02. Oktober 2026 – dpa

Neues Buch

Lehfeldt nimmt das Bild der «guten Mutter» auseinander

In ihrem neuen Buch hinterfragt Franca Lehfeldt die gesellschaftlichen Erwartungen an Mütter - und spricht offen über ihre eigenen Erfahrungen mit Mutterschaft und Beruf.

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In ihrem neuen Buch geht es um Mutterschaft. (Archivbild)

Eine gute Mutter stillt, ist immer für ihr Kind da und stellt ihre eigenen Bedürfnisse hinten an - und wenn möglich auch den Beruf. So ungefähr sieht das Bild aus, das Franca Lehfeldt in ihrem heute erscheinenden Buch «Gute Mütter, schlechte Mütter» unter die Lupe nimmt. Eine zentrale These: Nicht Frauen, sondern Mütter werden benachteiligt. Und das härteste Urteil über Mütter fällen oft andere Frauen.

Lehfeldt kennt die Debatte nicht nur aus der Recherche. Seit April 2025 sind sie und Ex-FDP-Chef Christian Lindner Eltern einer Tochter. Über die Mutterschaft sagt sie im Interview mit dem «Stern»: «Was mich nachhaltig verändert hat, ist, diese bedingungslose Liebe spüren zu dürfen.» Gleichzeitig habe sie ihre Arbeit aber nicht aufgeben wollen. Beruf und finanzielle Unabhängigkeit seien für sie wichtige Teile ihrer Identität.

Im Buch beschäftigt sich Lehfeldt mit den Erwartungen, die Müttern heute begegnen - auch in sozialen Medien. Stillen, Co-Sleeping, permanente Nähe zum Kind: Die Empfehlungen würden sich für Mütter teils wie Regeln anfühlen. Besonders kritisch sieht sie eine Sprache, die Mutterschaft als etwas Natürliches und Unvermeidliches darstelle.

Auch traditionelle Rollenmodelle wie die sogenannten Tradwives nimmt die in Berlin lebende Autorin unter die Lupe. Dass eine Frau zu Hause bleibt und sich um Kinder und Haushalt kümmert, lehnt Lehfeldt dabei nicht grundsätzlich ab. «Eine Frau ist nicht weniger emanzipiert, wenn sie zu Hause bleibt, und wenn sie arbeitet, ist sie keine Rabenmutter», sagt sie. Entscheidend sei, dass Frauen tatsächlich wählen könnten.

Auch beim Umgang mit Kinderfotos im Netz fordert Lehfeldt mehr Sensibilität und einen rechtlichen Rahmen. Kinder würden in sozialen Medien zunehmend selbst zum Content - und damit Teil einer Öffentlichkeit, die sie sich nicht ausgesucht haben.

Besonders deutlich wird ihre Kritik beim Thema Stillen. Lehfeldt beschreibt die Debatte über Muttermilch und Flasche als gesellschaftlichen Konflikt, bei dem aus einer persönlichen Entscheidung schnell eine moralische Bewertung der Mutter werden könne.

Im Interview berichtet sie auch von den Reaktionen auf ihre eigene Entscheidung, nicht zu stillen. Eine beiläufige Bemerkung habe die Frage ausgelöst: «Stillst du denn nicht?» Eine Gynäkologin habe ihr sogar geraten, es niemandem zu sagen.

Im Buch plädiert Lehfeldt dafür, Stillen zu unterstützen, ohne Mütter, die sich dagegen entscheiden, zu beschämen. Im Mittelpunkt müsse die Beziehung zum Kind stehen, nicht die Frage, ob die Milch aus der Brust oder der Flasche kommt.

Die niedrige Geburtenrate in Deutschland führt Lehfeldt auch auf die hohen Erwartungen an Elternschaft zurück. Frauen würden sehr genau sehen, was Elternschaft heute von ihnen verlange. «Die bewusst kinderlose Frau hat die Rechnung gelesen. Wer die Last der Mutterschaft der Frau allein auflädt, darf sich darüber nicht wundern.»

Bekannt wurde Lehfeldt als Politikjournalistin bei RTL und später bei Welt. Ende 2023 wechselte sie aus dem klassischen TV-Journalismus in die Selbstständigkeit und gründete eine Kommunikationsagentur. Ihr neues Buch über Mutterschaft ist nach «Alte weise Männer», das sie 2023 veröffentlichte, ihr zweites Sachbuch.

Beim Thema Geburt spricht sie sich in ihrem Buch dafür aus, sogenannte Alleingeburten - also Geburten ohne Hebamme oder medizinische Begleitung - in Deutschland zu verbieten. Ihre Begründung: Die Selbstbestimmung der Mutter könne dort an eine Grenze kommen, wo für das Kind eine vermeidbare Gefahr entstehe.

Auf die Frage, ob sie sich selbst eher zu den «guten» oder «schlechten» Müttern zählt, sagte Lehfeldt: «Das ist genau die Frage, gegen die ich dieses Buch geschrieben habe.» Sie wolle sich nicht in eine der beiden Gruppen einordnen - «Ich bin gerne Mutter.»

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