30. September 2026 – dpa
Lange Visaverfahren sind ein Problem für hunderte türkische Unternehmen in Deutschland. Während des Türkei-Besuchs des NRW-Ministerpräsidenten gibt es gute Nachrichten für sie.
Die Visaerleichterungen für die Einreise türkischer Geschäftsleute nach Deutschland werden ausgeweitet. Das kündigten Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst und die Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Serap Güler, auf einer Wirtschaftskonferenz in Istanbul an.
Seit August 2025 gibt es ein Sonderverfahren für besonders vertrauenswürdige türkische Unternehmen mit besonderem Deutschlandbezug, das bisher für etwa 400 Betriebe gilt. Der Kreis soll nun ausgeweitet werden. Insbesondere sollen Mitgliedsunternehmen des türkischen Außenwirtschaftsverbands DEIK mit Deutschlandbezug einbezogen werden.
«Das ist ein starkes und vor allem konkretes Signal auch für den Wirtschaftsstandort Nordrhein-Westfalen», sagte Wüst. Lange und aufwendige Visaverfahren hätten die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen über Jahre gebremst. «Dass künftig weitere türkische Unternehmen ihre Geschäftsaktivitäten in Deutschland verlässlicher planen können, schafft die Grundlage für neue Investitionen und engere Partnerschaften», sagte Wüst. In Nordrhein-Westfalen sind rund 1.300 türkische Unternehmen ansässig – so viele wie in keinem anderen Bundesland.
Während des Besuchs wurden mehrere Wirtschaftsvereinbarungen unterzeichnet, unter anderem eine Rahmenvereinbarung, um Handel und Investitionen zu fördern und neue Geschäftskontakte zu vermitteln.
Der Flughafen Köln/Bonn und der Flughafen Istanbul Sabiha Gökcen wollen bei der Weiterentwicklung des Flughafenbetriebs stärker zusammenarbeiten. Der Duisburger Hafen strebt mit den türkischen Unternehmen Arkas und Mars Logistics die Stärkung des Güterverkehrs zwischen Nordrhein-Westfalen und der Türkei an. Die Messe Düsseldorf und der türkische Gießereiverband vereinbart endie Beteiligung türkischer Unternehmen an einer Metallmesse im kommenden Jahr.
Rund ein Fünftel des deutsch-türkischen Handelsvolumens entfällt nach Angaben der Landesregierung auf Nordrhein-Westfalen. Im Jahr 2025 wurden Waren im Wert von 11,2 Milliarden Euro zwischen beiden Ländern ausgetauscht.
Am Montag und Dienstag hatte Wüst politische Gespräche in Ankara geführt und war überraschend von Präsident Recep Tayyip Erdogan empfangen worden. Insgesamt traf er vier Minister, darunter Außenminister Hakan Fidan, aber auch Vertreter der Opposition, die von massiven Repressionen betroffen ist. Insbesondere die Inhaftierung des Erdogan-Rivalen und ehemaligen Istanbuler Bürgermeisters Ekrem Imamoglu hat international für Aufsehen gesorgt.
Anlass der Reise ist der 65. Jahrestag des sogenannten Anwerbeabkommens, mit dem 1961 die Zuwanderung von fast 900.000 türkischen Arbeitskräften nach Deutschland innerhalb von zwölf Jahren eingeleitet wurde. Einer der ersten war der 91-jährige Sabri Aydin, der 1961 als einer der ersten sogenannten Gastarbeiter nach Deutschland kam, um in Duisburg unter Tage zu arbeiten. Mit ihm plant Wüst zum Abschluss seiner dreitägigen Reise einen Stadtrundgang.