12. Juli 2026 – dpa

Erdbeeren und Kirschen

Obst aus NRW steht in starker Konkurrenz zu Importware

Heimische Erdbeeren und Kirschen aus NRW sind gefragt. Doch günstige Importware und hohe Kosten setzen den Obstbauern zu. Auch der Klimawandel bringt Herausforderungen.

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Sauerkirschen aus Deutschland haben es nach Angaben der NRW-Landwirtschaftskammer zunehmend schwer gegen die Konkurrenz aus der Türkei. (Archivbild)

Ob Erdbeeren, Kirschen oder Äpfel: Bei den Obstbauern in Nordrhein-Westfalen zeichnet sich für dieses Jahr im Großen und Ganzen eine gute Ernte ab. «Im Frühjahr waren die Blühbedingungen für die meisten Obstkulturen günstig», sagt Sarah Meyer, Referentin für Obstbau bei der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen.

Die Kirschblüte sei in eine trockene Phase gefallen, anschließend habe Regen die Entwicklung der Früchte gefördert. Bei den Äpfeln habe es im Rheinland zwar örtlich Hagelschäden gegeben. «Auf ganz NRW bezogen wird dennoch eine solide Ernte mit guten Fruchtgrößen erwartet», sagt Meyer.

«Die Erdbeeren konnten durch den vergleichsweise kalten Winter viele Kältestunden sammeln. Das ist wichtig, damit die Pflanzen später gut austreiben», erklärt die Expertin. Bis Ende Oktober könnten Verbraucher noch Erdbeeren aus heimischem Anbau kaufen. «Da hat sich in der Züchtung viel getan, so dass auch die späten Erdbeeren inzwischen einen guten Geschmack haben.»

Doch viele Betriebe hätten mit steigenden Kosten und günstiger Konkurrenz aus dem Ausland zu kämpfen. Bei den Kirschen hätten die großen Supermarktketten zuletzt stark auf günstige Importware aus der Türkei gesetzt. «Heimische Kirschen wurden im Supermarkt teilweise erst sehr spät angeboten, in manchen Supermärkten tauchen heimische Kirschen auch gar nicht mehr auf», sagt Meyer.

Vor allem der Mindestlohn und ein hoher bürokratischer Aufwand machten es den heimischen Produzenten schwer, gegen die Konkurrenz aus dem Ausland zu bestehen. «Obstkulturen sind sehr arbeitsintensiv. Das macht den heimischen Anbau teurer.»

Bei Heidelbeeren oder Himbeeren seien viele Verbraucher inzwischen auch das ganzjährige Angebot aus Südamerika gewohnt, so dass kaum noch bewusst wahrgenommen werde, wenn im Sommer heimische Beeren auf den Markt kommen.

Ein Problem für den Obstanbau ist der Klimawandel mit hohen Temperaturen und wenig Niederschlag. «Die meisten Obstarten, zum Beispiel Erdbeeren, Himbeeren oder Äpfel, können Sonnenbrand bekommen und vertragen extrem heiße Sommertage nicht so gut», sagt Meyer.

Dafür funktioniert plötzlich der Anbau von Aprikosen in Nordrhein-Westfalen. Zwar gebe es bislang nur kleine Spezialkulturen - dort werde es aber im zweiten Jahr in Folge eine gute Ernte geben. «Trotz des Klimawandels bleibt der Aprikosenanbau aber riskant - Blütenfröste können die Ernte noch deutlich stärker beeinträchtigen als bei den heimischen Obstarten.»

Um unabhängiger von Witterungseinflüssen zu sein, setzen viele Landwirte zunehmend auf einen geschützten Anbau unter Folie. Das habe etwa bei Erdbeeren auch den Vorteil, dass die Pflanzen in Substratkästen über dem Boden angebaut werden können. Das mache vor allem die Ernte deutlich leichter, erklärt Meyer. «Erdbeeren pflücken auf dem Feld ist eine mühselige Arbeit. Wenn man stattdessen anbieten kann, auf Körperhöhe ergonomisch zu arbeiten, ist es auch viel leichter, Erntehelfer zu bekommen.»

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