14. Oktober 2026 – dpa
Moskau zielt weiter auf die ukrainische Energieversorgung. Hunderttausende sind ohne Strom und zum Satelliteninternetsystem Starlink werden Vorwürfe laut. Aber auch in Russland haben Angriffe Folgen.
Russland hat ungeachtet einer jüngst von US-Präsident Donald Trump verkündeten Waffenruhe für Angriffe auf Energieanlagen weiter die Energieinfrastruktur der Ukraine attackiert. Alle drei städtischen Heizkraftwerke der Hauptstadt seien angegriffen worden, schrieb Ministerpräsident Serhij Korezkyj bei Telegram. Dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zufolge sind nach den massiven Angriffen mindestens 600.000 Menschen ohne Strom. Zudem wirft Selenskyjs Umfeld dem Betreiber des US-Satelliteninternetsystems Starlink vor, die für die Armee wichtigen Dienste zu drosseln.
Russland habe 39 ballistische Raketen und mehr als 102 Drohnen gegen die ukrainische Energieversorgung und kritische Infrastruktur eingesetzt, schrieb der Staatschef in sozialen Medien. Es gebe erhebliche Schäden an 26 Einrichtungen im Bereich der Stromversorgung und vier Objekten im Öl- und Gasbereich.
Das Verteidigungsministerium in Moskau bestätigte am Morgen Angriffe auf Kommunikations- und Energieinfrastruktur in der Hauptstadt Kiew und ihrem Umland sowie der Region Charkiw. Sie würden dem Rüstungssektor und den ukrainischen Streitkräften dienen, hieß es zur Begründung. In der Mitteilung werden explizit Heizkraftwerke genannt.
Selenskyj warf Moskau vor, der Aufforderung von US-Präsident Trump zu einer Waffenruhe für Angriffe auf Energieanlagen nicht zu folgen. Er sprach von einem bewussten Angriff in bezeichnendem Ausmaß. «So eine demonstrative Missachtung Russlands gegenüber Amerika gab es noch nicht», sagte Selenskyj. Er rief Trump zu harten Sanktionen gegen Russland auf und bat um zusätzliche Abwehrsysteme vom Typ Patriot, die als wirksam gegen ballistische Raketen gelten und an denen es der Ukraine mangelt.
Der Polizei zufolge stieg die Zahl der Todesopfer in der Hauptstadt Kiew auf fünf Personen. Zwei weitere Menschen kamen nach Behördenangaben bei Attacken am Abend und in der Nacht im Gebiet Dnipropetrowsk ums Leben.
Selenskyjs Umfeld warf dem Betreiber des US-Satelliteninternetsystems Starlink vor, die für die Armee wichtigen Dienste zu drosseln. «Aktuell betreffen die Einschränkungen das "Militärpaket" der Dienste von StarShield; sie wurden auf eine Geschwindigkeit von 100 Meilen (160 Kilometer) pro Stunde begrenzt», teilte Präsidentenberater Serhij Beskrestnow auf sozialen Netzwerken mit.
Die Betreiberfirma SpaceX von Techmilliardär Elon Musk habe das ukrainische Militär nicht über die Drosselung informiert. «Das hat zum Scheitern von einigen Missionen geführt», schrieb Beskrestnow. Er führte das Limit auf die «aktuelle politische Situation» zurück. Zuvor hatte bereits der Ex-Berater im Verteidigungsministerium, Serhij Sternenko, auf die Einschränkungen hingewiesen. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es zunächst nicht.
Das ukrainische Militär nutzt das Satelliteninternet unter anderem, um Drohnen bei ihrem Zielanflug fernzusteuern. Diese fliegen in der Regel schneller als 160 Kilometer pro Stunde. Bei gedrosselter Geschwindigkeit der Satellitenverbindung könnte die Verbindung zur Drohne ausfallen.
Selenskyj hatte zuletzt darauf gedrungen, den Einsatz von Starlink-Verbindungen für die ukrainische Armee über russischem Territorium freizugeben. Bisher sind die Internetdienste von Starlink nur über ukrainischem Gebiet freigeschaltet.
Das Verhältnis zwischen den USA und der Ukraine ist derzeit angespannt. Medienberichten zufolge hatte Washington zuletzt auch angedroht, die Weitergabe von militärischen Aufklärungsdaten zu stoppen, falls Kiew nicht kompromissbereiter werde. Selenskyj hat den USA am Dienstag mehrfach vorgeworfen, Kiew nicht rechtzeitig vor russischen ballistischen Raketenangriffen zu warnen.
Musk hatte sich am Samstag als Reaktion auf eine Äußerung Trumps zu ukrainischen Gegenangriffen auf russische Raffinerien hinter den US-Präsidenten gestellt. Er schrieb auf der Plattform X, Selenskyj sei zu weit gegangen.
Zuvor hatte Kiew ein Dieselabkommen zwischen den USA und Russland kritisiert. Auch Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni bezeichnete das Abkommen am Mittwoch als «sehr riskante Entscheidung». Der starke Anstieg der Kraftstoffpreise sei vor allem auf den Iran-Krieg zurückzuführen, nicht auf den Ukraine-Krieg, sagte die rechte Politikerin im Parlament in Rom. «Daher ist der Nutzen dieser Entscheidung fraglich.» Sie laufe vielmehr den Bemühungen zuwider, den russischen Präsidenten Wladimir Putin zu Verhandlungen mit der Ukraine zu bewegen.
Auch im Nachbarland Polen verfolgt die Regierung die Entwicklung mit Sorge und Verärgerung. «Hey, Elon Musk, großer Mann, spielst du mal wieder Politik mit deinen Produkten?» schrieb Außenminister Radoslaw Sikorski auf X. «Als deine europäischen Kunden haben wir dich im Blick.»
Auch in Russland hatten ukrainische Gegenangriffe Auswirkungen. Das Verteidigungsministerium teilte am Morgen mit, 902 ukrainische Drohnen abgewehrt zu haben. Der Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin schrieb von 180 Drohnen, die im Anflug auf Moskau abgeschossen worden seien. Insgesamt seien 493 Drohnen in Richtung der Region geflogen. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig prüfen, lassen aber Rückschlüsse auf die Intensität der Gegenangriffe zu.
An mehreren Flughäfen im Land gab es Einschränkungen, meldeten russische Agenturen und beriefen sich auf Angaben der Luftfahrtbehörde Rosawiazija. Betroffen waren auch die vier Hauptstadtflughäfen. Vor allem an den Moskauer Airports gibt es seit Tagen Probleme, Flugzeuge auf dem Weg dorthin kehren um oder landen andernorts, und Passagiere sitzen zeitweise fest.
In der Stadt Balakowo sei ein Mensch bei einem ukrainischen Drohnenangriff getötet worden, schrieb der Gouverneur der Region Saratow, Roman Bussargin, bei Telegram. Mehrere Wohnhäuser seien demnach beschädigt worden. Ziel war einer Bestätigung der Sberbank der Nachrichtenagentur Interfax zufolge ein Datenverarbeitungszentrum des größten Geldhauses Russlands. Alle Systeme würden normal funktionieren.