20. August 2026 – dpa

Fit fürs Leben

Wie Schüler mehr praktisches Wissen erlernen können

Von Mietvertrag bis Waschmaschine: Eine neue App bringt Fachleute aus etlichen Bereichen ins Klassenzimmer und macht praxisnahe Lernangebote möglich.

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Nordrhein-Westfalens Schulministerin Dorothee Feller (CDU) will mehr Alltagswissen in die Klassenzimmer bringen.

Externe Experten aus zahlreichen Lebensbereichen sollen über eine App mit Schulen in Nordrhein-Westfalen vernetzt werden, um mehr praktischen Sachverstand und Alltagswissen in die Klassenzimmer zu bringen. Dazu hat Schulministerin Dorothee Feller (CDU) in Düsseldorf eine Kooperationsvereinbarung mit der gemeinnützigen Bildungsinitiative «LifeTeachUs» unterzeichnet.

Über die App der Initiative können sich Schulen in NRW ab sofort landesweit mit dort registrierten Unternehmen, Handwerksbetrieben, öffentlichen Einrichtungen, Vereinen und weiteren gesellschaftlichen Akteuren vernetzen und gemeinsam alltagsnahe Lernangebote gestalten. Schon zum neuen Schuljahr könne es losgehen, kündigte Feller an.

Immer wieder sei von Schülern der Wunsch an sie herangetragen worden, mehr praktisches Wissen vermittelt zu bekommen, berichtete die Ministerin. Das Spektrum reiche von der Bedienung einer Waschmaschine über Fragen nach Mietverträgen und Haftpflichtversicherungen für den Roller oder das Moped bis hin zu Steuerfragen.

Das bereits ins mehreren anderen Bundesländern laufende und auch an Pilotschulen im Regierungsbezirk Münster erprobte Angebot sei besonders für die Jahrgangsstufen 8 bis 9 zu empfehlen, weil hier die Berufsorientierung eine wichtige Rolle spiele, erläuterte Feller. Das sei aber keine feste Vorgabe des Ministeriums.

Ja. Feller erläuterte, wie das Programm in den Lehrplan integriert werden könne: So biete sich etwa sowohl der Biologie- als auch der Sportunterricht an, um mit externen Experten über Ernährung zu sprechen. Praktische Tipps und Kniffe zu Versicherungen oder Arbeitsverträge könnten im Wirtschaftsunterricht platziert werden.

Da «LifeTeachUs» komplett spendenfinanziert sei und alle Experten sich ehrenamtlich engagierten, entstünden weder für die Schulen noch für das Land Kosten, sagte Feller.

Alle sogenannten Life-Teacher (zu Deutsch etwa: Lebenslehrer) absolvieren eine Online-Schulung mit pädagogischen Grundlagen, Kommunikationstraining und Sicherheitsstandards. Erst nach erfolgreicher Prüfung - auch des Führungszeugnisses - werden sie für den Einsatz an Schulen freigeschaltet.

Für Handwerker etwa sei der gemeinsame Austausch auch eine Chance, zu erzählen, warum sie ihren Beruf gewählt hätten, warum sie dafür brennen, um so vielleicht Impulse in der Berufsorientierung junger Leute zu setzen, sagte Feller. Ein Tischlermeister könne auch erklären, wofür er den Satz des Pythagoras braucht und wofür bestimmte Rechenformeln wichtig seien.

«Ehrenamt macht glücklich», fasste der Geschäftsführer von «LifeTeachUs», Ludwig Thiede, die bisherigen Erfahrungen aus dem Projekt zusammen. Die Externen könnten selbst viel lernen - etwa über ihre Präsentationsfähigkeiten. «Das ist eine Superschulung. So eine Klasse ist das ehrlichste Publikum der Welt.» Wenn jemand in der ersten Reihe seinen Kopf auf den Tisch lege, sei klar, dass es langweilig sei.

Ja.

«Das kann man sich so ein bisschen vorstellen wie bei den Taxi-Apps», erläuterte Thiede. Anfragen der Schulen würden direkt in Echtzeit per Handy nur an die passenden Personen in der Nähe geschickt. «Die Person, die zuerst annimmt, sorgt dafür, dass bei den anderen die Anfrage wieder verschwindet.» Möglich seien Besuche vor Ort ebenso wie digitale Angebote.

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