14. August 2026 – dpa
Menschen ohne festen Wohnsitz leiden besonders unter der Sommerhitze. Streetworker fordern mehr Unterstützung und einen Hitzeplan von der Bundesregierung.
Mehrere Männer stehen an einem Sommermorgen in einer Reihe vor dem Kältebus in der Duisburger Innenstadt. Susanne Wittenborn und Volker Hirschfeld vom Verein Gemeinsam gegen Kälte Duisburg bieten ihnen frisch belegte Brötchen und Getränke an. «Zu jedem Kaffee reichen wir eine Flasche Wasser», sagt Wittenborn. Viele Obdachlose seien dehydriert.
Die Hitze sei für die Menschen auf der Straße enorm belastend - aber auch für die Helfer, sagt Wittenborn. Trotz Zuschüssen des Landes Nordrhein-Westfalen und Spenden reiche das Geld nicht. Aus ihrer Sicht muss sich dringend etwas ändern.
Die Schubladen des weißen Bullis vor dem Duisburger Schäferturm sind gut gefüllt: Kisten mit Sonnenmilch, Kopfbedeckungen, leichter Sommerkleidung und dünnen Schlafsäcken sind darin verstaut. Von montags bis donnerstags fährt der Kältebus ab 9.00 Uhr drei Orte in Duisburg an. «Uns ist wichtig, die Menschen zu erreichen, die nicht zu den Hilfsstationen kommen», erläutert Wittenborn. «Dafür müssen wir selbst auf die Straße.»
Dabei gehe es nicht nur um die Versorgung mit Lebensmitteln und Kleidung, sagt die Streetworkerin. Wittenborn und Hirschfeld wollen für die Menschen verlässliche Ansprechpartner sein. «Wir versuchen, mit Betroffenen ins Gespräch zu kommen, sie zu beraten und zu unterstützen.»
Seit mehr als 25 Jahren ist der Bulli in Duisburg unterwegs. Bis zu 70 Menschen nutzen täglich das Angebot. Der Name sei metaphorisch zu verstehen, sagt Wittenborn: Er spiele auf die soziale Kälte innerhalb der Gesellschaft an.
Die Hitzewellen im Sommer dieses Jahres stellen nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) eine extreme Wärmebelastung für Menschen dar. Sie werden heißer und dauern länger an, wie es in einer Mitteilung des DWD heißt. In Städten sei die Belastung höher als auf dem Land. Für obdachlose Menschen seien die extremen Temperaturen ein besonderes Risiko.
Das beobachtet auch Iris Niewind vom Wetterschutzteam in Münster. Krankheiten seien unter solch hohen Temperaturen schwerer zu bewältigen, sagt sie. Auch Wunden würden sich leichter entzünden. Das Wetterschutzteam fahre Orte in der Münsteraner Innenstadt an, an denen sich vermehrt obdachlose Menschen aufhielten, so Niewind. Die Helfer verteilten Wasser, Kühlhandtücher und Sonnencreme.
In Düsseldorf ist bei der Hitze ein Team des Gute-Nacht-Busses unterwegs, das bedürftigen Menschen in der Innenstadt zur Seite steht. Die Herausforderung: Immer mehr Menschen sind betroffen, wie Leiter Nikolai Karrasch mitteilt. Die Folge: weniger Zeit und Ressourcen für einzelne Betroffene.
Ein großes Problem für obdachlose Menschen seien fehlende Rückzugsorte, sagt Wittenborn. «In der Stadt gibt es kühle Orte wie Einkaufszentren oder Museen - aber nicht für unsere Klientinnen und Klienten.»
Sonnensegel und zusätzliche öffentliche Trinkbrunnen könnten aus ihrer Sicht Abhilfe schaffen. Auch Bänke sollten verstärkt an schattigen Plätzen stehen. Für die Umsetzung solcher Maßnahmen seien die Kommunen zuständig, denen jedoch das Geld dafür fehle, sagt die Duisburgerin.
Das NRW-Sozialministerium hat das Budget für den Hitzeschutz von Wohnungs- und Obdachlosen nach eigenen Angaben erst kürzlich verdoppelt. In diesem Jahr sei die Fördersumme auf 500.000 Euro erhöht worden, teilte eine Sprecherin mit. Zuvor habe die Landesregierung seit 2022 jährlich 250.000 Euro zur Verfügung gestellt.
Als wohnungslos gelten alle Menschen ohne eigenen Mietvertrag. Bei Obdachlosigkeit haben Betroffene gar kein Dach über dem Kopf. 2025 profitierten insgesamt 200 Träger und Initiativen der Wohnungslosenhilfe von der Förderung, wie die Sprecherin weiter mitteilte.
Je nach Initiative finanzieren sich die Projekte durch Spenden und Zuschüsse von Kommunen und des Landes Nordrhein-Westfalen. Planbar seien die Einnahmen allerdings kaum, sagt Wittenborn. Sowohl die Höhe der Spenden als auch die Zuschüsse des Landes variierten. Genug sei es jedoch selten. «Natürlich reicht das Geld nicht», sagt Wittenborn.
Ähnlich sieht es Niewind in Münster. «Es fehlt ganz viel Geld im Bereich der sozialen Arbeit», sagt sie. Mehr finanzielle Mittel würden laut Karrasch, dem Leiter des Gute-Nacht-Busses in Düsseldorf, mehr Fachpersonal und Kapazitäten bedeuten.
Die Höhe der Förderung hängt laut Ministerium von dem Bedarf ab, den die Initiativen und Träger nachweisen müssen. Eine weitere Erhöhung der Fördermittel soll es zunächst nicht geben.
Wittenborn und Niewind fordern langfristig einen bundesweit einheitlichen Hitzeplan. Die Bundesregierung müsse sich bewusst machen, wie dramatisch die Situation für vulnerable Menschen sei, sagt Wittenborn.
Niewind versteht die derzeitige Hilfe in erster Linie als eine Bekämpfung der Symptome. Menschen, die bereits von den Folgen der Hitze betroffen sind, würden versorgt. Langfristig seien Präventionsmaßnahmen jedoch effektiver, die verhinderten, dass Menschen überhaupt in prekäre Situationen gerieten.