06. Oktober 2026 – dpa
Mörderin Christa Pike ist laut ihren Anwälten wieder bei Bewusstsein, kann jedoch nur in begrenztem Umfang sprechen. Vor Gericht bereiten sie vor, eine weitere mögliche Hinrichtung anzufechten.
Eine Woche nach der gescheiterten Hinrichtung im US-Bundesstaat Tennessee beschreiben die Anwälte der zum Tode verurteilten US-Amerikanerin Christa Pike (50) Verwirrungszustände ihrer Mandantin. Es gebe Momente, in denen sie für eine Weile abdrifte, erklärte Pikes Anwalt Randy Spivey am Mittwoch bei einer Pressekonferenz nach einer Verhandlung am Gericht in Nashville im US-Bundesstaat Tennessee.
Demnach sei die 50-Jährige «kognitiv immer noch sehr verwirrt». Ihre ersten Worte nach dem Aufwachen im Krankenhaus seien gewesen: «Wo bin ich und wer seid ihr», sagte Spivey auf Nachfrage von Journalisten. Sie sei sich jedoch im Klaren darüber, dass der Staat versucht habe, sie hinzurichten. Spivey sagte, er glaube, Pike sei im Moment «wütend und verwirrt» wegen all dem.
Pike waren am vergangenen Mittwochabend nach Angaben der Behörden die im Hinrichtungsprotokoll vorgesehenen zwei Dosen des Mittels Pentobarbital verabreicht worden. Dennoch lebte sie weiter. Die US-Amerikanerin war am Dienstag nach Angaben ihrer Anwälte wieder bei Bewusstsein, nachdem sie in einem Krankenhaus im Raum Nashville künstlich beatmet worden war.
Nun habe die verurteilte Mörderin ein Blutgerinnsel in einem ihrer Arme, und könne keine der Gliedmaßen bewegen. «Wir wissen nicht, ob und inwieweit sie die Funktion wiedererlangen wird», sagte Spivey. «Ihre Hände sahen aus, als hätte man einen OP-Handschuh aufgeblasen», beschrieb Spivey. Außerdem sei Pike an einer Lungenentzündung erkrankt und werde ernährt. Sie habe einen langen Weg der Genesung vor sich.
Ihre Anwälte zeigten sich überrascht, dass Pike eine Woche nach der gescheiterten Hinrichtung das Bewusstsein wiedererlangte. «Am Montagabend gingen wir davon aus, dass Christa hirntot war, und dass die lebenserhaltenden Maßnahmen am nächsten Tag abgeschaltet werden würden», erklärte Spivey. Zur «großen Überraschung aller», sei Pike aufgewacht und habe begonnen zu sprechen.
Pike habe bis Dienstag «nicht mit ihren Anwälten und nicht mit ihrem medizinischen Betreuungsteam kommunizieren können», sagte Anwalt Luke Ihnen am Mittwoch bei einer Gerichtsverhandlung zu dem Fall in Nashville. Sie könne überdies lediglich «in begrenztem Umfang sprechen».
Vor dem Hinrichtungsversuch habe die 50-Jährige ein Tablet genutzt, mit dem sie Freunde, Familie und Anwälte kontaktieren konnte. Auf Nachfrage der Richterin erklärte Anwalt Ihnen, dass sie jedoch nicht sicher seien, ob Pike im Moment ein Tablet bedienen könne, selbst wenn ihr eines zur Verfügung gestellt werden würde.
Zuvor hatte Richterin I'Ashea Myles der Forderung von Pikes Anwälten stattgegeben, die Beweismittel zur versuchten Hinrichtung vergangene Woche zu sichern. Dies sei relevant, sollte Pike eine zukünftige Hinrichtung anfechten müssen, erklärte Anwalt Ihnen vor Gericht. Die «New York Times» weist darauf hin, dass wahrscheinlich ihr Gesundheitszustand dafür entscheidend sein werde, ob man zu einem späteren Zeitpunkt erneut versuchen wird, Pike hinzurichten.
Anwälte wollen Strafe umwandeln
Pikes Anwälte bekräftigten wiederholt die Forderung an Tennessees republikanischen Gouverneur, Bill Lee, dass Pike statt der Todesstrafe lebenslang in Haft sitzen solle - ohne Möglichkeit einer vorzeitigen Entlassung. «Nach allem, was wir gesehen haben, ist es unvorstellbar, dass der Staat erneut versuchen würde, sie hinzurichten», sagte Spivey.
Lee hatte die letzte noch für dieses Jahr geplante Hinrichtung vergangene Woche abgesagt. Bereits im Mai musste Tennessee die Hinrichtung von einem anderen verurteilten Straftäter abbrechen, nachdem es nicht gelungen war, die erforderlichen intravenösen Zugänge zu legen.
Nach Angaben des Death Penalty Information Center ist kein vergleichbarer moderner US-Fall bekannt, in dem die vorgesehenen Hinrichtungsmedikamente verabreicht wurden und der Gefangene dennoch weiterlebte. Der Fall hat damit auch die seit Jahren geführte Debatte über die Todesstrafe in den USA und insbesondere über die Zuverlässigkeit von Hinrichtungen mit der Giftspritze erneut in den Fokus gerückt.
Pike war 1996 für den Mord an der damals 19-jährigen Colleen Slemmer zum Tode verurteilt worden. Sie selbst war zur Tatzeit 18 Jahre alt. Slemmer war 1995 in einem abgelegenen Gebiet nahe der Universität von Tennessee in Knoxville über längere Zeit gefoltert und schließlich getötet worden. Pikes Hinrichtung wäre die erste einer Frau in Tennessee seit mehr als 200 Jahren gewesen.