29. Juli 2026 – dpa

Wetter

O sole mio: Wie trotzen südeuropäische Städte der Hitze?

40 Grad in Berlin und Paris? Was in Athen und Rom nicht außergewöhnlich scheint, macht den Mittel- und Nordeuropäern schwer zu schaffen. Ein Blick in den Süden zeigt mögliche Hilfsmaßnahmen auf.

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Am Kolosseum gibt es durch Sprühnebel Abkühlung. (Archivbild)

Die Hitze flimmert über dem Asphalt, die Straßen sind menschenleer, die Luft steht. Bei über 40 Grad im August in Athen verstecken sich die Bewohner mit Klimaanlage hinter geschlossenen Rollläden. Hitzewellen sind in den Metropolen Südeuropas keine Seltenheit - nun aber klettert das Thermometer auch viel weiter nördlich auf solche Temperaturen. Was können wir für die Zukunft von den südlichen Großstädten lernen?

In ROM bewegen sich die Temperaturen seit Wochen um die 35 Grad. Bis zum Strand in Ostia fährt man eine Stunde. Das Ticket für die Vorortbahn ist billig: 1,50 Euro. Allerdings ist man nach 13 Stationen im Trenino völlig verschwitzt. In der Stadt selbst gibt es verhältnismäßig wenig Freibäder. Im Tiber badet vernünftigerweise niemand. Im weltberühmten Trevi- und anderen Brunnen ist es verboten. Am Kolosseum, einer anderen Anlaufstelle für Touristen, gibt es zumindest Abkühlung durch Sprühnebel.

Kaltes Wasser bekommt man im Stadtgebiet aus den mehr als 2.000 Nasoni, den gusseisernen Trinkwasserbrunnen mit den gebogenen Hähnen. Angesichts der derzeitigen Hitze stecken viele auch den Kopf darunter. Die Nasoni gibt es schon seit anderthalb Jahrhunderten. Neuer sind die großen Apparate auf vielen Plätzen, aus denen man stilles und sprudelndes Wasser ziehen kann. Mit einer App lassen sich ihre Standorte ermitteln.

Auch wenn es Besuchern besonders heiß vorkommt: An Sommerhitze sind die Römer seit Jahrtausenden gewöhnt. Viele flüchten im August deshalb in die Berge oder ans Meer. Wer bleibt, geht so wenig wie möglich zu Fuß. Und wenn doch, bewegt man sich möglichst frühmorgens oder spätabends.

Das wäre auch ein Tipp für Besucher: Im August haben Sehenswürdigkeiten wie das Kolosseum oder das Pantheon bis kurz vor Mitternacht geöffnet. Der Trevi-Brunnen, der tagsüber zwei Euro kostet, ist nach 22.00 Uhr wieder kostenlos. Das Baden bleibt aber auch dann verboten.

In griechischen Großstädten wie ATHEN sind mehrtägige Hitzewellen von über 42 Grad durchaus üblich. Die Menschen haben sich entsprechend angepasst. Mittags gehen sie nur auf die Straße, wenn es unbedingt nötig ist; zudem verfügen die meisten Wohnungen längst über Klimaanlagen. Alkohol trinkt tagsüber kaum jemand, stattdessen gibt es an jedem Kiosk Halbliter-Wasserflaschen für 50 Cent. Im August flüchten die Städter Richtung Insel.

Die griechischen Großstädte stellen während extremer Temperaturen öffentliche, klimatisierte Räume zur Verfügung für jene, die keine Klimaanlage haben, obdachlos sind oder sich kurz erholen möchten. Polizei und Hilfsorganisationen verteilen zudem Trinkwasser an obdachlose Menschen.

Für Berufstätige im Freien, etwa auf Baustellen und bei Lieferdiensten, ist die Arbeit ab vorhergesagten 40 Grad zwischen 13 und 17 Uhr verboten. Für Beschäftigte im Büro sollen Unternehmen an solch heißen Tagen Homeoffice ermöglichen. Wenn das nicht geht, müssen die Arbeitgeber für kaltes Trinkwasser sorgen und ausreichende Pausen und schattige, möglichst klimatisierte Arbeitsplätze zur Verfügung stellen.

In Rumäniens Hauptstadt BUKAREST sind im Hochsommer bis zu 40 Grad im Schatten nicht selten. Das Schlimme ist, dass der Stress auch nachts nicht nachlässt: In den Betonschluchten der in einer Tiefebene gelegenen Stadt steht die drückende Luft reglos, kein Windhauch schafft Erleichterung.

Wem die Flucht in die weniger als 100 Kilometer weiten Karpaten oder an das 200 Kilometer entfernte Schwarze Meer nicht gelungen ist, der findet neuerdings auf Betreiben der Stadtverwaltung kühle Oasen: Das Rathaus hat 71 öffentliche Institutionen und 200 Apotheken mobilisiert, die gratis klimatisierte Räume und Trinkwasser anbieten. Zudem gibt es an zentralen Plätzen Wassernebelanlagen, an denen man duschen kann - wenn man denn in der Mittagshitze unterwegs ist. Zwar durchquert das Flüsschen Dambovita die Stadt, Baden ist dort aber wegen des schmutzigen Wassers streng verboten.

Deutlich mehr Raum zur Abkühlung bietet die Hauptstadt des Nachbarlands Ungarn. In BUDAPEST darf man an Abschnitten der Donau baden und die legendären Schwimmbäder haben bei großer Hitze im Hochsommer länger geöffnet. Die Stadtverwaltung hat hunderte Trinkbrunnen eingerichtet. Und auch in Budapest laden Wassernebelanlagen zum Duschen ein.

Baden in den regulären Springbrunnen ist allerdings verboten. Besondere Aufmerksamkeit widmet die Kommune stattdessen dem Besprühen der Straßen am Abend: Per Satellit werden die Orte ermittelt, an denen mangels Grünfläche der Asphalt extrem glüht. Dort wird gezielt mit Wasser gesprüht.

In BARCELONA und anderen spanischen Großstädten versuchen die Einwohner der Hitze zu trotzen. Barcelona hat ein Netz von mehr als 500 sogenannten Klimaschutzräumen. Diese «refugios climáticos» sind klimatisierte öffentliche Gebäude wie etwa Bibliotheken, Museen, Schulen, Pfarrhäuser und Bürgerzentren, die sich freiwillig beteiligen. Die katalanische Metropole setzt außerdem auf ihre «Superilles» (Superblöcke): verkehrsberuhigte Häuserblocks mit viel Grün, schattenspendenden Bäumen und vielen Sitzgelegenheiten.

MADRID erweitert ebenfalls sein Angebot an klimatisierten Aufenthaltsräumen, Trinkwasserstellen, Wasserspielen sowie Sprühnebelanlagen auf stark frequentierten Plätzen. Während Hitzeperioden bleiben öffentliche Einrichtungen länger geöffnet, um vor allem älteren Menschen und anderen gefährdeten Bevölkerungsgruppen Schutz zu bieten.

Auch der Alltag ist traditionell an die Sommerhitze angepasst. Vor allem im Süden, zum Beispiel in SEVILLA, verlagert sich das Leben in die frühen Morgen- und späten Abendstunden. Aber auch in Madrid, Barcelona und anderen Städten schließen viele Geschäfte mittags für mehrere Stunden.

In Straßencafés sorgen Wasservernebler für etwas Abkühlung, viele Plätze werden von großen Sonnensegeln beschattet. Auf den Tisch kommen im Sommer häufig kalte Gerichte wie Gazpacho, eine kalte Gemüsesuppe aus Tomaten, Gurken, Paprika und Olivenöl, oder Salmorejo, eine dickflüssigere kalte Tomatencreme. Auch das ein Hinweis an Mittel- und Nordeuropäer: Leichtes Essen macht die Hitze erträglicher.

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