23. Juli 2026 – dpa
Plötzlich Evakuierung statt Strand: Tausende Urlauber müssen ihre Campingplätze verlassen – und hoffen, ihre Habseligkeiten unversehrt wiederzufinden. Die Atlantikküste ist auch bei Deutschen beliebt.
Hals über Kopf müssen die Touristen aus Deutschland, Frankreich und anderen Ländern an der Atlantikküste bei Bordeaux ihre Campingplätze und Ferienquartiere verlassen. Wegen eines Waldbrandes, der seit Mittwoch immer weiter um sich greift, haben die französischen Behörden nach eigenen Angaben inzwischen fast 20.000 Menschen, überwiegend Touristen und auch Einheimische, vorsorglich evakuiert.
Zahlreiche Löschflugzeuge, lange Schlangen von Feuerwehrautos auch aus anderen Teilen Frankreichs und Militärkräfte sind in der Region im Einsatz, die der apokalyptische Brand mit riesigen Flammen und Rauschschwaden mitten in der Hauptsaison trifft. Parallel zu dem Großaufgebot an Einsatzkräften packen die Einheimischen solidarisch und spontan selbst mit an, wie die örtliche Zeitung «Sud-Ouest» berichtete. Sie stehen den Urlaubern bei oder schmieren im Akkord Sandwiches für die Feuerwehrleute.
Am Mittwochmittag brach das Feuer in der Ortschaft Saumos in der auch bei Deutschen beliebten Urlaubsregion aus – am Abend und in der Nacht ließ die Präfektin von Bordeaux, Sophie Brocas, Campingplätze und Ferienzentren räumen. Am Mittag dann gibt es einen weiteren Evakuierungsbefehl, der rund 8.800 Menschen betrifft. Hunderte Touristen vom Campingplatz des Ortes Le Porge etwa finden ein Notquartier in einer Halle im unweit gelegenen Lège-Cap-Ferret.
«Le Porge ist unser Herz», sagen Hannah und Katharina, die viele Jahre nach Urlauben in ihrer Kindheit dorthin mit ihren Ehemännern und Kindern an die Atlantikküste zurückgekehrt sind, dem Reporter des Blattes «Sud-Ouest». «Die Kleinen waren anfangs etwas verängstigt, aber jetzt geht es ihnen gut. Wir hoffen, unseren Wohnwagen wiederzufinden und unseren Urlaub fortzusetzen.»
Jérémie, ein Gastronom und Einwohner von Lège, bietet den Urlaubern seine Hilfe an. Neben ihm steht Basile, der aus Lille in Nordfrankreich zum Urlaub an die Atlantikküste gekommen ist: «Ich wünsche mir vor allem, dass niemand verletzt wurde, und dass ich mein Zelt wiederfinde.»
Das aus Brest weiter nördlich an der Küste stammende Paar Patricia und Bernard hatten mit ihrem Wohnmobil eigentlich einen dreitägigen Zwischenstopp in Le Porge auf dem Rückweg von einem Korsika-Urlaub eingeplant. «Wir hatten gerade das Wohnmobil abgestellt und die Markise ausgefahren, als man uns aufforderte, den Platz zu verlassen», erzählt Bernard dem Zeitungsreporter. «Schon bei der Ankunft konnten wir das Feuer entlang der Umleitungen deutlich sehen.» Die Evakuierung verläuft für sie unproblematisch. Sie können ihr Wohnmobil in Lège auf einem Parkplatz abstellen und dort die Nacht verbringen.
Eine gute Nachricht, die die Behörden immer wieder betonen, gibt es aber. Denn bislang wurde niemand verletzt. Die Sicherheitsmaßnahmen erfolgten vorsorglich, betonte die Präfektur des Departements Gironde.
Viele der Touristen kennen sich in der Region nicht gut aus und sollen davor bewahrt werden, sich plötzlich zwischen brennenden Feldern und blockierten Straßen eingekesselt zu finden. In langen Fahrzeugschlangen verlassen viele Urlauber auf der Straße Richtung Bordeaux die riesige Landzunge, die am anderen Ende nur über eine Fährverbindung mit dem Festland verbunden ist.
Für die weitere Bekämpfung des Brandes bleiben die Wetterbedingungen unterdessen laut Präfektin Brocas angesichts der im Laufe des Tages erwarteten «unberechenbaren Winde» und der starken Hitze «ungünstig». In der Region wurden laut Wetterdienst Météo Media Temperaturen bis zu 34 Grad erwartet. Auf 2.400 Hektar Fläche hat sich der Brand bis zum Mittag ausgedehnt und Einsatzkräfte und Einheimische bangen, wie es weitergeht.
Die Feuerwehr war damit beschäftigt, für ihren Nachschub wichtige Straßen befahrbar zu halten. Und auf der Halbinsel Cap Ferret, wo zunächst nur der Campingplatz geräumt wurde, schlossen die Einheimischen ihre Läden und der Strand war verwaist, wie «Sud-Ouest» berichtete. Vorsorglich hatten die Einsatzkräfte im vergangenen Jahr die Evakuierung der Halbinsel vom Meer aus trainiert – noch wird aktuell an dieses Szenario aber nicht gedacht.
Auch in Spanien lodert es vielerorts weiter – doch hier gibt es vorwiegend positive Nachrichten: Die Lage beim verheerenden Waldbrand in der Provinz Guadalajara nördlich von Madrid hat sich etwa nach Behördenangaben in der Nacht weiter stabilisiert. Das Feuer in der Sierra Norte, das seit dem 16. Juli mehr als 32.000 Hektar zerstört hat und zu den größten Bränden der jüngeren Geschichte des Landes zählt, werde wohl bald völlig unter Kontrolle gebracht werden, hieß es. Zahlreiche Ortschaften bleiben dort aber vorerst evakuiert.
Auch ein Waldbrand bei Almorox in der Provinz Toledo südwestlich von Madrid, das am Mittwoch ausgebrochen war, zeitweilig große Sorgen bereitet hatte und bislang knapp tausend Hektar Wald- und Buschland erfasste, wird erfolgreich bekämpft. Die Ausbreitung der Flammen sei weitgehend gestoppt, hieß es. Mindestens 200 der insgesamt gut eintausend evakuierten Menschen sollten bereits im Laufe des Tages in ihre Häuser zurückkehren. Nach Angaben von Umweltministerin Sara Aagesen waren am Donnerstagvormittag landesweit noch insgesamt fünf größere Waldbrände aktiv.