05. August 2026 – dpa
Anfangs begleiteten 2.700 Einsatzkräfte die Castoren von Jülich ins Zwischenlager Ahaus. Nach vier Monaten wurde die Zahl der Beamten jetzt deutlich reduziert.
Die Polizei hat die Zahl der Beamten, die seit März die Castor-Transporte von Jülich nach Ahaus absichern, von 2.700 auf 400 reduziert. Das geht aus einer Antwort der Landesregierung zu einer Kleinen Anfrage der FDP im nordrhein-westfälischen Landtag hervor. Demnach haben am 8. Juli 2026, als der sechste Castor aus dem Rheinland ins Münsterland gebracht wurde, nur noch 400 Beamtinnen und Beamte den Transport über die Landstraßen und Autobahnen abgesichert. Diese Zahl galt auch bei den Transporten neun und zehn am 21. und 23. Juli, wie das zuständige Ministerium der Deutschen Presse-Agentur auf Nachfrage mitteilte. Am 5. August ist der elfte Castor in Ahaus angekommen. Zu diesem Einsatz liegen noch keine Zahlen der Polizei vor.
Beim ersten Transport am 24. März waren noch 2.700 Polizisten im Einsatz. Die Zahl der Beamtinnen und Beamten ging dann von Transport zu Transport zurück: Am 21. April waren es noch 2.200, Anfang Mai dann nur noch 1.200 und am 20. Mai 1.100. Am 7. Juli gab es dann nochmals eine deutliche Reduzierung auf 500 Einsatzkräfte. Bei den Transporten neun und zehn waren es dann mit 400 erneut weniger.
Zur Einsatztaktik und den Startterminen äußert sich die für die Planung der Transporte verantwortliche Polizei in Münster generell nicht. Die Transporte über 170 Kilometer starten in der Regel in den späten Abendstunden und führen über Landstraßen im Rheinland dann über Autobahnen durchs Ruhrgebiet und das Münsterland. Die Ankunft des Atommülls in Ahaus ist dann in den ersten Stunden des Folgetages.
Bislang gab es eine Panne. An einem Transportfahrzeug hatte es am 22. Juli einen technischen Defekt gegeben, so dass der Castor erst mit einem Tag Verspätung auf die Reise gehen konnte.
Die Proteste von Atomkraftgegnern hielten sich bislang bei allen Transporten im Rahmen. Straßenblockaden auf der Straße oder von Brücken abgeseilte Aktivisten gab es, wie im Vorfeld befürchtet, bislang nicht. Bei Mahnwachen in Jülich, im Ruhrgebiet und in Ahaus kamen in der Regel nur wenige Demonstranten zusammen. Beim ersten Transport hatten sich vor dem Zwischenlager hinter einem Absperrgitter rund 70 Protestierende versammelt.
«Trotz des reduzierten Kräfteansatzes: Über die Größe der Herausforderung dieses Einsatzes darf man sich keine Illusionen machen. Die Tatsache, dass nach mehr als vier Monaten erst elf Transporte geschafft sind und damit erst elf von 152 Behältern nach Ahaus gebracht wurden, spricht Bände: Diese Aufgabe wird die Polizei in NRW noch lange belasten!», sagte der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Patrick Schlüter der dpa.
Mit jedem Transport wachse das Wissen über Protest- und Störpotenzial und den Einsatzablauf an sich, sagt Schlüter. «Die Einsatzleitung, die alles sehr umsichtig organisiert, hat deshalb den Kräfteansatz sehr deutlich runtergefahren. Bei Bedarf wird er jedoch jederzeit und auch sehr schnell wieder hochgefahren werden», meint der NRW-Gewerkschaftschef. Schlüter warnt vor einer vorschnellen Beurteilung. «Über die tatsächliche Reduzierung des Mehraufwandes lässt sich deshalb noch nichts verlässlich sagen - zumal ja erst ein Bruchteil der Transporte absolviert ist.»