04. Oktober 2026 – dpa

Niedrigstände in Flüssen

Viel halten statt rasch ableiten - Wer zahlt den Flussumbau?

Niedrige Pegelstände wie am Rhein haben dramatische Folgen für Wirtschaft und Natur. Viel Wasser halten und nicht schnell in den Flüssen ableiten meinen Umweltpolitiker. Welche Geldquellen gibt es?

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Das Niedrigwasser behindert auch die Schifffahrt auf dem Rhein., Foto: Federico Gambarini/dpa

Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) mahnt angesichts der Trockenheit in diesem Jahr ein Umdenken beim Umgang mit Wasser in Deutschland an. «Die Zeiten, in denen wir uns in Deutschland über Wasser keine Gedanken machen mussten, sind endgültig vorbei. Deutschland braucht einen anderen Umgang mit Wasser», sagte Schneider dem «Kölner Stadt-Anzeiger». Dafür bekommt er von seinem Amtskollegen aus NRW Zustimmung, die aber auch mit Forderungen verbunden ist.

Die niedrigen Pegelstände in Flüssen wie dem Rhein hatten in diesem Sommer für eine erhebliche Einschränkung der Binnenschifffahrt gesorgt. Die Lage am Rhein und am Bodensee nannte Schneider eine dramatische Belastung für Natur und Wirtschaft. Sie sei aber nur sichtbares Zeichen einer größeren Entwicklung.

Am Montag findet in Berlin im Bundesumweltministerium eine Konferenz zur Wasserpolitik statt. Teil daran nimmt auch EU-Umweltkommissarin Jessika Roswall.

Schneider sagte weiter, Wasser möglichst schnell abzuleiten und nasse Flächen trockenzulegen, sei Wasserpolitik der letzten Jahrhunderte gewesen. «Heute ist die Aufgabe, Wasser so gut wie möglich in der Landschaft zu halten. Wenn die Gebirge mit ihren Gletschern als Wasserlieferanten ausfallen, müssen die Flüsse, Auen, Wälder und Böden umso mehr zu Wasserspeichern werden», erklärte Schneider.

Dies bedeute zum Beispiel, trockene Moore wieder zu vernässen, Flüssen mehr Raum zu geben und Wälder zu stabilen Mischwäldern umzubauen. Auch die technische Wasserinfrastruktur müsse fit gemacht werden.

«Die Länder tun gut daran, die Mittel aus dem Sondervermögen zu einem guten Teil in die Wasserinfrastruktur zu investieren», sagte Schneider. Der Bund hat den Ländern aus dem Sondervermögen für Infrastruktur 100 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt.

Nordrhein-Westfalens Umwelt- und Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) fordert, dass in die Wasserinfrastruktur langfristig stärker durch den Bund investiert wird. «Im Rahmen der Möglichkeiten, die der Bund uns gibt, handelt Nordrhein-Westfalen bereits entsprechend. Doch auch das Sondervermögen ist endlich», sagte er der dpa.

Außerdem sollten künftig auch EU-Fördermittel für diesen Bereich angemessen bereitgestellt werden. «Wasserresilienz darf bei der europäischen Förderpolitik nicht zur nachrangigen Aufgabe werden», betonte er. Dafür sollte das Treffen mit EU-Umweltkommissarin Roswall genutzt werden.

«Carsten Schneider hat richtig erkannt: Das beste Mittel gegen Dürre, Hitze und Niedrigwasser ist ein konsequenter Wasserrückhalt in der Fläche. Nur so können wir die wirtschaftlichen Schäden des Klimawandels langfristig begrenzen», stellt der Grünen-Politiker heraus.

Das erfordere einen weitreichenden Umbau der Wasserinfrastruktur. «Denn vielerorts ist sie heute noch auf das Gegenteil ausgelegt: Wasser möglichst schnell abzuleiten, statt es in der Fläche zu halten.» Deutschland brauche eine im Grundgesetz verankerte Gemeinschaftsaufgabe Klimaanpassung und eine deutliche Verstärkung des Aktionsprogramms «Natürlicher Klimaschutz».

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