06. November 2026 – dpa
Gekränkte Ehre als Tatmotiv: Ein 20-Jähriger soll ohne Führerschein auf seine Ex-Schwiegermutter in spe zugefahren sein. In Bonn begann nun der Prozess.
Aus Rache für das Ende seiner Verlobung soll ein 20-Jähriger in Bonn die Mutter seiner Ex-Partnerin mit einem Auto angefahren haben. Vor dem Landgericht ist er nun wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Der Prozess begann am Freitag.
Das 48 Jahre alte Opfer hatte am Tattag im Mai 2026 mit dem Rücken zur Fahrbahn eine Hecke geschnitten. Mit einem Angriff auf ihr Leben habe sie nicht gerechnet, hieß es in der Anklage. Der Angeklagte habe dann seinen schwarzen Pkw bewusst auf die Frau - die Mutter seiner Ex-Verlobten - zugesteuert und sie mit der Motorhaube erwischt. Die 48-Jährige wurde leicht verletzt. Als der Angeklagte ein zweites Mal auf sie zugesteuert sein soll, brachte sie sich unter einem anderen Auto in Sicherheit. Anschließend soll der Angeklagte, der keinen Führerschein besessen habe, schnell davongefahren sein.
Als Motiv geht die Staatsanwaltschaft von einem Racheakt aus. Der Montenegriner soll die 48-Jährige dafür verantwortlich gemacht haben, dass sich ihre Tochter einige Wochen vor der Tat von ihm getrennt und auch die Verlobung nach vier Monaten aufgelöst hatte. Hierdurch habe er sich in seiner Ehre verletzt gefühlt, hieß es in der Anklage.
Der 20-Jährige hatte sich mit seinem Anwalt bei einer Polizeistation in Köln gestellt. Zuvor war mit Foto öffentlich nach ihm gefahndet worden. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Zu den Vorwürfen hat er sich bislang nicht geäußert. Auch am ersten Prozesstag schwieg er. Die Verteidigung wollte «zunächst abwarten».
Die Familie der 48-Jährigen lebt nach eigenen Angaben seit dem Vorfall in großer Angst vor den Angehörigen des Angeklagten. Sie steht unter Polizeischutz. Die 48-Jährige tritt in dem Prozess als Nebenklägerin auf.
Für den Prozess sind zwölf Verhandlungstage angesetzt. Mit einem Urteil wird frühestens im Januar 2027 gerechnet.