04. September 2026 – dpa

Nach der Hitzewelle

Lehren aus der Hitze 2026 im Gesundheits- und Pflegesystem

Nach dem heißen Sommer 2026 setzt NRW auf mehr Hitzeschutz in Kliniken und in der Pflege. Wie Patienten und Bewohner konkret profitieren.

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Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) stellt Kabinettsbeschlüsse vor. (Archivbild), Foto: Federico Gambarini/dpa

Die Landesregierung reagiert mit millionenschweren Förderprogrammen auf den heißen Sommer 2026 mit mehr als 3.000 Hitzetoten allein in Nordrhein-Westfalen. Profitieren sollen Pflege-Einrichtungen, Krankenhäuser, Wohngruppen für Menschen mit Behinderungen und die Kommunen. Was das Landeskabinett konkret beschlossen hat, stellte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) in Düsseldorf vor.

In Krankenhäusern soll für die Jahre 2027 bis Ende 2029 mit insgesamt 200 Millionen Euro ein Förderprogramm für Klima-Anlagen und andere Kühlsysteme sowie Verschattungen auf den Weg gebracht werden. Die Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen (KGNW) würdigte die Ankündigung als «bedeutsamen Einstieg in die Finanzierung eines umfassenden Hitzeschutzes in den Kliniken».

Derzeit verfügt nach Angaben der KGNW nur eins von zehn Patientenzimmern über eine Kühlung oder eine Klimaanlage. Aus einer den Angaben zufolge repräsentativen Umfrage unter ihren rund 320 Mitgliedskrankenhäusern gehe hervor, dass selbst bei den Notaufnahmen gut 40 Prozent nicht klimatisiert oder gekühlt seien.

Am besten sehe es in den OP-Sälen der Krankenhäuser aus, berichtete KGNW-Präsident Ingo Morell. Sie seien zu mehr als 96 Prozent komplett gekühlt oder klimatisiert. Auf den Intensivstationen stünden rund 82,6 Prozent der Intensivbetten in klimatisierten Räumen, weitere 8,8 Prozent der Betten in teilweise gekühlten Zimmern. Für fast 8,7 Prozent der Intensivbetten fehle jedoch noch eine Klimaanlage. Bei den Kreißsälen verfügten demnach zwei Drittel über eine Klimatisierung oder Kühlung, weitere 11 Prozent nur teilweise.

«Die Ergebnisse dieser Umfrage spiegeln den über Jahrzehnte entstandenen Investitionsstau der Krankenhäuser wider», bewertete Morell die Ergebnisse. Auf Bundesebene müsse nun sichergestellt werden, dass der durch Klimaanlagen und aktive Kühlung höhere Energiebedarf bei den steigenden Betriebskosten vollständig berücksichtigt werde.

«Grundsätzlich haben die über 2.260 Einrichtungen der stationären Dauerpflege und die über 160 Einrichtungen der stationären Kurzzeitpflege für eine den klimatischen Verhältnissen angepasste Innentemperatur zu sorgen», heißt es in einem Papier des NRW-Gesundheitsministeriums über «Lehren aus dem Sommer 2026». Es habe sich aber gezeigt, dass noch nicht alle Einrichtungen ausreichend auf Starkhitze-Tage vorbereitet seien. Deshalb sollen für die Jahre 2027 und 2028 insgesamt 50 Millionen Euro für ein Förderprogramm «Kühle Räume» zur Verfügung gestellt werden.

Auch für Menschen in Wohnangeboten der sogenannten Eingliederungshilfe muss der Hitzeschutz weiterentwickelt werden. Dafür hat die Sozialstiftung NRW ein Sonderprogramm mit einem Volumen von 20 Millionen Euro bereitgestellt. Damit könnten rechnerisch bis zu 30.000 Menschen in Gruppen von drei bis acht Personen in den verschiedenen Wohnformen erreicht werden, bilanzierte das Gesundheitsministerium.

Die Hitzewelle Ende Juni 2026 habe aufgezeigt, dass alleinstehende und einsame Personen mit Vorerkrankungen zu Hause besonders schwer zu schützen gewesen seien, weil sie von den bestehenden Hilfesystemen oft nicht erfasst würden. Dagegen soll mit «Hitze-Gesundheitsmanagern» angegangen werden, die vor Ort Kontakte zu solchen Risikogruppen suchen. Dafür sollen den Kommunen aus Mitteln des Paktes für den öffentlichen Gesundheitsdienst rund 36,6 Millionen Euro für drei Jahre zur Verfügung gestellt werden.

Die historische Hitzewelle dieses Jahres sei eine Zäsur, aus der Lehren zu ziehen seien, bilanziert das Gesundheitsministerium in seinem Bericht. «Hitzeschutz ist kein Randthema mehr, sondern Teil der Kernaufgaben in der Gesundheitsversorgung.»

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