancen eingeräumt. Alexander Dobrindt, 56, Bundesinnenminister (CSU): Es wäre eine Novum, wenn ein CSU-Mann an die Fraktionsspitze aufrückt und für viele CDUler schwer vorstellbar. Dobrindt gilt allerdings als erfolgreichstes Kabinettsmitglied und als Stabilitätsanker, was das Gesamtgefüge der Koalition angeht. Die Strippen kann er aber auch aus dem Innenministerium ziehen. Fazit: unwahrscheinlich. Günter Krings, 56, stellvertretender Vorsitzender der Bundestagsfraktion (CDU): Von den Fraktionsvizes ist Günter Krings der einzige, der in den Personalspekulationen eine Rolle spielt. Er sitzt seit 24 Jahren im Bundestag und führt die mächtige Landesgruppe Nordrhein-Westfalen an. Im vergangenen Jahr hatte Merz vergeblich versucht, ihn als Vorsitzenden der Konrad-Adenauer-Stiftung zu installieren. Jetzt könnte Krings eine neue Chance bekommen. Er gilt auch als wahrscheinlichster Nachfolger Freis im Kanzleramt, wenn der in die Fraktion wechselt. Nina Warken, 47, Bundesgesundheitsministerin (CDU): Mit einem Satz im ZDF-Sommerinterview hat Merz Spekulationen angeheizt, es könnte eine Frau werden. Er wies auf die Frauen in Führungspositionen wie Bundestagspräsidentin Julia Klöckner hin und sagte dann. «Ich tue alles, um das noch besser zu machen.» Ob das wirklich ein konkreter Hinweis war oder nur so gesagt, ist aber unklar. Warken ist jedenfalls als einzige Frau im Gespräch - die wichtige Pflegereform steht aber noch bevor, und die Ministerin wäre schwer aus dem Reformprozess herauszulösen.


