29. Juli 2026 – dpa

Rhein wird immer schmaler

Erneute Hitzewarnung - Rhein droht vielerorts Rekordtief

Die Hitze macht den Menschen zu schaffen. Zugleich sorgt die Trockenheit für Tiefstände am Rhein: An mehreren Pegeln werden Rekordwerte erwartet. Wie sich das auf Schifffahrt und Fährbetrieb auswirkt.

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Angesichts der Hitzewellen ist in NRW laut Gesundheitsminister ein Förderprogramm in Arbeit. (Archivbild) , Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Kaum Abkühlung in der Nacht mit Tiefstwerten von teilweise über 20 Grad und erneut bis zu 37 Grad Hitze am Tag: Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt auch für Donnerstag die Menschen vielerorts in Nordrhein-Westfalen vor einer starken Wärmebelastung.

Ab Donnerstagnachmittag sind der Prognose zufolge von Westen her Schauer und Gewitter mit Starkregen und schweren Sturmböen zu erwarten. Vorwiegend im Osten von NRW seien örtlich orkanartige Böen und Hagel möglich. Damit ist eine Abkühlung verbunden. Auch nachts wird es kühler.

Die Landesregierung stellt weitere 250.000 und damit insgesamt 500.000 Euro in diesem Jahr für den Hitzeschutz von Obdach- und Wohnungslosen bereit. Initiativen könnten so etwa Sonnenschutzmittel und Wasserflaschen kaufen.

In den Krankenhäusern in NRW seien «in der Regel» keine Klimaanlagen vorhanden, sagte Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) im WDR-«Morgenecho». «Das kann man von heute auf morgen auch nicht ändern. Wir arbeiten daran, weil wir uns ja an diese Hitzewellen gewöhnen müssen.» Derzeit werde an einem Förderprogramm für die nächsten Jahre gearbeitet.

Für die Schifffahrt auf dem Rhein spitzt sich die Lage weiter zu. So niedrige Wasserstände wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen werden an diesem Samstag oder Sonntag an allen großen Pegelstationen in Nordrhein-Westfalen erwartet, wie der Sprecher des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Rhein, Moritz Axt, der Deutschen Presse-Agentur sagte.

Seit wann die Pegelstände aufgezeichnet werden, sei von Messstation zu Messtation unterschiedlich. In Köln beispielsweise werde der niedrigste Pegelstand seit mindestens 100 Jahren erwartet, sagte Axt. Für den Pegel Köln laute die Prognose für Samstag 67 Zentimeter. Das wären 2 Zentimeter weniger als der bisher niedrigste Pegelstand 69 Zentimeter vom 23. Oktober 2018.

Am Pegel Düsseldorf werden am Samstag 21 Zentimeter erwartet. Das sind ebenfalls 2 Zentimeter weniger als der bisherige Rekord-Tiefstand 23 Zentimeter vom 23. Oktober 2018. Am selben Tag waren damals am Pegel Duisburg-Ruhrort 153 Zentimeter abgelesen worden. Die Vorhersage sind 148 Zentimeter für Samstag. Das wären 5 Zentimeter weniger als die Tiefstmarke.

Für den Pegel Emmerich kurz vor der Grenze zu den Niederlanden wird sogar ein Negativwert erwartet von minus 3 am Sonntag. Der bisher niedrigste dort gemessene Wert waren minus 1 am 18. August 2022. Die Pegelstände der einzelnen Messstationen am Rhein sind allerdings nicht direkt miteinander vergleichbar, da es keinen einheitlichen Nullpunkt für alle Pegel gibt.

Das aktuelle Niedrigwasser habe seinen tiefsten Punkt aber am Samstag möglicherweise noch nicht erreicht: «Die Tiefpunkte können danach noch leicht weiter fallen bis nächste Woche Mittwoch», sagte der Sprecher. Am Montag (03.08.) oder Dienstag (04.08.) könnten etwa in Düsseldorf möglicherweise 20 Zentimeter und damit 1 Zentimeter weniger als am Samstag erreicht werden.

Nach den historischen Tiefständen bis Mitte nächster Woche werde sich die Situation nicht wesentlich ändern. Ohne viel Regen im Einzugsgebiet des Rheins blieben die Wasserstände sehr niedrig. Die Fähren könnten relativ lang fahren, weil sie flachwassergeeignet seien, sagte der Sprecher. An einzelnen Fähranlegern werde gebaggert, um den Fährbetrieb weiterhin sicherzustellen.

Für die Schifffahrt auf dem Rhein werde der Transport unwirtschaftlicher, je niedriger die Wasserstände seien. Denn die Schiffe könnten nicht mehr so viel Ladung aufnehmen. Eine behördliche Anordnung nicht mehr zu fahren, gebe es bei Niedrigwasser nicht. Das sei dann eine unternehmerische Entscheidung.

Die Fahrrinne im Rhein ist deutlich tiefer als der jeweilige Pegelstand Null am Ufer. Zum Beispiel lag am Mittwochmittag der Pegelstand in Duisburg-Ruhrort bei 1,60 Meter. In der Fahrrinne betrug die Tiefe gleichzeitig 2,13 Meter. An anderen Stellen kann der Unterschied auch größer oder auch kleiner sein.

Nach Prognosen der Bundesanstalt für Gewässerkunde für die Schifffahrt wird das Niedrigwasser an den Bundeswasserstraßen in den kommenden Wochen Bestand haben. Das gelte auch für Rhein und Weser. Die vorhergesagten Schauer wirkten sich an den Wasserstraßen nur gering aus. Die Wasserstände kleinerer Gewässer könnten zumindest vorübergehend deutlicher steigen.

Auswirkungen hat die Situation auch für die Wirtschaft. Das Niedrigwasser gefährde die Rohstoffversorgung der Stahlindustrie, warnen die Bundesvereinigung Deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen (BDSV), der Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse) und der Verband Deutscher Metallhändler und Recycler (VDM). Je nach Schiffstyp und Strecke könnten Binnenschiffe nur noch ein Drittel bis die Hälfte der üblichen Ladung transportieren. Frachtsätze auf einzelnen Verbindungen hätten sich bereits verdrei- bis vervierfacht. Hinzu kämen Kosten für Verzögerungen und Umplanungen.

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