27. September 2026 – dpa

Entscheidung zu Olympia

München statt Köln: Das bedeutet die Olympia-Wahl für NRW

Nicht mit Köln-Rhein-Ruhr, sondern mit München bewirbt sich Deutschland um Olympische und Paralympische Spiele. Wie wirkt sich die Entscheidung auf Nordrhein-Westfalen aus?

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NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur hätte sich ein anderes Ergebnis gewünscht.

Bei der «Watch-Party» in Köln gab es traurige Gesichter, in Baden-Baden zeigte sich Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst als fairer Verlierer. Deutschland geht nicht mit Köln-Rhein-Ruhr, sondern mit München als Kandidat für Olympische und Paralympische Spiele 2036, 2040 oder 2044 ins Rennen.

«Wir haben ein tolles Konzept hingelegt. Wir waren in vier von sieben Bewertungskategorien vorn, in der Gesamtbewertung München eine Nasenspitze», sagte Wüst. Sehr stolz auf den gemeinsam gegangenen Weg sei er trotzdem. Wüst will mit seinen Kollegen nun München unterstützen. «Wir wollen gemeinsam Olympische Spiele nach Deutschland holen. Das ist unsere gemeinsame Aufgabe, da legen wir uns jetzt voll ins Geschirr», sagte er.

Selten genug: Beim Thema Olympia-Bewerbung zogen die meisten Parteien in NRW an einem Strang. Auch die Politik hatte auf einen Image-Gewinn und einen Aufschwung für das seit Jahrzehnten mit dem Strukturwandel kämpfende Bundesland gehofft. Lediglich die AfD hatte schon früh gegen eine «Steuerverschwendung für Träumereien» votiert. Rund 15 Millionen Euro haben allein die Durchführung der Ratsbürgerentscheide sowie Konzept und Bewerbungskampagne gekostet.

Wüst hatte sich unheimlich weit für die Olympia-Bewerbung aus dem Fenster gelehnt. Über kaum ein anderes Thema hatte der CDU-Politiker in den vergangenen Monaten öfter und leidenschaftlicher gesprochen und dabei mit Superlativen nicht gespart: «Mit Köln-Rhein-Ruhr wären es die größten Spiele aller Zeiten» und die möglichen Ticketverkäufe wären «Weltrekord». Diese Seifenblase ist nun geplatzt.

Mehr als ein Kratzer im Lack wird bei Wüst aber nicht bleiben. Den hohen politischen Marktwert des derzeit heiß als «Reserve-Kanzler» gehandelten 51-Jährigen kann das nicht schwächen - zumal die SPD-Oppositionsführerin auch für Olympia in NRW war.

In Köln als zentraler Stadt der Bewerbung war viel geplant. Die Stadt hatte vorgesehen, die Leichtathletik-Wettkämpfe in einem temporären Stadion im neu geplanten Stadtteil Köln-Kreuzfeld auszutragen. Dort sollte auch ein Olympisches und Paralympisches Dorf für Athletinnen und Athleten entstehen.

Der Innenraum des Leichtathletikstadions sollte nach den Spielen zu einem öffentlichen Park werden. Die dann ehemaligen Tribünen waren als «Flächen für Wohnen, Bildung, soziale Infrastruktur sowie Sport- und Freizeitangebote» geplant, wie aus dem Konzept zur Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele hervorgeht. Aus dem Dorf sollte nach den Spielen Wohnraum für 10.000 Menschen mit etwa 3.500 Wohneinheiten entstehen.

Die städtebaulichen Planungen für Köln-Kreuzfeld seien durch das Aus der Bewerbung jetzt nicht grundsätzlich hinfällig, heißt es von der Stadt. Es bestehe weiterhin die Möglichkeit, «das stabile Grundgerüst der vorliegenden städtischen Planung des neuen Stadtteils Kreuzfeld weiter auszuarbeiten und in verbindliches Planungsrecht über die Aufstellung von Bebauungsplänen zu überführen», wie ein Pressesprecher der Stadt Köln auf dpa-Anfrage mitteilte.

Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) betonte nach der Entscheidung in Baden-Baden: «Dieser Weg endet für Köln heute ausdrücklich nicht. Die Bewerbung hat in unserer Stadt etwas ausgelöst. Sie hat Menschen zusammengebracht, neue Partnerschaften geschaffen, Ideen hervorgebracht und eine Aufbruchstimmung für den Sport erzeugt. Genau diese wollen wir bewahren.»

Für den Tourismus in Nordrhein-Westfalen bedeutet das Olympia-Aus vor allem eines: «eine verpasste Chance». So formuliert es Tonia Haag, Pressesprecherin des Landestourismusverbandes Tourismus NRW. Die Olympischen und Paralympischen Spiele an Rhein und Ruhr hätten Menschen mit unterschiedlichen Interessen und Hintergründen aus aller Welt in der Region zusammenbringen können.

Außerdem hätte der Tourismusverband rund um die Wettkämpfe für das Reiseland Nordrhein-Westfalen werben und zeigen können, welche Ausflugs- und Freizeitmöglichkeiten sich außerhalb der Wettkampfstätten bieten.

Man habe sich von den Spielen auch langfristige Effekte erhofft, erläutert Haag. Nordrhein-Westfalen wäre bei Menschen weltweit bekannter geworden, «nicht nur als ein tolles Sport-, sondern auch als erlebenswertes Reiseland». Diese ganz große internationale Bühne wird es nach dem Olympia-Aus nun nicht geben.

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