15. Oktober 2026 – dpa
Beim Arztbesuch in der Essener Innenstadt wird ein Häftling gewaltsam befreit. Die Polizei warnt vor möglichen Waffen und bittet um Hinweise. Sie mahnt die Bevölkerung auch zur Vorsicht.
Nach der gewaltsamen Befreiung eines Häftlings beim Arztbesuch in Essen fahndet die Polizei mit zahlreichen Beamten nach dem 34-jährigen Geflüchteten und zwei maskierten Angreifern. Eine Bewaffnung der Täter könne nicht ausgeschlossen werden, erklärte die Polizei.
Sie leitete nach der Tat in der Essener Innenstadt am Mittwochmittag umfangreiche Fahndungsmaßnahmen mit einer Vielzahl von Einsatzkräften im Stadtgebiet ein. Außerdem veröffentlichte sie am Mittwochabend ein Foto des flüchtigen Häftlings und bat um Hinweise zum möglichen Aufenthaltsort.
Zwei bewaffnete Männer hatten die beiden Justizbeamten angegriffen, die den Häftling zu einem Arztbesuch begleiteten, wie die Ermittler mitteilten. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur wurden sie überwältigt und gefesselt. Nach Angaben der Polizei blieben die Justizbeamten unverletzt.
Der 34-Jährige und seine Helfer flüchteten in unterschiedliche Richtungen. Der Häftling suchte auf einem E-Scooter das Weite, wie die Ermittler bekanntgaben. Mitarbeiter einer Arztpraxis alarmierten nach dem Angriff die Polizei.
Nach Angaben des NRW-Justizministeriums saß der 34-Jährige wegen Drogendelikten und gefährlicher Körperverletzung in Untersuchungshaft. Er sollte aus der Justizvollzugsanstalt Essen zum Arzt gebracht werden. Nach dpa-Informationen ordnen ihn die Behörden dem Bereich Clankriminalität zu.
Als Clankriminalität bezeichnen die Behörden Straftaten, die sich aus ethnisch abgeschotteten Subkulturen heraus entwickeln. Meist stammen die Täter in Nordrhein-Westfalen aus türkisch-arabischstämmigen Großfamilien. Allerdings ist der Begriff umstritten, weil er nach Ansicht von Kritikern Menschen mit Migrationshintergrund alleine aufgrund ihrer Familienzugehörigkeit und Herkunft stigmatisiert und diskriminiert.
Die Ermittler mahnen die Bevölkerung zur Vorsicht. «Sollten Sie eine verdächtige Person bemerken, sprechen Sie sie nicht an! Rufen Sie umgehend die 110 an. Derzeit kann eine Bewaffnung der Täter nicht ausgeschlossen werden», schrieb die Polizei auf der Online-Plattform X.
Der Tatort liegt am Kennedyplatz, einem der größten Plätze in der Essener Innenstadt. Er ist umgeben von zahlreichen Restaurants und Cafés, regelmäßig finden dort Märkte und große Veranstaltungen statt. Auch zahlreiche Arztpraxen sind rund um den Platz angesiedelt.