22. Juli 2026 – dpa

Missbrauch

674 Verfahren nach Scheinkind-Einsätzen gegen Cybergrooming

In sozialen Netzwerken, Chats und Games gehen als Kinder getarnte Ermittler auf Tätersuche. Die Ergebnisse sind erschreckend.

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Durch Scheinkindeinsätze wollen Ermittlerinnen und Ermittler den Druck auf Täter im Internet erhöhen. (Symbolbild) , Foto: Elisa Schu/dpa

Sie surfen als Kinder getarnt in sozialen Netzwerken, Chatportalen oder auf Spieleplattformen - und fahnden so nach Pädokriminellen: Ermittlerinnen und Ermittler des nordrhein-westfälischen Landeskriminalamts (LKA NRW) haben in sogenannten Scheinkindoperationen im Internet Hunderte Fahndungserfolge erzielt. Seit 2023 seien durch solche Einsätze 674 Strafverfahren wegen des Verdachts auf Cybergrooming eingeleitet worden, teilte das LKA mit.

Cybergrooming beschreibt die gezielte Manipulation von Kindern und Jugendlichen über das Internet mit dem Ziel, sexuelle Übergriffe zu begehen. Die Täter geben sich in Chats oder Online-Communitys gegenüber Kindern oder Jugendlichen als ungefähr gleichaltrig aus. In vielen Fällen bringen sie die Kinder dazu, ihnen freizügige Selbstporträts zu senden. Die Fotos werden dann teilweise als Druckmittel gegen die Minderjährigen eingesetzt. Manche Täter verfolgen das Ziel eines realen sexuellen Missbrauchs.

Neben fortlaufenden Einsätzen gab es von November 2023 bis Juni 2026 auch insgesamt 23 konzentrierte Scheinkindoperationen der LKA-Ermittler mit einer Dauer zwischen einem Tag und einer Woche. Ergeben sich Hinweise auf Straftaten wie sexuellen Missbrauch von Kindern, werden Strafverfahren eingeleitet und Täter identifiziert. Mit den Scheinkindeinsätzen soll der Verfolgungsdruck auf pädokriminelle Täter, die über das Internet Kontakt zu potenziellen Opfern aufnehmen, kontinuierlich erhöht werden.

Jedes vierte Kind in Deutschland hat laut einer repräsentativen Befragung schon sexuell motivierte Annäherungsversuche Erwachsener im Internet erlebt. Bei der 2025 veröffentlichten Befragung für die Landesanstalt für Medien NRW gaben 24 Prozent der Kinder und Jugendlichen an, so etwas in sozialen Medien oder Online-Games schon erlebt zu haben.

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