12. August 2026 – dpa
Noch immer fühlen sich in NRW viel mehr Frauen als Männer an öffentlichen Plätzen unsicher – vor allem nachts. «Safety Walks» mit der Polizei sollen Angsträume sichtbar machen.
Angesichts vieler Ängste und Einschränkungen fordert die SPD ein landesweites Frauensicherheitsprogramm für Nordrhein-Westfalen. «Frauen müssen stärker an der Gestaltung des öffentlichen Raums beteiligt werden», unterstrich die Vizevorsitzende der SPD-Landtagsfraktion Lisa Kapteinat in Düsseldorf. «Sie kennen die Orte, Situationen und Bedingungen, die Unsicherheitsgefühle hervorrufen aus eigener Erfahrung.» Das Land solle die Kommunen stärker bei einer frauenfreundlichen Stadtplanung unterstützen.
Während bei einer nach eigenen Angaben repräsentativen Bevölkerungsbefragung im Auftrag des Bundeskriminalamts nur etwa jede fünfte Frau in NRW 2024 angegeben habe, sich nachts auf Straßen, Wegen oder Plätzen eher oder sogar sehr sicher zu fühlen, habe bei den Männern jeder zweite dem zugestimmt. Auch in allen anderen Bereichen – von Bahnhöfen über Bussen und Bahnen, Parks bis hin zur eigenen Wohngegend – lag das Sicherheitsgefühl der Männer nachts demnach um mehr als 20 Prozentpunkte über dem der Frauen.
«Das schränkt nicht nur das individuelle Wohlbefinden der Frauen ein, sondern hat auch Einfluss auf Mobilität, Freizeitgestaltung, gesellschaftliche und demokratische Teilhabe am und im öffentlichen Raum», sagte Kapteinat. Befragt nach dem Sicherheitsgefühl tagsüber lagen die Werte näher beieinander.
Dass der Studie zufolge nur 61 Prozent der Frauen sich in ihrer eigenen Wohngegend nachts sicher fühlten (Männer: rund 80 Prozent), sei «ein dramatisches Zeichen, wenn man überlegt, was für einen wichtigen und hohen Stellenwert das eigene Zuhause als Schutzraum grundsätzlich hat», betonte Kapteinat. Befragt nach dem Sicherheitsgefühl tagsüber hatte der Wert in diesem Bereich bei beiden Geschlechtern rund 97 Prozent erreicht.
Das Ziel sei: «Frauen sollen sich überall in Nordrhein-Westfalen frei und sicher fühlen – unabhängig von Tageszeit oder Wohnort.»
- Sogenannte Safety Walks (zu Deutsch: Sicherheitsrundgang) mit Frauen, bei denen bestimmte Plätze gemeinsam mit Polizei, Kommunen und Stadtplanern identifiziert und entsprechende Verbesserungsvorschläge entwickelt werden.
- Orientierung an schwedischen Kommunen, die gezielt aus der Perspektive von Frauen und Familien planen, oder auch an Österreichs Hauptstadt Wien: «gute Beleuchtung, sichere Wege, kurze Wege zu Kitas und Nahversorgung sowie übersichtliche öffentliche Räume.»
- Das Land soll die Beseitigung problematischer Orte als Pflichtaufgabe anerkennen, damit etwa auch Kommunen, die in der Haushaltssicherung sind und solche bislang freiwilligen Maßnahmen derzeit nicht finanzieren dürften, tätig werden könnten. Dabei solle das Land finanziell helfen.