16. Juni 2026 – dpa
Sie sind unsichtbar, geruchslos und ein wachsendes Problem in Haftanstalten: Sogenannte NPS-Drogen, eingeschmuggelt auf Papierschnipseln. In NRW-Gefängnissen sollen nun Spürnasen helfen.
Im Kampf gegen unsichtbare synthetische Designerdrogen in Gefängnissen setzt der nordrhein-westfälische Justizvollzug nun auf die Spürnasen seiner Diensthunde. In Zusammenarbeit mit dem Landeskriminalamt sei es gelungen, zwei Tieren aus der Diensthundestaffel des Justizvollzugs das Aufspüren von neuen psychoaktiven Stoffen, sogenannten NPS, anzutrainieren.
Dabei handelt es sich um chemische Verbindungen, die die Wirkung verbotener Drogen nachahmen. Sie sorgen in Haftanstalten seit mehreren Jahren für Probleme. Schritt für Schritt sollen alle Diensthunde entsprechend trainiert werden, hieß es. Laut Justizministerium sind die nordrhein-westfälischen Diensthunde damit bundesweit Vorreiter.
Die farb- und geruchsneutralen Flüssigkeiten können auf Papier oder Textilien aufgetragen werden - als sogenanntes Knastpapier, das geraucht oder geschluckt wird. Dadurch sind die Drogen bei üblichen Post- oder Haftraumkontrollen kaum zu erkennen. In der JVA-Rheinbach kommt daher seit Ende 2024 auch ein spezieller Ionenscanner zum Einsatz.
Laut jüngstem Lagebild zur Rauschgiftkriminalität kommt es in den Anstalten in hoher Zahl zu Vergiftungen, die mit Knastpapier in Zusammenhang gebracht werden. Inzwischen werden die Wirkstoffe auch immer häufiger gefunden: Für das Jahr 2025 bezifferte das Justizministerium die NPS-Funde auf 533 - nur Cannabis wird häufiger entdeckt.
Laut einer Sprecherin der Justizvollzugsdirektion sind durch den Schmuggel der unsichtbaren Drogen auch immer wieder Bedienstete gefährdet, weil die Wirkstoffe schon bei unwissentlicher Berührung etwa zu Hautreizungen und anderen Problemen führen könnten.
NRW-Justizminister Benjamin Limbach sprach daher bei einem Besuch der Diensthundestaffel in ihrem Trainingszentrum in Schalksmühle im Sauerland von einem «großartigen Erfolg». Die Spezialisierung auf NPS sei ein weiterer Schritt, um den Vollzug sicherer zu machen und sowohl Bedienstete als auch Inhaftierte zu schützen, lobte der Grünen-Politiker.
Die Diensthundestaffel gibt es seit 2010. Sie besteht inzwischen aus acht Hundeführerinnen und -führern mit 13 Hunden, die sowohl Rauchgift als auch Datenspeicher erschnüffeln können. Sie kommen in allen 36 Anstalten des Landes zum Einsatz. Im vergangenen Jahr absolvierten sie 322 Einsätze - und fanden dabei fast 700 Mal Drogen sowie mehr als 100 versteckte Handys.