11. August 2026 – dpa

Strafprozess

Mordkomplott mit viel Gift wird BGH beschäftigen

Zwei Frauen mussten sich in Wuppertal für eine Reihe von Giftanschlägen auf den Ehemann der einen verantworten. Gegen das Urteil ziehen sie nun in die Revision.

ojup2rksym-v4-ax-s2048.jpeg
Gericht verhängt lebenslange Haft - Angeklagte gehen in Revision. (Archivbild)

Das Mordkomplott von Velbert mit einer Serie von Giftanschlägen zweier Frauen auf den Ehemann der einen wird den Bundesgerichtshof beschäftigen. Für beide Angeklagte sei Revision eingelegt worden, teilte eine Sprecherin des Wuppertaler Landgerichts auf dpa-Anfrage mit.

Das Gericht hatte die Ehefrau und die Geliebte des Opfers, das den letzten Anschlag nur knapp überlebt hatte, schuldig gesprochen: Die 59-jährige Ehefrau wurde wegen versuchten Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt, ihre 60-jährige Freundin aus Fürth in Bayern, eine frühpensionierte Lehrerin, die eine Affäre mit dem Mann hatte, zu vier Jahren Haft wegen Beihilfe.

Sein Lieblingsgericht Bohnen mit Speck hätte dem 57-Jährigen beinahe das Leben gekostet. Zuvor waren eine Reihe von Versuchen, ihn umzubringen, unbemerkt geblieben. Nur einmal war dem Mann nach einem Vergiftungsversuch übel geworden, Argwohn hatte er dabei aber nicht geschöpft.

Beide Frauen hatten sich angefreundet. Die 60-Jährige aus Fürth hatte für ihre Freundin das Gift, Blauen Eisenhut, im Onlinehandel bestellt. Auslöser soll die neue Freundin des Ehemanns gewesen sein. Er war mit ihr bereits zusammen gezogen und hatte angekündigt, sich scheiden lassen zu wollen.

Dem Gericht lag die gesamte Chat-Kommunikation beider Frauen vor, mit der sie die Giftanschläge wochenlang besprochen und geplant hatten. Die 60-Jährige aus Bayern hatte beim Prozessauftakt gestanden, das Gift für ihre Freundin aus Velbert besorgt zu haben.

Deren Mordpläne habe sie aber für bloßes Geschwätz gehalten, hatte sie behauptet. Wegen ihrer Krebserkrankung und ihres immensen Alkoholkonsums von zwei Flaschen Wein am Tag sei ihr Urteilsvermögen damals getrübt gewesen.

Laut Anklage hatte die Hauptangeklagte ihrem Mann wiederholt und über mehrere Wochen hinweg zermahlene Pflanzensamen sowie später Bestandteile des hochgiftigen Blauen Eisenhuts in Bier und Speisen gemischt.

Anfang November 2025 war der Mann nach dem Verzehr seines Lieblingsgerichts, weiße Bohnen mit Speck, mit schweren Vergiftungserscheinungen in ein Krankenhaus gebracht worden. Er musste in ein künstliches Koma versetzt werden und befand sich zeitweise in Lebensgefahr.

Spezialisten konnten später in den Essensresten im Magen Spuren des hochgiftigen Blauen Eisenhuts nachweisen. Die Pflanzenart gehört wegen des Stoffs Aconitin zu den giftigsten Europas.

Durchsuchungen und Auswertungen des Handys der 59-Jährigen erhärteten den Verdacht, dass sie das Essen mit Gift präpariert hatte. Beide Frauen, deutsche Staatsbürgerinnen, kamen in Untersuchungshaft. Der Frau aus Bayern droht nun zusätzlich zur Haftstrafe der Verlust ihrer Beamtenpension, wenn das Urteil rechtskräftig wird.

Weitere Meldungen

undefined
Antenne Niedersachsen
Audiothek