28. Oktober 2026 – dpa

Nach Wahl von AfD-Politiker

CDU Sachsen-Anhalt: Streit um eidesstattliche Versicherung

Seit der Wahl eines AfD-Politikers zum Landtagspräsidenten in Magdeburg steht der Verdacht im Raum, Stimmen könnten aus der CDU gekommen sein. Wie die Fraktion damit umgeht.

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Wie isoliert ist Sachsen-Anhalts geschäftsführender Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) in der eigenen Partei? (Archivfoto)

Die Debatte über den Umgang mit der AfD reißt immer tiefere Gräben in der CDU-Landtagsfraktion in Sachsen-Anhalt auf. Aktueller Streitpunkt ist eine eidesstattliche Versicherung, die CDU-Abgeordnete nach der Wahl des AfD-Politikers Tobias Rausch zum Landtagspräsidenten unterschreiben sollten, wie mehrere CDU-Parlamentarier der Deutschen Presse-Agentur bestätigten. Darin sollten sie unter anderem erklären, weder Rausch zum Landtagspräsidenten noch den AfD-Politiker Hans-Thomas Tillschneider zum Vizepräsidenten des Landtags gewählt zu haben. Zuerst hatte das Nachrichtenportal «Nius» berichtet.

Die beiden AfD-Politiker wurden Anfang Oktober mit mehr Stimmen gewählt, als die AfD Sitze im neuen Landtag von Sachsen-Anhalt hat. Seitdem wird darüber diskutiert, ob diese Stimmen möglicherweise aus der CDU gekommen sein könnten. Die Fraktion wies dies stets zurück. Tobias Rausch ist der erste AfD-Landtagspräsident in Deutschland.

Sachsen-Anhalts CDU-Fraktions- und Parteichef Sven Schulze wies Vorwürfe zurück, selbst die eidesstattliche Versicherung vorgelegt zu haben. Weder er noch der geschäftsführende Fraktionsvorstand hätten dies getan, sagte Schulze der Deutschen Presse-Agentur. «Der Vorschlag wurde aus der Fraktion heraus in die Fraktionssitzung eingebracht, diskutiert und verworfen.» Auch Teilnehmer der Sitzung bestätigten der dpa, dass der Vorschlag von einem Mitglied der CDU-Fraktion kam.

Dennoch gibt es scharfe Kritik am geschäftsführenden Ministerpräsidenten Schulze - auch aus den eigenen Reihen. Der frühere CDU-Landtagsabgeordnete Alexander Räuscher sagte der «Welt», sollte es zutreffen, dass Schulze die Erklärung vorgelegt habe, wäre das ein Grund für einen Rücktritt. Das trete die Rechte der Abgeordneten mit Füßen. «Wir brauchen einen personellen Neuanfang an der Spitze, damit wir den Kopf freibekommen, um wieder voll handlungsfähig zu werden», so Räuscher.

Auch die neu in den Landtag eingezogene BSW-Fraktion forderte Schulze auf, von all seinen Ämtern zurückzutreten. «Er ist für unser Land nicht mehr tragbar», sagte BSW-Fraktionschef Thomas Schulze. «Mit seinem Verhalten trägt er dazu bei, Demokratie und Verfassung auszuhöhlen und die Bürgerinnen und Bürger weiter zu frustrieren.»

Bei der Landtagswahl im September hatte die CDU deutlich an Stimmen verloren. Die AfD holte mit 43,8 Prozent mit Abstand die meisten Stimmen, verfehlte aber eine absolute Mehrheit und ist daher etwa für Personalfragen und Gesetzesinitiativen auf die Unterstützung weiterer Fraktionen angewiesen, wenn sie regieren will.

Im Dezember will die AFD ihren Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund zum ersten AfD-Ministerpräsidenten wählen lassen. Im ersten und zweiten Wahlgang braucht er die absolute Mehrheit von 42 Stimmen. Die AfD hat 39 Abgeordnete, das BSW will sich enthalten. Siegmund wäre also auf mindestens drei Stimmen aus anderen Fraktionen angewiesen.

Die CDU-Fraktion hatte sich darauf verständigt, bei den ersten beiden Wahlgängen den Saal zu verlassen. Der Abgeordnete Guido Heuer kündigte jedoch an, an der Wahl teilzunehmen. Auch innerhalb der Partei gibt es Kritik an dem Vorhaben. Der frühere Innenminister Holger Stahlknecht sagte der «Welt», es entspreche nicht seinem Staatsverständnis, sich in solchen Situationen jedes Mal einer Wahl zu entziehen.

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