12. Juli 2026 – dpa
Rekordzahl an Badetoten: Während der Hitzewochen im Juni forderten unterschätzte Strömungen, Fehleinschätzung und Alkohol in NRW viele Opfer.
Die Zahl der Badetoten in Nordrhein-Westfalen ist im Hitzemonat Juni im Vergleich zum Vorjahr deutlich größer geworden. Während es in dem Monat 2025 noch 12 tödliche Unfälle im Wasser gab, zählte die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) jetzt im Juni 22 Badetote. Das ist ein Anstieg um über 80 Prozent. In keinem anderen Bundesland zählte die DLRG in diesem Zeitraum mit der Rekordhitze mehr Opfer.
Besonders an den heißen Tagen häuften sich in NRW innerhalb kürzester Zeit die Fälle vermisster oder verstorbener Badender. In den vergangenen Jahren hatte es vor allem am Rhein aufgrund der starken Strömungen und Sogwirkungen durch vorbeifahrende Frachtschiffe immer wieder tödliche Badefälle gegeben. Laut DLRG starben im vergangenen Jahr allein 12 Menschen bei Badeunfällen am Rhein in NRW.
Die DLRG schätzte die vielbefahrene Wasserstraße als eines der gefährlichsten Gewässer Deutschlands für Schwimmer ein. Seit vergangenem Sommer hatten zahlreiche Städte und Kreise am Rhein deshalb ein Badeverbot für den Fluss ausgesprochen.
Bei Temperaturen von über 30 Grad am Samstag missachteten dennoch zahlreiche Menschen an den Rhein-Ufern das Badeverbot. Am Samstag kontrollierte das Ordnungsamt in Düsseldorf mehrere Personen, die im Rhein gebadet hatten.
Die Wasserschutzpolizei war mit einem Streifenboot auf dem Rhein im Einsatz und forderte Menschen im Wasser über Lautsprecherdurchsagen auf, den Rhein unverzüglich zu verlassen. Auch die DLRG unternahm Kontrollfahrten auf dem Rhein.
Die ersten kommunalen Maßnahmen zum Badeverbot im Rhein griffen ab Mitte August 2025. Ob das Badeverbot einen Effekt auf die Zahl der Badetoten hat, lasse sich deshalb erst nach der aktuellen Saison beurteilen, betonte ein Sprecher der DLRG Nordrhein. «Die Leute suchen sich in Teilen andere Wasserflächen und da steigen die Zahlen dann wiederum», sagte er weiter.
Wer gegen das Verbot verstößt, muss mit einem Bußgeld von bis zu 1.000 Euro rechnen. Als Baden gilt schon das knöcheltiefe Waten im Wasser.
Bundesweit gab es im vergangenen Monat den Angaben nach mindestens 99 Badetote. So viele Menschen ertranken seit über 20 Jahren in keinem Juni mehr. Zuletzt wurden nur im Hitzesommer 2003 mit 107 verunglückten Menschen mehr Badetote im Monat Juni gezählt.
Viele Menschen würden die Gefahr von Strömung und Temperaturunterschieden im Wasser unterschätzen, betonte die DLRG. Hinzu komme oftmals eine Fehleinschätzung der eigenen Fähigkeiten und mitunter der Einfluss von Alkohol.
Über 90 Prozent der dokumentierten Todesopfer im Juni waren den Angaben nach männlich, 40 Menschen außerdem nicht älter als 30 Jahre alt. Das treffe auch auf viele Opfer in NRW zu, wie der Sprecher der DLRG Nordrhein mitteilte. «Man stellt fest, dass junge Männer sich öfter nicht an die Regeln halten», sagte er. «Diese Leichtsinnigkeit wird oft mit dem Leben bezahlt».
Die DLRG rät, grundsätzlich nur an geeigneten und bewachten Stellen baden zu gehen - und dabei die eigene Leistungsfähigkeit realistisch einzuschätzen. In der Nähe von Wasser müssten Kinder zudem stets aufmerksam beaufsichtigt werden. Auf Alkohol sollte im und am Wasser verzichtet werden.