30. September 2026 – dpa
Weitere bis zu 15 Jahre lang wird sich der deutsche Baukonzern Hochtief um die britische Atomanlage Sellafield kümmern. Der Wert des Rahmenvertrags könnte bei 1,75 Milliarden Euro liegen.
Die britische Atomanlage Sellafield bleibt auch in den kommenden Jahren ein großer Kunde des deutschen Baukonzerns Hochtief. Man habe einen umfangreichen langfristigen Rahmenvertrag im Wert von bis zu 1,5 Milliarden britischen Pfund erhalten, teilte Hochtief in Essen mit. Umgerechnet sind dies rund 1,75 Milliarden Euro. Der Vertrag mit der Konzern-Tochter Hochtief Infrastructure sehe den Betrieb, die Instandhaltung und die Weiterentwicklung des größten und komplexesten Nuklearstandorts Großbritanniens vor.
Der Vertrag habe eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren, bestehend aus neun Jahren Grundlaufzeit und einer sechsjährigen Verlängerungsoption, hieß es. Er löse einen früheren Rahmenvertrag ab. Hochtief werde ein breites Spektrum an Dienstleistungen erbringen, darunter etwa Installation, Anlagenpflege oder Projektsteuerung. Ein Großteil der Arbeiten werde in Bereichen mit laufendem Betrieb und strahlenschutzüberwachten Umgebungen durchgeführt.
Sellafield liegt im Nordwesten Englands an der Irischen See. Die Anlage gehört der britischen Behörde für die Stilllegung und den Rückbau von Nuklearanlagen (Nuclear Decommissioning Authority, NDA). Auf dem Gelände befindet sich das stillgelegte Kernkraftwerk Calder Hall, das 2003 stillgelegt wurde. Seitdem wird laut britischem Office for Nuclear Regulation (ONR) auf dem Gelände kein Strom mehr erzeugt.
Seit 2022 werden in Sellafield auch keine Kernbrennstoffe mehr wiederaufbereitet. Weiterhin werden dort Atomabfälle gelagert. Der Fokus der Betreibergesellschaft liegt laut ONR jetzt auf Sanierung und Rückbau der kerntechnischen und sonstigen Anlagen auf dem Gelände sowie der sicheren Lagerung von Atomabfällen.
Hochtief-Vorstandschef Juan Santamaría äußerte sich erfreut über den neuen Vertrag. Dies unterstreiche die starke Positionierung von Hochtief im Nuklearsektor, sagte er laut der Mitteilung. «Nukleare Infrastruktur ist ein
bedeutender Wachstumsmarkt mit hohem langfristigem Potenzial.»
Hochtief gehört mehrheitlich dem spanischen Bau- und Infrastrukturriesen ACS. Seit dem 22. Juni wird das Unternehmen mit Sitz in Essen im Börsensegment Dax gelistet. Vorstandschef Santamaría ist auch CEO von ACS.