03. November 2026 – dpa
Zum Jahreswechsel wird das Briefporto so stark steigen wie noch nie. Muss das sein? Ein Bonner Expertengremium hat dazu eine klare Meinung: Nein, das muss nun wirklich nicht sein.
Die geplante Anhebung des Briefportos stößt bei der Monopolkommission auf Ablehnung. Das Porto dürfe nicht so stark steigen, erklärte der Vorsitzende des Beratungsgremiums der Bundesregierung, Tomaso Duso. «Die Bundesnetzagentur erkennt zu viele Kosten der Deutschen Post als sogenannte Lasten an - die Folge ist ein überhöhtes Porto.»
Damit könne die Deutsche Post andere Geschäftsbereiche zum Nachteil des Wettbewerbs mitfinanzieren, moniert der Wirtschaftsprofessor und empfiehlt der Bundesnetzagentur, besagte Lasten strenger zu prüfen. «Es sollte sichergestellt werden, dass Kundinnen und Kunden nur notwendige Lasten tragen.» Die Postversorgung in ländlichen Bereichen würde dadurch nicht gefährdet.
Die Bundesnetzagentur möchte der Post erlauben, ihr Briefporto um etwa ein Fünftel anzuheben - so stark war die Teuerung noch nie. Nun plant die Post, den Preis für den Versand eines Standardbriefs im Inland zum Jahreswechsel um 20 Cent auf 1,15 Euro zu verteuern. Auch das Porto für die Postkarte, den Kompakt-, Groß- und Maxi-Brief soll deutlich steigen.
Bei der Berechnung des Briefportos darf die Post bestimmte Kosten - auch Lasten genannt - einbeziehen. Je mehr Lasten geltend gemacht werden können, desto höher fällt das Porto aus, das die Bundesnetzagentur freigibt. Nach Einschätzung der Monopolkommission sollte die Regulierungsbehörde aber strenger hinschauen und bestimmte Lasten streichen, wodurch das Porto nicht so hoch ausfallen würde.
Der Sozialverband Deutschland (SoVD) forderte die Bundesregierung auf, die Kritik der Monopolkommission ernst zu nehmen. «Es kann nicht sein, dass Verbraucherinnen und Verbraucher für fragwürdige Kostenpositionen zur Kasse gebeten werden», sagte die Verbandsvorsitzende Michaela Engelmeier.
«Eine Erhöhung des Briefportos um mehr als 20 Prozent würde gerade ältere, chronisch kranke und mobilitätseingeschränkte Menschen zusätzlich belasten, denn sie können häufig nicht auf digitale Angebote ausweichen.» Besonders bei Behördenangelegenheiten und wichtigen persönlichen Schreiben seien viele Menschen auf den klassischen Postweg angewiesen, heißt es vom SoVD.
Im Digitalzeitalter sinkt die Briefmenge stark, weil die Menschen und Firmen immer stärker auf eine digitale Kommunikation setzen, ob per Mail oder Chatnachricht. Daher steigen die sogenannten Stückkosten - die Beförderung und Zustellung eines Briefs wird teurer, da sich die Kosten für das Personal, die Infrastruktur und die Energie auf weniger Sendungen verteilen. Die Post darf das Porto nicht eigenständig erhöhen, vielmehr ist sie auf die Zustimmung der Regulierungsbehörde Bundesnetzagentur angewiesen. Eine finale Absegnung des für die Jahre 2027 und 2028 gültigen Briefportos steht noch aus.
Die Deutsche Post ist auf dem Briefmarkt mit großem Abstand Marktführer, ihre kleinen Wettbewerber haben einen schweren Stand. Im Paketsegment wiederum ist der Vorsprung von DHL, zu dem die Deutsche Post gehört, nicht so groß wie im Briefbereich.