08. November 2026 – dpa
Ein Mann soll im April bei Siegburg in einem Zug Sprengkörper geworfen und zehn Passagiere verletzt haben. Zwei Männer verhinderten damals, dass Schlimmeres passiert. Das Motiv des Täters? Unklar.
Was hätte im schlimmsten Fall passieren können? Diese Frage wird sich wohl auch das Landgericht Aachen stellen, wenn dort am Dienstag der Prozess gegen einen 20-Jährigen beginnt, der im April bei Siegburg in einem ICE Sprengkörper geworfen und einen Messerangriff auf Fahrgäste geplant haben soll. Dem jungen Mann wird versuchter Mord vorgeworfen.
Es müssen dramatische Szenen gewesen sein, die die Fahrgäste am 2. April bei Siegburg bei Bonn erleben mussten - und auch für die Öffentlichkeit war es ein Schock. Der Angeklagte soll in dem ICE mit rund 180 Fahrgästen an Bord mit einer Sturmhaube maskiert zwei Sprengsätze, sogenannte Softair-Granaten, gezündet haben.
Zehn Menschen wurden durch umherfliegende Plastikkugeln leicht verletzt, mindestens eine Person kam mit einem Knalltrauma ins Krankenhaus, andere hatten Passagiere oberflächliche Hautverletzungen. Die meisten der rund 180 Fahrgäste kamen aber mit dem Schrecken davon. Doch es hätte wohl noch viel schlimmer kommen können.
Der deutsche Staatsbürger aus Aachen soll auf der Zugtoilette einen Rucksack, einen Helm und ein Messer deponiert haben, um mehrere Menschen zu erstechen. Unmittelbar vor der Tat schickte der Mann ein umfangreiches Manifest an mehrere Medienhäuser, wie die Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf nach dem Anschlag mitteilte. Darin habe er einen Messeranschlag angekündigt und seine Absicht kundgetan, Menschen zu töten. Eine besonders grausige Vorstellung, auch weil es in einem ICE mit engen Gängen kaum Fluchtoptionen gibt.
Nach Überzeugung der Generalstaatsanwaltschaft hätten die Softair-Granaten als Ablenkung dienen sollen, um eine frühzeitige Entdeckung des geplanten Messerangriffs zu verhindern.
Der Plan ging jedoch gehörig daneben: Als sich der mutmaßliche Täter nach der Explosion der Granaten in die Zugtoilette begab, gelang es einem Bahnmitarbeiter mit einem Fahrgast, den Mann bis zum Eintreffen der Bundespolizei dort einzusperren. Die Beamten konnten den 20-Jährigen am Bahnhof in Siegburg schließlich festnehmen und räumten umgehend den gesamten Zug sowie einen Teil des Bahnhofs.
Die Passagiere wurden in einer nahegelegenen Turnhalle von der Siegburger Feuerwehr versorgt. Notfallseelsorger standen zur Betreuung bereit. Währenddessen durchsuchte die Bundespolizei den Zug und auch die Spurensicherung war am Tatort, bevor Entwarnung gegeben werden konnte.
Der 20-Jährige befindet sich in Untersuchungshaft. Zum Motiv ist bislang nichts bekannt. Die Ermittler hatten zunächst Hinweise auf eine politisch motivierte Tat und ordneten den jungen Mann dem rechten Spektrum zu. Der Verdacht einer politisch motivierten Tat bestätigte sich im Rahmen der Ermittlungen jedoch nicht, wie die Generalstaatsanwaltschaft mitteilte.
«Wir haben unterschiedliche Dokumente zu unterschiedlichen Ideologien bei ihm gefunden», hatte eine Sprecherin der Generalstaatsanwaltschaft nach dem Anschlag gesagt. Laut einem psychiatrischen Gutachten ist der junge Mann aus Aachen voll schuldfähig.
Der Beschuldigte sei bereits zuvor strafrechtlich in Erscheinung getreten, sagte die Staatsanwältin. «Hierbei spielten unterschiedliche Delikte eine Rolle.» Seine Wohnung sei durchsucht worden. Die Ermittler hätten mehrere Gegenstände sichergestellt, darunter das Handy des Verdächtigen.
Bei einer Verurteilung drohen dem Angeklagten bis zu 15 Jahre Haft. Das Landgericht will nach Angaben einer Sprecherin auch den Vorbehalt der Sicherungsverwahrung prüfen.
Ein Verteidiger des Angeklagten wollte sich vor dem Prozess auf Anfrage nicht äußern. Das Landgericht hat acht Verhandlungstage bis Mitte Dezember angesetzt.