23. September 2026 – dpa

Bus und Bahn

Ohne Tarif-Wirrwarr: Eezy-Tarif im ÖPNV auch für Jugendliche

App starten, einsteigen, losfahren: Das Eezy-Ticket macht die Nutzung von Bus und Bahn für Gelegenheitsfahrer einfacher und oft günstiger. Jetzt dürfen auch Jugendliche es nutzen.

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Einchecken und losfahren: Mit dem Eezy-Ticket wollen Land und Verkehrsverbünde den ÖPNV für Gelegenheitsnutzer einfacher machen. (Archivbild)

Mit ein paar Klicks automatisch das günstigste Ticket für Bus und Bahn: Das verspricht das Eezy-Ticket seit Jahresbeginn für alle Pendler und Reisenden, die nur gelegentlich mit dem Öffentlichen Personennahverkehr in Nordrhein-Westfalen fahren. Mit dem Ticket-Modell wollte das Land den Tarif-Dschungel lichten. Mit Erfolg: Fast 1,3 Millionen Mal hätten ÖPNV-Kunden den Tarif allein im August 2026 genutzt, betont das NRW-Verkehrsministerium.

Bloß: Kinder und Jugendliche, die allein mit Bus und Bahn unterwegs sind, waren vom Eezy-Tarif bislang ausgeschlossen. Sie mussten weiterhin ein klassisches Einzelticket lösen, das je nach Strecke deutlich teurer sein kann. Das ändert sich nun. Weil sich die technische Umsetzung aber verzögert, müssen Eltern und Kinder genau wissen, welche App sie für den Eezy-Tarif nutzen können.

Liegt das Ziel noch in Tarifstufe A oder schon in B - oder (noch komplizierter) sogar im nächsten Tarifverbund? Während es früher gar nicht so einfach war, das richtige Ticket zu kaufen, berechnet die App den Preis automatisch anhand der Luftlinie zwischen Start- und Zielpunkt. Damit soll der Kauf für Gelegenheitsnutzer einfacher werden. Außerdem ist der Luftlinien-Tarif auf zahlreichen Strecken etwas günstiger als ein klassisches Einzelticket.

Das Ticket gibt es nur online. Man braucht eine passende App. Erwachsene ab 18 Jahren haben dabei die Auswahl zwischen rund 40 Angeboten. Nutzen kann man etwa die Apps der großen Verkehrsverbünde VRR oder VRS oder die Apps einzelner Stadtwerke. Bei Fahrbeginn klickt man auf «Check-in» - beim Aussteigen auf «Check-out». Die App berechnet dann anhand der zurückgelegten Strecke den Fahrpreis und bucht ihn vom hinterlegten Zahlungsmittel ab. Man kann auch ein gemeinsames Ticket für mehrere Erwachsene, Kinder oder die Fahrradmitnahme buchen.

Kinder und Jugendliche konnten das Eezy-Ticket bislang nicht selbst kaufen. Die Anbieter haben dafür rechtliche Gründe angeführt. Das ändert sich nun: Man habe die rechtlichen Voraussetzungen dafür geschaffen, dass auch Kinder und Jugendliche ein eigenes Nutzerkonto anlegen und den Eezy-Tarif nutzen können, sagte ein Sprecher der Verkehrsverbünde.

Allerdings: In den allermeisten der 40 Apps, mit denen ÖPNV-Kunden in NRW unterwegs sind, werde diese Neuerung erst in den nächsten Monaten umgesetzt. Heißt: Etwa die Apps des Verkehrsverbunds VRR, der Rheinbahn oder des Nahverkehrs Westfalen-Lippe lassen Konten von Kindern weiterhin nicht zu.

Mit der richtigen App funktioniert es auch schon jetzt: Eltern können für ihre Kinder ein Konto etwa in der App der Kölner Verkehrsbetriebe («KVB-App») oder in der App des Verkehrsverbunds Rhein-Sieg («VRS eezy.nrw») eröffnen. Mit dieser App können Minderjährige zwischen 6 und 17 Jahren dann auch überall sonst in Nordrhein-Westfalen Busse und Bahnen mit dem Eezy-Ticket nutzen. Voraussetzung ist allerdings, dass die Eltern ihre Kreditkarte oder ein Paypal-Konto hinterlegen.

S-Bahn, Regionalzug, Bus, Straßenbahn, U-Bahn: Das Ticket gilt tatsächlich für alle Fahrten im Nahverkehr in NRW. Aufpassen muss man nur, wenn man die Grenze zu einem anderen Bundesland überquert - denn das Eezy-Ticket wird nur in NRW angeboten.

Das hat auch einige Tücken in Grenznähe: Wer etwa mit dem Zug von Siegen nach Köln (beides in NRW) fährt, den führt die Strecke ein Stück durch Rheinland-Pfalz. Kurz hinter der Ländergrenze werden Reisende beim Eezy-Ticket automatisch ausgeloggt und auf dem Display erscheint der Hinweis, dass man nun ohne gültiges Ticket unterwegs ist.

Das Land und die Verkehrsverbünde werben seit Jahresbeginn mit dem Versprechen, dass man mit dem Eezy-Ticket immer und überall den günstigsten Tarif habe. Sobald eine Verbindung mit dem Eezy-Luftlinientarif teurer wäre als mit einem Einzelticket zum klassischen Tarif, wird der Preis gedeckelt. Auch einen monatlichen Preisdeckel gibt es: Mehr als den Preis eines Deutschland-Tickets, also im Moment 63 Euro pro Monat, muss man nie bezahlen.

Ein paar Ausnahmen gibt es aber doch noch: Wer an einem Tag mehrmals in den ÖPNV einsteigt, ist mit einem klassischen 24-Stunden-Ticket oft günstiger unterwegs als im Eezy-Tarif. Das Gleiche gilt für Gruppen, die gemeinsam auf Reisen gehen.

Wer den Eezy-Tarif nutzen will, muss deutlich mehr Daten von sich preisgeben als bei den klassischen Tickets. So müssen Nutzer der App erlauben, den eigenen Standort immer zu erfassen - nicht nur, wenn man die App nutzt. Die Betreiber versichern allerdings, Standortdaten würden nur erfasst, während Fahrgäste eingecheckt sind.

Außerdem verbraucht die App Daten und Akku, während man unterwegs ist. Laut Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) fällt pro Stunde allerdings nur 1 MB Datenverbrauch an, beim Akku schlägt die App hingegen schon mit etwa 5 Prozent pro Stunde zu Buche. Und Vorsicht: Wem unterwegs der Akku leer geht, der wird bei einer Kontrolle erst einmal so behandelt, als habe er gar keinen Fahrschein.

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