30. September 2026 – dpa

Berliner Wohnungskrise

LEG-Chef sieht Enteignungsdebatte mit großer Sorge

Die LEG hat zwar keine Wohnungen in Berlin - Vorstandschef Lars von Lackum treibt die Diskussion aber trotzdem um. Bei einer Vergesellschaftung sieht er individuelle Freiheiten in Frage gestellt.

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Die LEG hat zwar keine Wohnungen in Berlin - die dortige Debatte um die Vergesellschaftung großer Bestände sieht er aber mit großer Sorge. (Archivbild)

Der Düsseldorfer Wohnimmobilienkonzern LEG besitzt zwar keine einzige Wohnung in Berlin, blickt aber mit großer Sorge auf die Enteignungsdebatte in der Bundeshauptstadt. «Meine Auffassung ist, dass Eigentum individuelle Freiheit garantiert», sagte Unternehmenschef Lars von Lackum in einem Interview der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX und der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Eigentum infrage zu stellen, führe auch dazu, dass man individuelle Freiheiten infrage stelle, sagte von Lackum weiter. Mit einer Vergesellschaftung von Wohneigentum würde ein ganz anderes Gesellschaftssystem geschaffen. Der Staat sei dann alleiniger Eigentümer von Wohnungen und für die Verteilung des weiterhin knappen Wohnraums verantwortlich.

Die Bundesregierung habe deutlich gemacht, dass sie per Gesetz solche Vergesellschaftungen in Bundesländern unterbinden wolle, sagte von Lackum weiter. «Ich vertraue in die Handlungsfähigkeit der Bundesregierung und gehe davon aus, dass sie dieses Gesetz dann auch zur Umsetzung bringt.»

Die LEG-Immobilien-Gruppe ist Deutschlands zweitgrößter Privatvermieter mit rund 171.000 Wohnungen, davon 136.000 in NRW. Das Unternehmen ist im Börsensegment MDax gelistet.

Auch internationale Investoren sorgten sich laut von Lackum um den Standort Deutschland. «Wenn ich in Melbourne oder in Hongkong oder in New York bei Investoren bin, lautet in den ersten zehn Minuten der Gespräche eine der häufig gestellten Fragen: Ist Deutschland inzwischen auf dem Weg in den Sozialismus?», sagte der Manager. Das sei etwas, was Investoren international sehr beschäftige und auf das sie eine klare Antwort erwarteten.

Der LEG-Chef rechnet aber nicht damit, dass sich die Enteignungsdebatte auf westdeutsche Bundesländer ausweiten wird, in denen der Konzern Immobilienbestände hat. In Berlin liege die Wohneigentumsquote nur bei etwa 18 Prozent, erläuterte der Firmenlenker. In den westdeutschen Bundesländern, in denen LEG aktiv sei, betrage die Eigentümerquote hingegen zwischen 46 und 54 Prozent. «Deswegen gehen wir nicht davon aus, dass es sogenannte Spillover-Effekte in den Bundesländern gibt, in denen wir aktiv sind», fügte er hinzu.

Die Bundesregierung will mit einem Gesetz verhindern, dass Bundesländer Mietwohnungsbestände von Konzernen in Gemeineigentum überführen können. Für die Linke, die bei der Abgeordnetenhauswahl in Berlin stärkste Kraft wurde, ist die Umsetzung ihres Vergesellschaftungsziels ein zentrales Anliegen. Das Projekt, von dem sich die Partei günstige Mieten erhofft, dürfte daher auch bei den von ihr angestrebten Koalitionsverhandlungen mit Grünen und SPD eine wichtige Rolle spielen. Ob der Bund Vergesellschaftungen per Gesetz unmöglich machen kann, ist umstritten.

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