29. September 2026 – dpa
Tausende kommerziell genutzte Wiesn-Videos von Frauen, denen im «Teufelsrad» unters Dirndl gefilmt wurde, sollen im Netz kursieren. Die Betreiber kämpfen dagegen mit Radlerhosen und Warnschildern.
Upskirting auf der Wiesn - ein internationales Geschäft? Medienberichten zufolge werden Tausende voyeuristische Videos von dem Traditionsfahrgeschäft Teufelsrad produziert, im Internet verbreitet und verkauft. Auf der drehenden Scheibe fliegen fast unvermeidlich Dirndl-Röcke hoch - wer dann allerdings gezielt unter den Rock filmt, macht sich strafbar.
Die Videos zeigen den Berichten zufolge Frauen auf dem Teufelsrad, bei denen immer wieder Unterwäsche zu sehen ist. Die «Süddeutsche Zeitung» hatte kurz vor dem Wiesn-Start berichtet, dass mindestens 32.000 solcher Clips im Internet kursierten.
Nach Recherchen des Bayerischen Rundfunks sollen hinter vielen voyeuristischen Teufelsrad-Videos Akteure aus Bayern wie auch aus dem Ausland stecken. Sie verkaufen demnach die Videos teuer oder verwenden sie gezielt, um die Reichweiten von Social-Media-Accounts zu vergrößern.
Die erfolgreichsten, mittlerweile gelöschten Teufelsrad-Videos dieser Accounts hätten zusammen mehrere hundert Millionen Aufrufe, berichtet der BR. Eine Bestätigung der Ermittler gab es hierfür bisher nicht.
Die Betreiber kämpfen mit diversen Mitteln gegen diese Praktiken. Schilder warnen auf Deutsch und Englisch: Upskirting sei eine Straftat und werde zur Anzeige gebracht. An Besucherinnen werden kostenlos Radlerhosen verschenkt. Hunderte der Hosen sind es geschätzt seit dem vergangenen Jahr gewesen.
Es kämen ständig neue Lieferungen. Manche wollten die Hosen zurückgeben, aber man habe keine Möglichkeit, sie zu waschen, sagt der Ehemann einer Betreiberin, Jan Polaczy. «Ich verurteile das, das ist Schweinerei», sagt er über das Upskirting. Aber: «Ich kann ja nicht jedem das Handy abnehmen.»
An die 400 Menschen passen in die Arena des Teufelsrades - es herrscht ständiger Wechsel. Man könne auch nicht Aufnahmen auf privaten Handys kontrollieren. Und: «Ich kann dem Großvater nicht erklären, dass er seine Enkelin nicht fotografiert.»
Zweimal habe man bei der Staatsanwaltschaft Anzeige erstattet, die Verfahren seien aber eingestellt worden. «Wir wollen nur eine friedliche Wiesn. Das ist unser Geschäft.» Das mache man gerne - aber diese neue Entwicklung mache keine Freude.
Vor dem Wiesnstart war das Traditionsgeschäft wegen seiner angeblich zu freizügigen Frauenfiguren über dem Eingang ins Visier geraten - obwohl es weitere Schausteller-Geschäfte gibt, die ähnliche Darstellungen zeigen. Die «Teufelsrad»-Betreiber hatten nach Hinweisen der städtischen Gleichstellungsstelle die Damen neu gestaltet. Eine Figur, die vorher mit Bikini und Blütenkranz bekleidet war, trägt nun Kleid und Schuhe.