16. Oktober 2026 – dpa
An einer Grundschule im Westen der USA tötet mutmaßlich ein Teenager drei Kinder und eine Lehrkraft. Auch der Tatverdächtige selbst wird erschossen – noch bevor die Polizei eintrifft.
Ein jugendlicher Schütze soll an einer Grundschule im Bundesstaat Oregon an der Westküste der USA binnen kürzester Zeit drei Kinder und eine Lehrkraft getötet haben. Der 16 Jahre alte Angreifer wurde von einem Einwohner der Stadt Bend erschossen, der ihn in die Schule eindringen sah und verfolgte, wie die Polizei auf einer Pressekonferenz mitteilte.
Demnach spielte sich alles binnen weniger Minuten ab – zwischen dem ersten Notruf um 12.59 Uhr (Ortszeit) und dem Eintreffen erster Beamter in der Silver Rail Elementary School um 13.02 Uhr, die den Tod des mutmaßlichen Angreifers bestätigten. Durch die Schüsse starben drei Kinder im Alter von 5, 8 und 11 Jahren sowie eine Lehrkraft.
Ein 7 Jahre altes Kind und eine 54-jährige Lehrkraft seien mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus gebracht worden, sagte der Chef der örtlichen Polizei, Mike Krantz, auf der Pressekonferenz.
Im ersten Notruf bei der Polizei um 12.59 Uhr hatte demnach ein Autofahrer berichtet, ein Schütze habe auf sein Fahrzeug geschossen. Unmittelbar darauf meldeten sich demnach Dutzende weitere Anrufer und beschrieben, dass der mutmaßliche Täter die Schule betreten und das Feuer eröffnet habe. Daraufhin sei ein Großaufgebot an Einsatzkräften ausgerückt.
Der mutmaßliche Täter stamme aus der Stadt, sagte Krantz. Ob er selbst Schüler der Schule gewesen war oder seine Opfer kannte und welches Motiv er gehabt haben könnte, blieb zunächst offen. Nach übereinstimmenden US-Medienberichten soll der Jugendliche eine Schrotflinte verwendet haben, die seine Mutter gekauft hatte. Dem US-Sender ABC News zufolge handelte es sich um eine sogenannte Vorderschaftrepetierflinte. Für Freitagnachmittag (Ortszeit) war eine weitere Pressekonferenz angesetzt.
Nach ersten Erkenntnissen handelte der Jugendliche alleine. Er habe auf verschlossene Türen geschossen und sich dadurch gewaltsam Zugang zur Schule verschafft, schilderte Krantz. Alle anwesenden Schüler wurden in Bussen zu einer Kirche gefahren, auch Eltern und Betreuer wurden dort hin gebeten. Am Abend hielten zudem Hunderte Menschen in einem örtlichen Park eine Mahnwache ab.
Eine Lehrerin der Schule schilderte dem US-Sender CNN die Angst der Kinder während der Schüsse. Einige hätten gebetet, andere sich gegenseitig getröstet. Sie habe versucht, die Kinder zu beruhigen, sagte die Lehrerin Kathy Sheil Smith. «Ich bin sicher, dass jede Lehrkraft an der Schule dachte: Heute ist der Tag, an dem ich sterben werde, während ich meine Kinder rette.»
Als Reaktion auf die Gewalttat sagte der Schulbezirk Bend-La Pine für Freitag den Unterricht an sämtlichen Schulen ab. Auch Sportveranstaltungen und andere Aktivitäten wurden gestrichen. Für Schüler, Familien und Gemeindemitglieder werde ab Freitagmorgen (Ortszeit) in der örtlichen Zentralbibliothek ein Krisenzentrum offenstehen, sagte Schulbezirksleiter Steven Cook.
Die Bürgermeisterin von Bend, Melanie Kebler, war ebenfalls anwesend. Sie brachte die Bestürzung vieler über diesen Vorfall zum Ausdruck – und auch den Zusammenhalt, der in der Stadt mit knapp 100.000 Einwohnern herrscht. «Schulen sollten ein sicherer Platz sein», sagte sie. «Wir werden dies alle gemeinsam durchstehen.» Ähnlich äußerte sich Oregons Gouverneurin Tina Kotek, die auch an der Pressekonferenz teilnahm. Sie ordnete für Freitag Trauerbeflaggung an öffentlichen Einrichtungen des Bundesstaates an.
Bend liegt in der Hochwüste Oregons auf einem landschaftlich schönen Hochplateau an einem weiten Bogen des Flusses Deschutes, Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Etwa 30 Kilometer entfernt befindet sich das Skigebiet um den Mount Bachelor.
Nach Polizeiangaben besuchen zwischen 400 und 450 Schüler die Silver Rail Elementary School in Bend. «Erst im August haben alle Polizisten von Bend in einer Oberschule ein Training für diesen Fall durchlaufen», sagte Krantz auf der Pressekonferenz weiter. «Das ist leider etwas, das wir regelmäßig üben – und üben müssen.»
In den USA gehört Schusswaffengewalt faktisch zum Alltag, die Opferzahlen gehen jedes Jahr in die Zehntausende. Pistolen und Waffen größerer Kaliber sind leicht zugänglich und millionenfach im Umlauf. Besonders folgenschwere Angriffe entfachen zwar immer wieder Debatten über eine Verschärfung des Waffenrechts – in der Regel bleiben diese aber folgenlos. Reformversuche scheitern letztlich meist am Widerstand der mächtigen Waffenlobby und ihr wohlgesonnener Republikaner.
Laut einer Analyse des US-Senders CNN gab es in den Vereinigten Staaten im laufenden Jahr mindestens 52 Schusswaffenvorfälle an Schulen, bei denen mindestens 28 Menschen getötet und 48 weitere verletzt wurden.
Nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde CDC starben 2024 gut 44.400 Menschen infolge des Gebrauchs von Schusswaffen. Dies war laut dem Forschungsinstitut Pew Research Center das letzte Jahr, in dem Daten vollständig erhoben wurden. Die Zahlen der CDC umfassen sowohl Tötungsdelikte als auch Suizide mit Schusswaffen. Laut Pew Research Center war 2024 bei drei Vierteln aller Tötungsdelikte in den USA eine Schusswaffe involviert.