14. August 2026 – dpa
Die Obduktion des Meeressäugers ist nichts für empfindsame Nasen. Die Forscher haben aber erste Erkenntnisse.
Der tote, in der Ostsee vor Rügen gefundene Buckelwal weist keine äußeren Verletzungen durch Schiffsschrauben oder Netze auf, war aber in einem schlechten Ernährungszustand. Das sind die ersten Ergebnisse der am Mittag begonnenen Obduktion des Meeressäugers, wie eine Sprecherin des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund der Deutschen Presse-Agentur sagte.
Die Vermessung des Kadavers ergab demnach zehn Meter Länge, auf die Waage brachte er sieben Tonnen. Ob es ein Weibchen oder Männchen war, habe bislang nicht festgestellt werden können, ebenso wenig das Alter des Tiers.
Zur Todesursache oder zu eventuellen Krankheiten konnte die Sprecherin ebenfalls zunächst nichts sagen. Dafür sei es zu früh. Die Obduktion sollte bis zum Sonnenuntergang andauern, Restarbeiten sollen am Samstag erfolgen. Unter anderem sollten die Organe herausgeholt und Proben für Laboruntersuchungen genommen werden. Weitere Erkenntnisse will das Meeresmuseum der Sprecherin zufolge Anfang kommender Woche bekanntgeben.
Die Obduktion fand bei 30 Grad im Freien statt - Schatten gab es für die rund 15 beteiligten Wissenschaftler nicht, so die Sprecherin weiter. «Sie müssen immer wieder Pausen einlegen.» Über allem lag nach ihren Worten ein süßlich-muffiger Verwesungsgeruch. Als die ballonartig aufgeblähte Zunge des Meeressäugers angestochen wurde und die dort angesammelten Fäulnisgase entwichen, schreckten demnach selbst Hartgesottene zurück.
Offen ist bislang auch, ob es sich bei dem Buckelwal um das Tier handelt, das in den vergangenen Wochen immer wieder in der Nähe der Ostseeküste gesehen worden war - zuerst vor Kiel, dann immer weiter östlich: im Hafenbecken von Wismar, vor dem Ostseebad Wustrow und zuletzt am vergangenen Samstag in der Nähe des polnischen Badeortes Międzyzdroje. «Dafür müssen wir in Ruhe die Fotos von den Sichtungen auswerten und mit Merkmalen dieses Tiers hier vergleichen», sagte die Museumssprecherin. Auch Zeichen auf der Schwanzflosse - der Fluke - könnten verglichen werden, falls das Tier in einer Datenbank erfasst worden sei. Das Meeresmuseum werde Anfang kommender Woche seine Erkenntnisse bekanntgeben.
Bisher verirrten sich Buckelwale höchst selten in die Ostsee. Das salzarme Randmeer zählt nicht zum natürlichen Lebensraum der großen Meeressäuger. Doch nach dem internationalen Verbot des kommerziellen Walfangs 1986 haben sich die Bestände im Atlantik erholt.
Der Direktor des Meeresmuseums, Burkard Baschek, sagte im Sender News 5 live, wenn man sich die Statistiken der Walfunde der letzten drei Jahrhunderte in der Ostsee anschaue, gebe es eine 150 Jahre lange Pause. Dies sei eindeutig auf die zurückgegangenen Bestände durch den Walfang zurückzuführen.
Der tote Wal aus dem Greifswalder Bodden ist bereits der zweite Buckelwal in Mecklenburg-Vorpommerns Küstengewässern in diesem Jahr. Im Frühjahr war vor der Insel Poel nahe Wismar in Mecklenburg-Vorpommern ein zwölf Meter langer Buckelwal gestrandet. Das von vielen Menschen Timmy genannte Tier wurde in einer umstrittenen, aufwendigen Aktion in die Nordsee transportiert, wenige Tage später jedoch tot vor der dänischen Insel Anholt angespült.
Der Buckelwal vom Greifswalder Bodden war, auf dem Rücken im Wasser treibend, am Donnerstagmorgen unweit der Südspitze Rügens gefunden worden. Zu dem Zeitpunkt sei das Tier einige Stunden tot gewesen, sagte die Museumssprecherin. Es habe begonnen abzusinken. Nach dem Tod würden Wale relativ schnell auf den Meeresgrund sinken. In der Sonne und Wärme habe sich das Tier bereits aufgebläht, was durch Verwesungsgase hervorgerufen wird.