26. August 2026 – dpa
Hacker griffen das IT-System der Firma Rosneft Deutschland an. Im großen Stil wurden Daten gestohlen, einige gelöscht - mit Schaden in Millionenhöhe. «Anonymous»-Akteure steckten dahinter.
Nach einem Cyberangriff auf die Ölindustrie-Firma Rosneft Deutschland GmbH mit einem Schaden in Millionenhöhe ist ein 31-Jähriger zu einem Jahr und vier Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Ein Berliner Amtsgericht sprach den Mann des Ausspähens von Daten in zwei Fällen sowie der Computersabotage schuldig. Der 31-Jährige aus Nordrhein-Westfalen hatte laut Ermittlungen bei mehreren Zugriffen im März 2022 rund 20 Terabyte Daten kopiert und andere Daten gelöscht.
Der Angeklagte und seine Mittäter hätten das Unternehmen zwar nicht lahmlegen wollen, aber «billigend in Kauf genommen, erhebliches Chaos zu verursachen», hieß es weiter im Urteil des Amtsgerichts Tiergarten. Die Taten seien ihnen leicht gemacht worden.
Das Unternehmen wird der kritischen Infrastruktur im Energiesektor zugeordnet. Zu dem Hack war es unmittelbar nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine gekommen. Der Angeklagte agierte laut Ermittlungen im Namen des sogenannten Hackerkollektivs Anonymous. Zu einer Veröffentlichung der abgegriffenen Daten sei es nicht gekommen.
Datei mit Passwörtern wurde zugespielt
Der Angeklagte sagte, ihnen sei über einen öffentlich zugänglichen Chat-Server eine Datei mit Passwörtern zugespielt worden. «Ohne zufälliges Auftauchen des Informanten wäre es nicht passiert», so der 31-jährige aus Nordrhein-Westfalen. Vier Personen hätten unberechtigt Zugriff gehabt und «abgegriffen, was geht». Ein solches Ausmaß sei aber nicht beabsichtigt gewesen. «Es war auch nie geplant, irgendwelche Daten zu veröffentlichen», so der Angeklagte. Er bat um Entschuldigung. Bei «Anonymous» sei er nicht mehr aktiv.
Der Cyberangriff auf das Tochterunternehmen des russischen Energieunternehmens Rosneft verursachte laut Staatsanwaltschaft einen Schaden in Millionenhöhe. So musste die Firma ihre gesamten Systeme offline nehmen und Untersuchungen einleiten, was Folgekosten in Höhe von rund 9,756 Millionen Euro verursachte. Die Person, die die Datei weitergegeben haben soll, ist den Angaben zufolge bis heute nicht identifiziert.
Verteidiger: «Eine Lücke wurde ausgenutzt»
Der Verteidiger des gelernten IT-Systemelektronikers sagte, der Gruppe sei es darum gegangen, Aufklärung zu betreiben. «Die Motive waren lauter, die Methoden nicht», so der Anwalt. Es sei seinem Mandanten allerdings leicht gemacht worden - «eine Lücke wurde ausgenutzt». Aus seiner Sicht habe es damals eine «extreme Fahrlässigkeit» beim Schutz von Daten gegeben.
Auf den damaligen Hacker werde voraussichtlich noch eine Klage auf Schadenersatz zukommen, hieß es am Rande. Dem Geständnis des Angeklagten war eine Verständigung aller Prozessbeteiligten vorausgegangen. Der Staatsanwalt hatte eineinhalb Jahre Haft auf Bewährung gefordert, der Verteidiger plädierte auf 14 Monate auf Bewährung. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.