23. Oktober 2026 – dpa

Mit dem Brecheisen

Hochsaison der Einbrecher - was die Polizei gerade jetzt rät

Der Dezember ist der Einbruchsmonat Nummer 1 in NRW. Aber auch schon in den Wochen zuvor steigen die Fälle deutlich an. Warum Einbrecher häufig das Schlafzimmer aufsuchen.

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Mit einem Schraubendreher wird ein Fenster aufgehebelt. (gestellte Szene)

Bei einem Einbruch geht nicht nur um den materiellen Schaden, sondern auch um psychische Folgen. «Ich habe das erlebt», sagt Polizeipräsidentin Miriam Brauns. Als Einbrecher ihre Studentenwohnung durchwühlten, blieb mehr als ein flaues Gefühl zurück. «Man hat halt an den Fußspuren gesehen, genau wo sie langgegangen sind, an welche Schränke sie gegangen sind, sodass ich das wirklich tatsächlich noch lange im Kopf hatte», schildert sie.

Die Hochsaison der Einbrecher hat begonnen. Mit der längeren Dunkelheit gehen die Zahlen jedes Jahr nach oben. Der Dezember ist mit rund 4.000 Fällen der Monat mit den meisten Einbrüchen und Einbruchsversuchen in NRW. Pro Tag sind das dann 129 Fälle, im Jahresdurchschnitt sind es 75 pro Tag. Das Landeskriminalamt NRW verzeichnete 2025 insgesamt 27.530 Fälle. In fast jedem zweiten Fall blieb es bei dem Versuch der Einbrecher, Beute zu machen.

Dunkle Wohnungen und dunkle Ecken, in denen die Täter ungestört sind, sind das eine. Eine größere Täterzahl ist das andere. Sandra Reuter, Leiterin des Kriminalkommissariats 14 in Düsseldorf, schildert, dass zu regional agierenden Einbrechern hochprofessionelle, international arbeitende Banden hinzukommen, die für den Anstieg im Winter verantwortlich seien. Sie stammten zumeist aus Südosteuropa und reisten für die Einbrüche ein.

Die NRW-Polizei klärte 2025 knapp 3.300 und damit rund 12 Prozent der Fälle auf. Von den gut 3.000 Tatverdächtigen hat jeder zweite nicht die deutsche Staatsbürgerschaft. Nach LKA-Angaben werden Computermodelle mit Daten gefüttert, die als «schwache KI» Prognosen erstellen. Auf dieser Basis könne die Polizei gezielt Präsenz zeigen. Aber auch Zivilstreifen seien unterwegs.

«Das ist immer noch die eierlegende Wollmilchsau in der Sicherung von Türen», sagt Kriminalhauptkommissarin Melanie Dahmen bei der Demonstration eines Tür-Querriegels. Diese mechanische Sicherung sei schon von außen gut sichtbar und lasse so den einen oder anderen Täter weiterziehen. Vor einem Einbau eines Querriegels sollten Mieter den Eigentümer um Erlaubnis fragen. An den Fenstern könnten Pilzkopfzapfen für deutlich mehr Sicherheit sorgen.

Es gehe darum, «dass wir nämlich den Tätern das wegnehmen im Vorfeld, was sie nicht haben, und das ist Zeit». Mechanischen Sicherungen könnten dafür sorgen, dass eine Tür oder ein Fenster einen erheblichen Widerstand bietet. Zusätzlich könne man mit Licht Anwesenheit simulieren. Außerdem seien elektronische Sicherungen, Videoüberwachung oder Alarmanlagen möglich.

«Es ist tatsächlich erschreckend, in wie vielen Häusern noch wirklich sehr alte Fenster sind, die schlecht gesichert sind», betont sie. Dahmen greift zu einem Schrauberzieher und hat sekundenschnell ein Demo-Fenster mit einfachen Rollzapfen geöffnet. «Das ist im Prinzip ähnlich wie der Schlüssel unter der Fußmatte, eine wunderbare Einladung, denn das hält einen Täter nicht wirklich lange auf.» Das Fenster mit Pilzkopfzapfen bekommt sie selbst per Brechstange nicht auf.

Es geht auch um die Befürchtung von Senioren, dass der Rettungsdienst nicht mehr in eine so gut gesicherte Wohnung kommt: Beraterin Dahmen verweist darauf, dass die Feuerwehr etwa mit Hydraulik-Spreizern über ganz andere Möglichkeiten verfüge. «Ich weiß, dass sich da viele auch die Sorgen machen, aber das ist letztendlich auch die Entscheidung eines jeden Einzelnen. Möchte ich meine Wohnung gegen Einbruch schützen oder ist für mich die Priorität, wenn es mir schlecht geht, darf jemand schnell reinkommen?»

Mechanischer Schutz, Alarmanlage und Co. kosten Geld. Das können inklusive des angeratenen fachmännischen Einbaus dreistellige oder vierstellige Euro-Beträge sein. Was kein Geld kostet, ist die Achtsamkeit, das Aufeinander aufpassen, das Miteinander, lautet unisono der Rat. Dabei geht es nicht nur darum, den Briefkastens des gerade verreisten Nachbarn zu leeren.

In Mehrfamilienhäusern sollte darauf geachtet werden, wer ins Haus gelassen wird. «Alle sollten die Gegensprechanlage benutzen, egal ob mit oder ohne Video. Das ist extrem wichtig», heißt es. Nur weil jemand klingelt, müsse nicht einfach der Türöffner betätigt werden. «Ist es wirklich der Paketbote?» Die Bewohner sollten auch schauen, ob die Person wieder das Haus verlässt.

Sofort die 110 wählen und nicht die Konfrontation suchen, rät die Polizei - auch wenn Einbrecher in der Regel nicht mit Messern oder Schusswaffen bewaffnet seien. Die Einbrecher wollten schnell Beute machen und verschwinden. «Lassen Sie die laufen, wir versuchen, sie im Nachgang zu kriegen», heißt es dazu.

Meist seien die Diebe bei einem Einbruch nur wenige Minuten in der Wohnung und hätten es auf leicht zu transportierende Wertsachen wie Schmuck oder Gold und Geld abgesehen. Eine der Düsseldorfer Beamtin sprach von 7 bis 12 Minuten. Wer ein komisches Geräusch hört, sollte Licht und Krach machen.

Die NRW-Polizei empfiehlt das Internetportal https://www.k-einbruch.de mit einer breiten Palette von Informationen vom Einbruchschutz, über die Suche von Herstellern oder von Fachbetrieben bis ihn zum Vorgehen, wenn man Opfer eines Einbruchs geworden ist. Außerdem gibt es etwa das Opferschutzportal NRW, das auf Beratungsstellen und Unterstützungsangebote hinweist.

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