30. Oktober 2026 – dpa
Unter einer Werkstatt in Remscheid fand die Polizei vier versteckte Waffenkammern mit rund 300 scharfen Schusswaffen. Nun steht der Hauptangeklagte vor dem Urteil.
Nach einem der größten Kriegswaffenfunde der vergangenen Jahrzehnte in Deutschland wird am Freitagnachmittag am Landgericht Wuppertal das Urteil gegen den Hauptangeklagten erwartet.
Der 60 Jahre alte Kfz-Meister aus Remscheid muss mit einer Haftstrafe zwischen sechs und sieben Jahren rechnen. Das sieht eine Absprache zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung in dem Verfahren vor. Im Gegenzug hatte der Mann ein Geständnis im Prozess abgelegt.
Unter der Autowerkstatt des Kfz-Meisters hob die Polizei vor einem Jahr vier Waffenkammern aus. Die Ermittler stießen zunächst auf eine Art Museum, zu dem auch Uniformen aus der NS-Zeit, Fotografien und Propagandamaterial gehörten. Der Staatsschutz wurde eingeschaltet, konnte aber keine Anhaltspunkte für eine rechtsextreme Gesinnung des Mannes feststellen.
Im ersten Bereich, der wie ein Museum eingerichtet war, fanden sich zahlreiche Dekorationswaffen oder unschädlich gemachte, sogenannte entmilitarisierte Waffen. Ihr Besitz ist legal. Bei der aufwendigen Räumung entdeckten die Beamten dann schließlich aber mehrere gut getarnte Kellerräume mit Geheimtüren, hinter denen illegale Waffenbestände gefunden worden seien.
Die Bilanz der Ermittler lautete: rund 300 scharfe Schusswaffen. Darunter befanden sich demnach 125 Maschinengewehre, 67 Maschinenpistolen, 51 Pistolen, 32 Langwaffen, Präzisionsgewehre und 11 Revolver. Auch 13 Panzerabwehrwaffen, 38 Handgranaten und fast 100.000 Schuss Munition.
«Mit den sichergestellten Handgranaten und Sprengmitteln hätte man eine Vielzahl von Menschen töten und verletzen können. Das geht bis hin zum Amoklauf oder Terroranschlag, oder sie können damit sogar kriegerische Auseinandersetzungen aller Art führen», hatte ein Sprecher der Wuppertaler Staatsanwaltschaft die Gefahren betont, die von den Waffen ausgingen.
Zu Prozessbeginn Anfang Juli hatte Oberstaatsanwalt Daniel Müller fast eine Stunde lang vorgetragen, was alles im Haus des Hauptangeklagten gefunden worden sei. Produkte von zahlreichen namhaften Waffenherstellern und Marken waren demnach darunter: Walther, Mauser, Luger, Beretta, Browning, Sig Sauer, Ceska, Rheinmetall, Colt, Kalaschnikow, Heckler & Koch sowie Smith & Wesson.
Die breite Waffenpalette reichte laut dem Vortrag der Staatsanwaltschaft bis hin zu Schalldämpfern. Auch Schießstifte, Butterflymesser, Stahlruten, Elektroschock-Taschenlampen und Schlagringe soll der 60-Jährige im Angebot gehabt haben. Etliche Waffen wurden als unvollständig oder unbrauchbar beschrieben. Der Staatsanwalt listete auch zahlreiche Einzelteile auf.
Dem Hauptangeklagten werden unter anderem massive Verstöße gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz vorgeworfen. Er bekannte sich schuldig, in Polen 70 kompakte Maschinenpistolen des Modells Skorpion gekauft zu haben. Dabei handelt es sich um Waffen der Nachkriegszeit. Das Sammeln von Waffen aus dem Zweiten Weltkrieg nannte er sein Hobby. «Man kann sagen, dass ich ein fanatischer Sammler bin», erklärte der Hauptangeklagte in dem Strafprozess.
Das Urteil gegen den Hauptangeklagten soll am Freitagnachmittag nach den Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung gesprochen werden. In dem Prozess sind bereits zwei 35 und 38 Jahre alte Männer wegen Handels mit Kriegswaffen zu zweieinhalb beziehungsweise dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Sie hatten gestanden, bei dem Hauptangeklagten Maschinenpistolen sowie Munition gekauft zu haben. Sie waren dann später an verdeckte Ermittler geraten, die sich für die Waffen interessierten. So kam der Fall ins Rollen.