02. November 2026 – dpa

Nahverkehr

Branche streitet über Provision für Verkauf des D-Tickets

Hunderte Millionen Euro bekommen Verkehrsunternehmen jährlich für den Verkauf des Monatsabos. Nun steht eine Erhöhung der Provision an. Kritikern zufolge profitiert davon vor allem ein Unternehmen.

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Wie viel Provision soll es für den Verkauf des Deutschlandtickets geben? (Archivbild)

Die Vergütung für den Verkauf des Deutschlandtickets sorgt für Streit unter den Verkehrsunternehmen. «Die Frage ist, wofür gibt man die Einnahmen aus? Gibt man sie für Verkehrsleistungen aus, oder für Verwaltung und erhöht so die Vertriebsanreize?» sagte der Chef des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR), Oliver Wittke, der Deutschen Presse-Agentur. Er lehnt den Plan, die sogenannte Anreizvergütung anzuheben, ab. Zuvor berichtete der «Spiegel».

Wittke zufolge soll die Provision, die Verkehrsunternehmen für den Verkauf des Deutschlandtickets bekommen, von 2,87 auf 3,15 Euro steigen. Großer Profiteur sei die Deutsche Bahn, weil diese sehr viele Tickets verkaufe. «Die bekommt jetzt schon ihren Vertriebsaufwand überkompensiert», sagte Wittke. Kleinere Verkehrsunternehmen müssten für den Vertrieb deutlich mehr Aufwand betreiben und bekämen in Summe viel weniger Vergütung.

Bund und Länder stellen der Branche jährlich drei Milliarden Euro zur Verfügung, um Einnahmeausfälle durch das Deutschlandticket zu kompensieren. Von diesem Geld wird auch die Provision für den Verkauf des Monatsabos bezahlt, dessen Preis zum Januar von derzeit 63 Euro auf dann 66,80 Euro steigt.

Der Verkehrsverband Deutschland (VDV) verweist darauf, dass der Vertriebsanreiz im Grundsatz vom Bundeskartellamt vorgegeben sei. «Die Länder haben eine objektive Bemessungsgrundlage beauftragt, diese ist erfolgt und wird 2027 erneut evaluiert», sagte VDV-Geschäftsführer Alexander Möller der dpa. In Summe beträgt die Vergütung für den Verkauf aller Deutschlandtickets nach VDV-Angaben mehr als 400 Millionen Euro im Jahr.

Oliver Wittke vom Verkehrsverbund Rhein-Ruhr schlägt für die Zukunft ein anderes Modell vor: Bei großen Unternehmen, die viele Deutschlandtickets verkaufen, müsse die Provision Stück für Stück abnehmen. «Große Vertriebsplattformen können ihre Infrastruktur für eine sehr hohe Zahl von Abonnements nutzen und dadurch Skaleneffekte erzielen», teilte der VRR mit. Diese Mengenvorteile sollten sich auch in der Vergütung widerspiegeln. Bei sehr hohen Verkaufszahlen solle die Vergütung für die zusätzlich verkauften Tickets schrittweise sinken.

Es gehe nicht darum, «einzelne Unternehmen oder erfolgreiche Vertriebssysteme zu benachteiligen», betont der VRR. Vielmehr sollten mögliche Kostenvorteile großer Vertriebe angemessen berücksichtigt werden. Ziel müsse sein, «möglichst viel von den vorhandenen Mitteln für einen zuverlässigen und attraktiven öffentlichen Verkehr zu sichern».

Der Koordinierungsrat des Deutschlandtickets entscheidet nach VDV-Angaben nächste Woche Dienstag (10. November) über die Erhöhung der Verkaufsvergütung.

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