20. August 2026 – dpa
Nach einer bewegten Saison soll Carles Martínez bei Bayer Leverkusen neue Impulse setzen. Im DFB-Pokal steht der Spanier vor seinem ersten Pflichtspiel als Bayer-Coach. Gelingt ihm der Neustart?
Nach 40 Tagen im Amt beginnt für Carles Martínez bei Bayer Leverkusen der Ernst des Fußballlebens. Im DFB-Pokal gegen den Drittligisten SV Wehen Wiesbaden bestreitet der 42-Jährige an diesem Samstag (13.00 Uhr/Sky) sein erstes Pflichtspiel als Bayer-Trainer. Für den Spanier ist die Erstrundenpartie in der hessischen Landeshauptstadt der erste wichtige Gradmesser seiner noch jungen Amtszeit.
Einen Eindruck davon, wie Martínez die Werkself führen will, haben die Vorbereitung und die Testspiele der vergangenen Wochen bereits vermittelt. Auf dem Trainingsplatz tritt er mit viel Energie auf, korrigiert Abläufe, ruft lautstark Anweisungen und legt großen Wert auf Details. Auch an der Seitenlinie dirigiert er mit intensiven Gesten und klaren Kommandos. Er wirkt wie ein Taktgeber, der das Spiel seiner Mannschaft aktiv gestalten und in jeder Phase lenken will.
Unbestritten ist dabei ein Hauch von Leverkusens Double-Trainer Xabi Alonso zu spüren. Doch eine Kopie seines Landsmanns will Martínez ausdrücklich nicht sein. «Weder will ich Xabi Alonso sein, noch werde ich je Xabi Alonso sein. Ich bin Carles Martínez. Authentizität ist das Wichtigste», sagte er kürzlich in einem Interview mit der «Süddeutschen Zeitung». Dennoch wolle er auch die Erfahrungen ehemaliger Alonso-Mitarbeiter in seinem Trainerstab nutzen.
So groß die Parallelen zu Alonso auf den ersten Blick erscheinen mögen, so verschieden sind die Werdegänge der beiden Spanier. Alonso war als Spieler ein Weltstar und Mittelfeldstratege, Martínez spielte nie als Profi. Schon mit 16 Jahren begann er als Jugend-Trainer und machte sich neben seinem Engagement zuletzt beim FC Toulouse vor allem im Nachwuchs des FC Barcelona einen Namen. Die Bundesliga ist für den Katalanen nun Neuland.
Nach einer unruhigen und enttäuschenden Saison mit dem frühen Aus von Trainer Erik ten Hag und der verpassten Champions-League-Qualifikation unter Nachfolger Kasper Hjulmand steht der neue Coach in Leverkusen von Beginn an unter Druck. «An Talent fehlt es dieser Mannschaft nicht. Ob das am Ende für die Top-Vier in der Bundesliga reicht, für eine weite Reise in der Europa League oder für den Pokalsieg - das wird sich zeigen», betonte Martínez.
Einen Umbruch wie im Sommer 2025, als Alonso, Florian Wirtz und Co. den Verein verließen, blieb Bayer diesmal erspart. Abgeschlossen ist der Kaderumbau aber noch nicht. Die Neuzugänge Facundo Medina und Miguel Gutiérrez könnten Abgang Alejandro Grimaldo ersetzen, Afonso Moreira zusätzliche Optionen für die Offensive bieten. Hoffnungsträger Kennet Eichhorn fällt aus gesundheitlichen Gründen dagegen bis auf weiteres aus.
Martínez wird sich daran messen lassen müssen, ob es ihm gelingt, die talentierten Spieler, etablierten Kräfte und aufstrebenden Neuzugänge zu einer schlagkräftigen Einheit zu formen und die vergangene Saison fehlende Konstanz zurückzubringen. Ein anderer Spanier hat in Leverkusen vorgemacht, wie aus einer Idee eine Erfolgsgeschichte werden kann. Martínez will nun seine eigene Geschichte schreiben. Das erste Kapitel dafür startet in Wiesbaden.